Wimmersberg – noch bis zum 1. März online abstimmen

Umgeben von Schautafeln, denen Besucher die Entwicklungsschritte und die aktuell zur Abstimmung gestellten Planungsvarianten entnehmen konnten, begrüßte Bürgermeister Christoph Schultz die Besucher der Informationsveranstaltung zum Baugebiet Wimmersberg. Foto: RG

Rund 100 Erkrather besuchten bei Schmuddelwetter die kurzfristig zusätzlich anberaumte Info-Veranstaltung zum Baugebiet Wimmersberg in der Stadthalle.

Das wichtigste Vorweg: Bis zum 1. März können Bürger sich noch an einer Online-Umfrage zum Baugebiet Wimmersberg beteiligen. Auf der Homepage von Catella heißt es dazu “Ihre Anregungen fließen direkt in die Planungen ein… Die Umfrage endet am 01. März 2020. Die Ergebnisse werden in der 58. Sitzung des Ausschusses für Planung, Umwelt und Verkehr vorgestellt.” Wer es am Dienstag nicht in die Stadthalle geschafft hat, kann hier noch einmal seine persönliche Meinung mit einbringen.

Das Interesse der Bürgern war groß, obwohl der Rosenmontag gerade einen Tag zurücklag und die Wetterbedingungen ausgesprochen schlecht waren. Unter den Besuchern waren viele Anwohner aus den angrenzenden Gebieten, Interessierte und Ratsmitglieder. Bürgermeister Christoph Schultz begrüßte die Teilnehmer und fasste zu Beginn ein paar Punkte zusammen, zu denen der in Erkrath dringend notwendige neue Wohnraum genauso gehörten, wie die inzwischen festgelegten 40 Prozent bezahlbarer Wohnraum im Baugebiet Wimmersberg, von denen 20 Prozent Sozialwohnungen seien sollen. Er sprach davon, wie schwierig es letztendlich ist den für die Stadt, ihre Bürger und den Investor passenden Kompromiss zu finden. Schultz entschuldigte sich für den kurzfristigen Termin, da bis kurz vorher noch an dem letzten Stand der Präsentation gearbeitet wurde. “97 Prozent des Erkrather Wohnungsbaus ist älter als 20 Jahre”, verdeutlichte er noch einmal das Dilemma, in dem die Stadt steckt, denn zusätzlicher Wohnraum, vor allem bezahlbarer Wohnraum ist derzeit dringend notwendig.

Um die Bürger an diesem Abend noch einmal umfassend und mit aktuellem Stand zu informieren, waren Klaus Franken und Günter Thiebes von Catella vor Ort. Hans-Rainer Runge von Runge IVP präsentierte die Auswirkungen des Baugebiets auf den Verkehr und Holger Bouman von Leinfelder Ingenieure berichtete von den geplanten Tiefbauarbeiten.

Bürgerfragen schon vor der Frage- und Diskussionsrunde

Gleich zu Beginn begehrte Anwohner Michael Laferi das Wort “Wer hat diese Veranstaltung einberufen?”, wollte er vom Bürgermeister wissen, der ihm antwortete, dass die Veranstaltung von der Stadt Erkrath durchgeführt werde. “Brauchen Sie dazu nicht einen Beschluss des Rats?”, hakte Laferi nach, um zu erfahren, dass es durchaus im normalen Ermessen der Verwaltung läge eine zusätzliche Informationsverstaltung durchzuführen. Dann kam Stadtplaner und Fachbereichsleiter Jörn Wessendorf zu Wort, der noch einmal den gesamten Ablauf zusammenfasste und darauf hinwies, dass die jetzt vorgestellten Varianten, über die auch die Bürger online abstimmen können, am 3. März im Planungsausschuss diskutiert werden. Dort werde das Bürgervotum einfließen.

Mehrfach meldete sich Michael Laferi an diesem Abend zu Wort. Foto: RG

Variante A und Variante B

Als schließlich Klaus Franken von Catella mit seiner Präsentation begann, erklärte er, dass der vorliegende Planungsstand die Nummer 67 trage, denn so häufig seien die Planungen bereits angepasst worden. “Es wird viel über uns geredet. Gut, dass wir heute miteinander reden”, setzte er vorweg, denn zwischenzeitlich wurde auch deutliche Kritik an Catella laut. “Es freut mich, wenn die ‘Hinterzimmer’ so groß wie die Stadthalle sind”, führte er aus, dass Catella an Transparenz gelegen sei. “Das heute ist bereits die sechste Veranstaltung mit Bürgern”, versuchte er deutlich zu machen, dass man nicht über den Bürgerwillen hinweg geplant habe. Die Pros und Contras vorheriger Veranstaltungen habe man mitgenommen und im Bereich der Möglichkeiten einfließen lassen. Auf Schautafeln in der Stadthalle waren sie an diesem Abend noch einmal dargestellt und Franken wies darauf hin, dass sie in den nun zur Diskussion vorliegenden Varianten A und B verarbeitet worden seien. Auch Kritik und Wünsche seitens der Politik habe man aufgegriffen, weshalb inzwischen 40 Prozent bezahlbarer Wohnraum eingeplant seien.

Klaus Franken verdeutlichte in seiner Präsentation auch noch einmal, dass es sich nach bestehendem Baurecht noch um ein Gewerbegebiet handle, das momentan 80 Prozent Flächenversiegelung zulasse. Er informierte über die Gewerbe, die dort in der Vergangenheit angesiedelt waren und welche Altlasten sich deshalb dort noch im Boden befänden. “Ich könnte Ihnen heute nicht empfehlen, über dieses Gelände zu spazieren”, betonte er noch einmal, dass es vor Ort zur Zeit nichts schützenswertes gäbe. Dann stellte er die beiden vorliegenden Varianten der Bebauung vor, die im Vergleich zur ursprünglichen Planung, die noch 870 bis 900 Wohneinheiten vorsah, inzwischen auf 750 Wohneinheiten ‘abgespeckt’ wurde. Die aktuellen Planungen schirmen die Wohneinheiten auch vom Bahnlärm ab und sehen eine ‘grüne Mitte’ (einen Park, der laut Frankens Aussage größer als der Bavierpark seien wird) als Teil eines Rundweg vor.

Klaus Franken während der Präsentation. Foto: RG

Eine Herausforderung sei nach wie vor das Höhengefälle des Geländes, da die Feuerwehr dadurch nicht überall hinkäme. Dafür sei an einigen Stellen ein größerer Abraum notwendig, um das Anstellen der Drehleiter zu ermöglichen. Über das Baugebiet hinweg ergeben sich so einzelne Steigungen bis zu 10 Prozent, um an anderen Stellen eine leichte Steigung bis 3,8 Prozent darstellen zu können. Für die Barrierefreiheit sei grundsätzlich, zwar mit kleinen Umwegen, die leichtere Steigung gegeben.

Für künftige Bewohner wird es eine Tiefgarage oder auch, je nach Wohneinheit, eine Mobilitätsstation geben. Neben dem Parkhaus der Mobilitätsstation sollen Anwohner dort auch Carsharing-Angebote, Leihfahrräder und auch Lastenräder vorfinden. Laufwege sorgen für kurze Wege in die Innenstadt. Auch eine Kita ist vorgesehen und eine Terrassierung soll für gute Sichtbedingungen sorgen, damit am Ende niemand ‘vor die Wand’ schaue. Selbst den Ruf nach möglichst klimaneutralen und energieeffizienten Bauten sei man gefolgt und habe sich schon um entsprechende Förderprogramme bemüht. Bei allen Anforderungen aus der Bürgerschaft und Politik versuche man den Spagat hinzubekommen, denn am Ende muss der Wimmersberg auch für Catella noch wirtschaftlich darstellbar sein.

Verkehrsauswirkungen und Tiefbau mit Entwässerung

Nach Klaus Franke kamen dann auch noch Hans-Rainer Runge und Holger Bouman als die Experten für Verkehr und Tiefbau zu Wort, die jeweils auch eine Ausführliche Präsentation vorbereitet hatten. In verschiedenen Modellen zeigte Runge die Verkehrsauswirkungen durch das neue Wohngebiet auf, die alles in allem längst nicht so dramatisch ausfielen, wie viele Anwohner es befürchten. Holger Bouman erklärte noch einmal die notwendigen Maßnahmen im Tiefbau, die mit der Terrassierung und den feuerwehrtechnichen Anforderungen einher gingen. Durchaus positiv sei die komplett neu zu planende Kanalisation mit einem großzügigen Regenrückhaltebecken zu bewerten, die künftig auch die Schlüterstraße im Bereich des Tunnels und die Bahnstraße entlaste.

Was in der Planung nicht zu lösen sei: Die trennende Bahnlinie. Weder eine Untertunnelung noch eine Überführung sei aufgrund der nah an die Bahnlinie grenzende Bebauung auf der anderen Seite möglich.

Frage- und Antwort-Runde

Als dann die Bürger zu Wort kamen, meldete sich Michael Laferi erneut zu Wort. “Welchen Status hat diese Veranstaltung”, wollte er noch einmal von der Verwaltung wissen. Jörn Wessendorf antwortete “Den einer zusätzlichen freiwilligen Veranstaltung.” Die Frage nach dem Standort der geplanten Tiefgarage wurde gestellt, die Klaus Franke beantwortete. “Zwischen den Gebäuden.” Auch für das geplante Parkhaus interessierten sich Teilnehmer, vor allem in Bezug auf die möglichen Stellplätze. Die sind derzeit mit 950 bis 1000 geplant, da aber offen ist, wie gut die direkte Verkehrsanbindung der Bahn und andere Angebote genutzt werden, werde der Parkraum so geplant, dass er auf- oder abgerüstet werden könne.

Ein Anwohner der Gartenstraße wollte wissen, ob bei den ‘Schallschutzmaßnahmen’ die Schallverteilung zur anderen Seite der Bahngleise hin berücksichtigt worden sei. Klaus Franken versprach, dass prüfen zu lassen. Messergebnisse liegen offensichtlich vor, sind aber aufgrund des Umfangs an diesem Abend nicht in die Präsentation eingeflossen und sollen interessierten Bürgern per Email übersandt werden. Es gäbe aber keine negativen Auswirkungen.

Eine direkte Anwohnerin wollte wissen, wie das künftig mit der polizeilichen Sicherheit vor Ort aussähe, wenn dort so viele Menschen zusätzlich leben. Bürgermeister Christoph Schultz antwortete, dass er da keinen Zusammenhang zwischen neuen Anwohnern und steigender Kriminalität sehen könne und dass die Zuständigkeit des Polizeiaufgebots beim Landrat und der Kreispolizeibehörde läge.

Auch über die Situation der Fußgänger am Rande des Wohngebiets, mögliche neue Feinstaubbelastungen und die Radfahrer machten sich die Besucher Sorgen, die weitestgehend entkräftet werden konnten, wenn es auch nicht auf alles eine Antwort gibt.

Peter Knitsch merkte an, dass die ‘grüne Mitte’ in der Präsentation im Widerspruch zur genannten Topografie stünde und wohl kam so eben seien könne, wie auf den Bildern dargestellt. Auch den bezahlbsaren Wohnraum, die Mobilitätsstation und das Energiekonzept sprach er an. “Sind Sie bereit, dass im städtebaulichen Vertrag festzuschreiben?”, wollte er von Klaus Franken wissen. Der rechtfertigte sich dann noch einmal zu den in der Vergangenheit gegen Catella erhobenen Vorwürfe und verdeutlichte, dass Catella auch in Düsseldorf alle Sozialwohnungen im eigenen Bestand gehalten hätte und sogar auf die Ausschüttungen verzichtet hätte, die der Diakonie zufließen, damit eine Betreuung vor Ort möglich sei. Auch sei die grüne Mitte natürlich nicht komplett ohne Steigungen, aber so gestaltet, dass sie für Bürger Teil eines angenehmen Aufenthaltsort im Rahmen eines Rundwegs sei.

Michaele Gincel-Reinhardt hatte auf den Plänen bemerkt, dass die Kita direkt neben der Mobilitätsstation eingezeichnet ist. “Da würde ich meine Enkelkinder nicht hinschicken wollen”, merkte sie an. Klaus Franken erklärte ihr, dass die Freifläche der Kita an die geschlossene Seite der Mobilitätsstation grenze und somit Feinstaub und möglicher Lärm von den Kindern ferngehalten werden. Aber auch über die Lage der Sozialwohnungen wollte sie etwas wissen, weil sie befürchtete, dass diese dann direkt an den Bahngleisen liegen könnten. Franke erklärte, dass man im Wohngebiet eine Durchmischung plane und nicht die Sozialwohnungen auf der einen und die ‘besseren’ Wohnungen auf der anderen Seite vorsähe.

Es gab auch weitere Fragen zum möglichen Bahnlärm durch eine Verdichtung der Fahrten und den Lärmschutz der Bahn, die nicht alle im Zuständigkeitsbereich der Stadt oder des Investors Catella lagen. Auch die Frage nach den späteren endgültigen Mietpreisen wurde von Michael Laferi gestellt, konnte aber an diesem Abend nicht beantwortet werden, da aktuell bei einem Baubeginn in 2024 nicht abzusehen ist, wie sich die Baukosten bis dahin entwickeln. Für den sozialen Wohnungsbau gäbe es aber feste Vorgaben, in denen man sich bewege.

“Ich kann es nicht jedem Recht machen”

ergriff Bürgermeister Christoph Schultz noch einmal das Wort und ergänzte “Das kann auch der Stadtrat nicht”. Nochmals erklärte er den Teilnehmern, vor welchem Dilemma die Stadt in Bezug auf dringend notwendigem Wohnungsbau steht. “Nur drei Prozent der Wohnungen sind jünger als 20 Jahre”, betonte er noch einmal. Noch einmal lud er die Besucher ein, sich an der Abstimmung zu beteiligen, um gemeinsam den passenden Kompromiss für die Stadt und ihre Bürger zu ermitteln.

Nach der offiziellen Fragerunde hatten die Bürger noch reichlich Gelegenheit mit Catella, aber auch Mitarbeitern der Verwaltung oder den Verkehrs- und Tiefbauexperten ins Gespräch zu kommen. Auch Ratsmitglied Detlef Ehlert ‘mischte sich unters Volk’ und stand als Ansprechpartner zur Verfügung. “Ich begrüße die aktuell geplante Zahl der Wohneinheiten. Wir benötigen dringend zusätzlichen Wohnraum. Die Kompromisse sind auf einem guten Weg”, sagt er uns im Gespräch. Über das Energiekonzept wisse er noch zu wenig, wünscht sich die Beteiligung der Stadtwerke und eine Rückkopplung mit anderen Städten zum Erfahrungsaustausch. In Bezug auf mögliche Starkregenereignisse sieht er in den Planungen eine Verbesserung für Erkrath, da die Entwässerung entlastet werde. Auch Besuchern stand er als Ratsmitglied noch Rede und Antwort. Anwohner Ronald Thor ist auch nach den Ausführungen zum Verkehr mehr als skeptisch. Er gehört zu den Berufspendlern, die schon heute von morgendlichen Wartezeiten an der Ampel betroffen sind und die von Hans-Rainer Runge dargestellten Wartezeiten bei der Ausfahrt mit fünf Sekunden – zumindest gefühlt – nicht nachvollziehen kann. Er ist der Meinung, dass könne allenfalls im Tagesdurchschnitt erreicht werden, nicht aber im Berufsverkehr. Detlef Ehlert gegenüber äußert er, dass es sicher für die Wohnbebauung bessere Alternativen im Stadtgebiet gegeben hätte, als ausgerechnet den Wimmersberg. Ehlert indes kennt die Frage nach passenden Baugebieten aus dem Stadtrat zur Genüge und legt ihm dar, warum welche möglichen Alternativen in der Vergangenheit ausgeschieden sind oder sich grundsätzlich dem Zugriff städtischen Handelns entziehen.

Auch die Bürger sind aufgefordert sich gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Investor an der Suche nach den passenden Kompromissen zu beiligen. Aktuell können sie sich dafür an der noch bis zum 1. März laufenden Online-Umfrage zum Baugebiet Wimmersberg beteiligen.


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