Wimmersberg: Anwohner möchte eigenes Konzept erstellen

Anwohner Michael Laferi kritisiert das Planungsverfahren am Wimmersberg und möchte nun ein eigenes Konzept erstellen Foto:tb

Das Gebiet Wimmersberg- auch unter dem Arbeitstitel Düssel – Terassen  bekannt- hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert. Dabei ist der schwedische Investor Catella bereits seit 2018 mit der Planung um das Gelände Am Wimmersberg/ Schlüterstraße betraut. „Gerne möchten wir noch in diesem Jahr anfangen zu bauen. Dann könnten Ende 2021 die ersten Wohnungen bezogen werden“, berichtet Managing Director Klaus Franken.

„Hier soll ein schönes Stück Erkrath entstehen“

Ein gewagter Wunsch? „Definitiv“, sagt Michael Laferi. Der Anwohner steht dem Vorhaben skeptisch gegenüber. „Nicht wegen dem Bauvorhaben als solches, sondern auf Grund des völlig schwammigen und nicht ersichtlichen Vorgehens des Investors“, so Laferi, der sich grundsätzlich für die Bebauung des Areals ausspricht. „Hier soll schließlich ein schönes Stück Erkrath entstehen.“ Laferi, selbst jahrzehntelang Stadtplaner der Landeshauptstadt Düsseldorf, kritisiert die “intransparente und unmethodische Bürgerbeteiligung”, das “undurchsichtige Verfahren” sowie die “fehlende Offenlage” zahlreicher wichtiger Fakten. „Fakten, die wir Bürger brauchen, um uns ein Meinungsbild schaffen zu können“, schildert der mittlerweile pensionierte Fachmann. Dabei versichert Klaus Franken, bereits wesentlich mehr Bürgerbeteiligung initiiert zu haben, als gesetzlich vorgegeben.

Catella möchte noch im Januar einen Bürgerdialog veranstalten

„Eine gesetzliche Vorgabe gibt es im Bereich der informellen Bürgerbeteiligung (Verfahren vor der gesetzlichen vorgeschriebenen Bürgerabhörung) nicht“, weiß Laferi, der sich auf ein Beispiel aus Düsseldorf Benrath stützt. Acht Jahre hat dort das Vorhaben an der südlichen Paulsmühlenstraße  gedauert: Von der ersten Idee bis zum fertigen Bau. Der Planung voran ging ein dreimonatiger Prozess mit Ideensammlung und unter Einbezug der breiten Öffentlichkeit. Getragen von Investor und Verwaltung. „Diese Planung spricht von Kompetenz und Qualität. Ein solches Vorgehen vermisse ich hier gänzlich“, zeigt sich Michael Laferi entrüstet. Dabei plant Catella noch in diesem Monat einen weiteren Bürgerdialog. „Der Verwaltung liegen alle notwendigen Unterlagen vor, wir warten eigentlich nur noch auf die Bekanntgabe des Termins“, versichert Klaus Franken auf Nachfrage der Redaktion. Doch für Bürgermeister Christoph Schultz sieht die Situation anders aus: „Eine abschließende Bewertung durch die Verwaltung ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich. Uns fehlen noch einige Unterlagen und wir können demnach noch keine Bürgerversammlung anberaumen“, heißt es aus dem Rathaus. „Die Frage ist auch, welchen Status diese Anhörung haben soll. Nach der am 10.Oktober 2019 durchgeführten frühzeitigen Bürgeranhörung folgt gemäß Baugesetzbuch die öffentliche Auslegung“, ergänzt Michael Laferi.

Laferi erarbeitet eigenes Konzept

Der Anwohner möchte die Zeit nicht aussitzen, bis sich Investor und Verwaltung bezüglich der Terminfindung verständigt haben. „Ich arbeite jetzt an meinem eigenen Konzept, welches ich hoffentlich bei der Bürgerveranstaltung vorstellen darf“, verrät er. Den Lageplan im Maßstab 1:500 hat er bereits vorliegen. „Schwierig wird die Darstellung der Höhenunterschiede, denn das Gelände weist einige topografische Unterschiede auf“, weiß Michael Laferi, der eben diese Höhenangaben bei den bisher gezeigten Plänen von Catella ebenfalls vermisst. Untätig war Michael Laferi übrigens auch in der Vergangenheit nicht. „Ich habe bei den Fraktionen vorgesprochen, mit Anwohnern und Bürgern geredet, mittlerweile über 500 Unterschriften im Rahmen der Bedenken und Anregungen gesammelt und versuche seit Monaten auf den Missstand aufmerksam zu machen.“ Über den Tellerrand hat der Erkrather ebenfalls geschaut, denn auch in Düsseldorf ist Catella tätig geworden. „Oder eher untätig, denn auch dort soll ein Gelände bebaut werden, welches noch immer brach liegt“, weiß Laferi. Mittlerweile sei bereits ein Teil des Gebiets an einen neuen Investor verkauft worden. Eine Maßnahme, die Michael Laferi hellhörig werden ließ. „Für diese Fläche besteht seit 2017 Baurecht und damit ist auch der Wert des Grundstücks ohne eigene Leistung gestiegen. Beim Weiterverkauf erzielt Catella also bereits einen Gewinn,  ohne auch nur ein Haus gebaut zu haben.“ Ein solches Szenario für seine Stadt Erkrath, das möchte sich Michael Laferi nicht vorstellen. „Daher ist es wichtig, dass sich die Politik mit dem Thema auseinandersetzt und ein gutes städtebauliches Konzept einen dazu passenden städtebaulichen Vertrag schafft, der all diese Möglichkeiten direkt im Vorfeld vertraglich regelt“, erklärt er. „Denn die Planungshoheit, die hat der Stadtrat.“

So sieht das Gelände Wimmersberg heute im Maßstab 1:500 aus. Michael Laferi möchte es nun selbst überplanen
Foto:tb

Erste Ideen für Laferis Konzept

Mit Blick auf den Lageplan fasst Michael Laferi seine Bilanz in Zahlen zusammen. Rund 300 bis 400  Wohneinheiten könnten nach erster Abschätzung  des Anwohners auf dem Gelände entstehen. Die Natur möchte er dabei berücksichtigen und  den Baumbestand weitgehend schützen. „Auch die bereits asphaltierte Straße entlang der Helena- Rubinstein- Straße könnte man bei einer anderen Erschließung weiternutzen und müsste keine neue Straßen durch das Gebiet ziehen“, ist sich der Anwohner sicher. Für ihn könnten dorfähnliche Nachbarschaftsbereiche gebildet werden. „Dafür möchte ich die bereits versiegelte Fläche nutzen.“ Und Catella? Die planen auch 300 Wohneinheiten, aber im ersten Bauabschnitt. „Denn der hintere Wimmersberg kann noch gar nicht bebaut werden. Noch sind Lagerhallen längerfristig vermietet“, weiß Michael Laferi, dessen Aussage von Klaus Franken bestätigt wird. „Den zweiten Bauabschnitt wollen wir 2024 starten“, heißt es von Investorenseite. Das Bauvolumen sei auf Wunsch der Anwohner bereits minimiert worden. „Wir planen nun 18 Prozent weniger Wohnungen als anfänglich angedacht“, verrät Franken.

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