Planung Wimmersberg bietet Diskussionspotential

Symbolbild/ geralt, Pixabay

Die Bürgerveranstaltung zum Vorhaben Wimmersberg in der vergangenen Woche war gut besucht. (Hier nochmals unser Artikel zu der Veranstaltung). In der gestrigen Sitzung des Planungsausschuss durften sich auch die Ausschussmitglieder einen Überblick über den aktuellen Zustand verschaffen. Klaus Franken, CEO von Catella Project Management, erläuterte gemeinsam mit weiteren Fachleuten nochmals die Präsentation der vergangenen Woche, ging dabei gezielt auf die Verkehrsverhältnisse und Planvarianten ein. Zudem gab er die Ergebnisse einer Bürgerbefragung preis, die in den vergangenen Wochen online zur Verfügung stand.

So haben sich laut Franken 374 Personen an der Umfrage beteiligt, die größtenteils dem Vorhaben gegenüber positiv gestimmt waren. Zehn Fragen wurden von Catella vorformuliert. Auf einer Skala von 1-5 (wobei 5 die schlechteste Benotung ist), pendelten sich die Ergebnisse jeweils im unteren Zweierbereich ein.

Beispiel: Wie wichtig ist ihnen die Durchmischung des neuen Wohnquartiers unter anderem mit Reihenhäuser, Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und gefördertem Wohnraum? Das Ergebnis lag nach der Befragung bei 1,66.

Eine elfseitige Ergebnisauswertung ließ Catelle den Ausschussmitgliedern vor der Sitzung zukommen. Dass nicht alle Stimmen positiv über das Vorhaben sprechen, verrät ein Blick in die Kommentarübersicht der Onlinebefragung. So liest man neben zahlreichen lobenden Meinungen auch immer wieder Beiträge über Ängste vor zu hohen Immobilien, zu vielen Parkplätzen oder übermäßiger Flächenversiegelung.

Zwei Varianten zur Bebauung der Freifläche wurden abschließend von Catella vorgestellt. Markantester Unterschied der beiden Versionen stellt eine Reihenhausbebauung in Richtung Am Wimmersberg dar (Variante A), die bei der anderen Variante durch mehrgeschossige Gebäude ersetzt werden.  „Für die Bebauung von Reihenhäusern werden wir uns fachliche Unterstützung holen müssen, das ist nicht unser Kerngeschäft“, so Franken erklärend. Ein Großteil der online befragten Bürger sprach sich jedoch für eben diese Variante A aus.

Nach der Präsentation konnten die Mitglieder in die Diskussion einsteigen, die über zweieinhalb Stunden andauern sollte. Bernhard Osterwind (BmU) gab an, dass er in der Kommunalpolitik schon reichlich schlechte Erfahrungen mit Verkehrsprognosen gemacht habe und wollte vom zuständigen Verkehrsplaner Hans-Rainer Runge vom gleichnamigen Planungsbüro wissen, wie er es schaffe, die Verkehrsprognosen im Vergleich zu anderen Kollegen so positiv ausfallen zu lassen. „In den letzten 15 Jahren ist der Verkehr an der Schlüterstraße zurückgegangen“, gab Runge an, der sich laut eigenen Aussagen seit 30 Jahren mit dem Erkrather Verkehr beschäftigt. Auch auf die Frage hin, ob eine zehnprozentige Steigung auf dem Plangebiet (welches insgesamt einen Höhenunterschied von 30 Metern aufweist) bei eventuellen Schneefall zu bewältigen sei, gab Runge Entwarnung. „Wir haben eine Alternativstrecke angelegt, die eine geringere Steigung vorsieht.“

Schärfere Worte gab es von Grünen- Mitglied Peter Knitsch, der das bisherige Planverfahren als „merkwürdig“ bezeichnete. „Aus unserer Sicht fehlen hier die Fakten. Es wird oft aus Gutachten zitiert, wo aber sind diese Gutachten?“, so Knitsch, der auch das neue Vertrauensverhältnis zwischen Investor und Stadt anzweifelt. „Vor wenigen Wochen wurde uns noch schriftlich von einem Zerwürfnis zwischen beiden Parteien mitgeteilt.“ Dass die Grünen ohne Angaben aus Verkehrs- und Lärmschutzgutachten sowie einem Baumkataster keine Entscheidung treffen werden, mahnte Peter Knitsch an.

Die CDU war ganz anderer Meinung, gab an das Projekt als „wichtig und zukunftsweisend“ anzusehen. „Dieses Vorhaben könnte ein Leuchtturmprojekt für Erkrath sein“, zeigte sich Wilfried Schmidt optimistisch und verwies gleichzeitig auf die Notwendigkeit des Projektes. „Wir brauchen neue Wohnungen in Erkrath und dabei muss man eben auch mal Kompromisse eingehen“, richtete er seinen Blick auf Knitsch. Die CDU präferierte Variante A. Eine Entscheidung, die von der SPD später ebenfalls getroffen wurde.  

Unterstützung gab es von Seiten des Bürgermeisters Christoph Schultz, der zwar Meinungsdifferenzen mit dem Investor in der Vergangenheit einräumte, diese aber mittlerweile als bereinigt ansah. „Wir haben nur zwei Möglichkeiten: Weitermachen oder stoppen“, so Schultz, der persönlich in der Maßnahme viel Potential sieht. „Ich kann mit dem Kompromiss leben, auch wenn es persönlich nicht meine Wunschbebauung ist.“ Dass im weiteren Umkreis Erkrath die Kommune mit dem geringsten neuen Wohnungsbau ist, gab der Bürgermeister ebenfalls an und verwies bei seiner Aussage auf eine aktuelle Studie im SPIEGEL.

Dass mit der gestrigen Entscheidung nicht der Bebauungsplan beschlossen wurde, sondern lediglich ein Rahmen für das weitere Konzept geschaffen wird, erläuterte Beigeordneter Fabian Schmidt, der auch auf den Fakten-Wunsch der Grünen einging. „Wir können finale Gutachten erst erstellen, wenn wir die Entscheidung für das weitere Vorgehen getroffen haben.“

Bei einer kurzen Sitzungsunterbrechung wurde dem Wimmersberg- Anwohner und pensioniertem Stadtplaner Michael Laferi das Wort erteilt, der gerne eine eigene Planung in digitaler Form präsentiert hätte. Diese Möglichkeit wurde im vom Ausschutzvorsitzenden Helmut Rohden jedoch untersagt, woraufhin sich Laferi mit einer Plakatlösung aushalf. Darauf veranschaulichte der Erkrather seine Idee, auf eine „Grüne Mitte“ im Plangebiet zu verzichten und stattdessen einzelne Nachbarschaftsbereiche zu schaffen. Er selbst möchte lediglich die bereits versiegelten Flächen für die Bebauung nutzen und sieht eine Schaffung von 450 Wohneinheiten vor. „Die Planungshoheit liegt bei der Stadt“, so Laferi, der den Plan des Investors als „lausig“ bezeichnete. „Es gibt bis heute keine 3D- Planung, bisher haben wir nur kosmetische Kinkerlitzchen vorgelegt bekommen.“

Abschließend sprachen sich CDU und SPD für die Variante A des Investors Catella aus, Laferis Planung kam nicht zum Tragen. Die BmU stimmte gegen das weitere Vorgehen, die Grünen enthielten sich.

Und wie geht es jetzt weiter? Auf der Basis der mehrheitlich präferierten Variante A werden weitere Gutachten und der Bebauungsplan erstellt. Alle Inhalte, die nicht im Bebauungsplan festgehalten werden können, kommen bei einem städtebaulichen Vertrag zwischen Investor und der Stadt Erkrath zu Tragen. Im darauffolgenden Schritt werden die Unterlagen für eine Dauer von gut vier Wochen offengelegt. Erst nach dieser Zeit kann ein Satzungsbeschluss seitens der Politik getroffen werden.


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