JuHiS: Für ein Leben ohne Straftaten

Symbolbild Jugend Strafe: Pixabay- Anemone123

Die Jugendhilfe im Strafverfahren (JuHiS) ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Wie es um die Entwicklung dieser wichtigen Arbeit bestellt ist, wollte die BmU wissen und stellte zum gestrigen Jugendhilfeausschuss die passende Anfrage an die Verwaltung.

Diese reagierte mit einem ausführlichen Vortrag von Özkan Aksoy, der bereits im April dieses Jahres ausführlich auf seine Arbeit einging. Damals legte er den Schwerpunkt auf sogenannte Lesemaßnahmen, die er in seiner Arbeit anwendet (wir berichteten). „Dieses Mal möchte ich mehr auf die Beratungsgespräche eingehen“, stieg Aksoy in seinen Vortrag ein.

Die JuHiS richtet sich an Jugendliche im Alter von 14-20 Jahren. Im Fokus soll nicht primär die Bestrafung stehen, sondern viel mehr der erzieherische Charakter zum Tragen kommen. „Wir wollen erreichen, dass die Jugendlichen im Anschluss ein straffreies Leben führen können“, ergänzt Aksoy, der die Beratungen an die Persönlichkeit und den Bedarf jedes einzelnen Jugendlichen anpasst. 312 Verfahren konnten im vergangenen Jahr gezählt werden. Dabei ist es 188 Mal zu einer Hauptverhandlung gekommen. „Diebstahl, aber auch Körperverletzungen und Verkehrsdelikte gehören zu den Straftaten der Jugendlichen. Auch Urkundenfälschungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz machen die Summe der Delikte aus“, berichtet der Sachbearbeiter, der auf ganz unterschiedliche Weise an die Vorgänge herangeht.

„Wenn die Jugendlichen geständig sind, dann bekommen wir von Seiten der Staatsanwaltschaft oft die Mitteilung, dass eine Diversion eingeleitet werden soll. Damit soll ein Gerichtsverfahren vermieden werden. Wir gucken gezielt auf die Probleme der Jugendlichen und vermeiden somit eine unnötige Sozialkontrolle.“ 124 dieser Diversionsfälle zählt die Stadt Erkrath im vergangenen Jahr. Exemplarisch dafür stellte Aksoy einen Fall vor, bei dem eine Jugendliche mit Erlaubnis ihrer Mutter ohne Führerschein Auto gefahren ist. „Ich habe sowohl die Jugendliche, als auch ihre Mutter zum Gespräch eingeladen. Da auf Grund der Corona-Pandemie derzeit keine Verkehrserziehungskurse stattfinden, habe ich stattdessen von der Jugendlichen einen Aufsatz eingefordert, durch den sie sich selbst reflektieren sollte“, berichtet Aksoy, der mit diesem Vorgehen Erfolg hatte. „Nachdem der Aufsatz vorlag, habe ich der Staatsanwaltschaft vorgeschlagen, den Fall fallen zu lassen. Die präventive Maßnahme hat gewirkt.“

Peter Sohn (BmU) bedankte sich bei Özkan Aksoy für die ausführliche Darstellung und wünschte sich gleichzeitig eine jährliche Statistik der Verwaltung, die nicht erst auf eine vorherige Anfrage abzielt. „Heute haben wir ein sehr realistisches Bild der Straf- und Diversionsverfahren erhalten“, so das Ausschussmitglied. Sein Vorschlag: Die Erfahrungen auch im Internet zu veröffentlichen. „Nach unserer Recherche ist uns aufgefallen, dass die Stadt Erkrath diesbezüglich schlecht aufgestellt ist. Aber das ist offensichtlich nicht der Fall.“

Reinhard Knitsch (Bündnis 90/Die Grünen) wünschte sich in seinem Wortbeitrag eine Statistik, die drei Jahre gegenüberstellt um somit eine bessere Entwicklungsübersicht zu erhalten. Auch wollte dieser wissen, wie es um die personelle Situation auf Grund weiterer, gesetzlicher Anforderungen bestellt ist. Da das aktuelle Corona-Jahr die Zahlen deutlich minimiert haben, wird die Verwaltung die Lage weiterhin beobachten und bewerten.

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