Tennisclub bangt um seine Existenz

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Clubbild: TCBW Erkrath

Seit 1955 lässt sich der Tennisclub Blau-Weiß Erkrath an der Freiheitstraße inmitten des Stadtteils Alt-Erkrath finden. Mittlerweile zählt der Verein rund 280 Mitglieder, ein Großteil davon sind Kinder- und Jugendliche. Doch dem Club droht das Aus, die Kündigung für den Pachtvertrag liegt dem Vorstand bereits vor.

Matthias Kreisel

„Bis 2025 dürfen wir die Anlage noch nutzen, wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht“, erklärt der erste Vorsitzende Matthias Kreisel. Der Kündigung ging ein längeres Erbverfahren voraus. Zunächst verstarb der Eigentümer der Anlage, 2016 auch seine Frau. „Das Erbverfahren hat sich eine ganze Zeit hingezogen. 2018 haben wir dann erfahren, dass die Tochter der Erblasserin die Anlage übernommen hat. 2019 gab es direkt eine saftige Pachterhöhung von 35 Prozent“, erinnert sich Matthias Kreisel weiter. Bereits nach dieser finanziellen Pachtaufstockung suchte der Verein Unterstützung bei der Stadt. „Eine solche Erhöhung ist für einen Sportverein nicht unerheblich“, so Kreisel weiter. „Wir befinden uns allerdings auf einem Privatgrundstück und haben die Kosten auch akzeptiert.“ Nur wenige Monate später folgte jedoch die nächste Hiobsbotschaft: Der Verein erhielt seine Kündigung. „Auch zuvor wurde unser Vertrag immer nur um fünf Jahre verlängert. Wir hätten gerne eine längere Vertragslaufzeit bekommen, um Fördergelder zu generieren. Dafür sind meist Pachtverträge notwendig, die eine Laufzeit von zehn Jahren vorsehen. Doch dazu ist es bei uns leider nicht gekommen“, berichtet der Vorsitzende, der die Pläne der Eigentümerin nicht kennt. „Wir haben um Gespräche gebeten, aber uns wurde nie mitgeteilt, was an dieser Stelle geschehen soll“, ergänzt Kreisel.

Geschäftsstellenleiterin Britta Evensen könnte sich vorstellen, dass auf dem Grundstück Wohnbebauung entstehen soll. „Die Fläche ist ein Sahnestück mitten im Stadtteil. Da liegt es nah, dass die Eigentümerin die Fläche veräußern und bebauen lassen möchte“, so Evensen, die jedoch gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen an einer möglichen Lösung festhält. „Wir möchten bewirken, dass im Zuge eines Bebauungsplanverfahrens die Fläche ausschließlich zur Frei- und Sportflächennutzung umgeschrieben wird“, erklärt sie. Und auch die Stadtverwaltung scheint mit diesem Vorhaben mitgehen zu wollen. Eine passende Beschlussvorlage ist für die Ratsitzung am 29. April bereits verfasst worden. „Der Fachbereich Schule · Kultur · Sport der Stadt Erkrath befürwortet die Zielsetzung des Bebauungsplans, da so der einzige Tennissportstandort im Stadtgebiet Alt-Erkrath gesichert werden kann. Alternative Flächen zur Unterbringung einer Tennisanlage stehen im Stadtteil derzeit nicht zur Verfügung“, heißt es in der Vorlage, die noch gezielter auf die Vorteile eines Sportplatzes an zentraler Stelle eingeht.

Britta Evensen

Und auch Matthias Kreisel spricht sich für die Vorteile, nicht nur für die Mitglieder, aus. „Wir haben eine gut funktionierende Gastronomie auf dem Gelände, die auch von Nicht-Mitgliedern genutzt wird. Unsere Anlage ist sehr grün, mit einem alten Baumbestand, und gleicht daher einer grünen Lunge des Stadtteils. Außerdem sind wir, abgesehen vom Toni-Turek-Stadion, die einzige Freiluft-Sportanlage in diesem Stadtteil.“ Ein weiteres Argument für den Erhalt des Clubs: Mit den geplanten Neubauvorhaben am Wimmersberg und der Neuen Mitte ziehen vermehrt junge Familien nach Alt-Erkrath. „Tennis erfährt gerade einen enormen Aufschwung, in den vergangenen zwei Jahren haben wir eine Vielzahl neuer Mitglieder gewinnen können. Und das wird sich auch mit dem Zuzug der Neubürger nicht ändern“, ist sich Britta Evensen sicher.

Dass mit einer positiven Beschlussfassung des Stadtrats das Problem aber noch immer nicht final gelöst ist, wissen die Vorstandsmitglieder. „Die Kündigung steht dann noch immer im Raum, selbst wenn auf dieser Fläche nicht mehr gebaut werden darf“, erklärt Matthias Kreisel. „Wir hoffen wirklich sehr, dass wir an dieser Stelle bleiben und unseren Club weiter betreiben dürfen.“  

Wissenswertes: Der Tennisclub Blau-Weiß Erkrath steht auf einer Gesamtfläche von 15.420 qm² und weist neun Ascheplätze auf. Von den 280 Mitgliedern sind 80 Mitglieder Kinder- und Jugendliche, 150 aktive Erwachsene und rund 50 Fördermitglieder. Näheres zum Tennisclub hier. Die Beschlussfassung zur Bebauungsplanänderung findet Ihr hier.

1 Kommentar

  1. Der Mitgründer des Vereins, Albert Peters, (ehemaliger Gemeinde-und Stadtdirektor) der vor allen Dingen für Erkrath so viel getan hat, wird sich im Grabe umdrehen!

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