Sie muss es werden …

'Assistentin' Maruschka trat mit Stephani Nellen ihren Dienst im Hospiz an. Foto: Ria Garcia

… und sie wurde es. Stephani Nellen ist seit Juli die neue Pflegedienstleitung im Franziskus-Hospiz. Ihre ansteckende Fröhlichkeit und eine saftmütige Assistentin bereichern seither das Hospiz-Team.

In der vergangenen Woche hat man ihren Dienstantritt im Hospiz nachträglich feierlich gewürdigt. Das hatte fast schon den Charakter, den man eigentlich nur von der Verabschiedung langjähriger Mitarbeiter kennt, deren Verdienste man auf diese Weise noch einmal besonders würdigen möchte. Stephani Nellen ist in der ‚Mitte des Teams‘ angekommen und so schnell wird sie im Hospiz wohl auch niemand mehr gehen lassen.

Der feierliche Empfang fand ganz pragmatisch in der Hospiz-Garage statt. „Wir haben sie vor kurzem erstmals genutzt, als uns draußen der Regen überraschte. Jetzt haben wir aus der Not eine Tugend gemacht“, erklärt Silke Kirchmann den gewählten Ort. Nun ist die Garage vielleicht nicht ganz so, wie man sich eine Garage vorstellt. Sie ist sehr geräumig, erlaubt zahlreiche Sitzgelegenheiten und auch Stehtische aufzustellen und ist mit ihren weiß gestrichenen Wänden und dem großen Tor, das viel Frischluftzufuhr bietet, optimal geeignet.

Wer im Hospiz selbst nicht gerade im Dienst gebunden war, nahm teil. Dabei auch Ehrenamtler und die Damen des Ambulanten Hospizdienstes. Wolfgang Soldin nahm als neues Mitglied des Vereinsvorstands des Hospiz-Vereins mit Andreas Feller teil, um Stephani Nellen zu begrüßen. Er ist vor kurzem für Siegfried Thiel nachgerückt, der in den Ältestenrat wechselte. „Ich freue mich, dass heute so viele dabei sind“, sagt Silke Kirchmann zu Beginn. Auch der Leiter der Marienhaus-Hospize Christoph Drolshagen und Schwester Marianne Meyer vom Vorstand der Marienhaus Stiftung waren unter den Gästen.

Viele Bewerbungen auf die Position der Pflegedienstleitung

Beim sichten der eingehenden Bewerbungen stach dann die von Stephani Nellen heraus. „Schnell war klar, dass wir sie haben wollen“, erinnert sich Silke Kirchmann. Stephani Nellen hatte ehrlich erklärt, dass es eine zweite Stelle gäbe, für die sie gerade eine Zusage erhalten habe. „Dann sind wir jetzt so lieb zu Dir, damit Du Dich für uns entscheidest“, erzählt Kirchmann den weiteren Ablauf. Offensichtlich hat die Überzeugungskraft im Hospiz gewirkt.

Beim Begrüßungsempfang greift Silke Kirchmann eine mit Schafen bedruckte Tasche, die sie nach und nach – wie bei einer Einschulung – mit kleinen Geschenken füllt. „Ich weiß, dass Du Schafe magst“, erklärt Silke Kirchmann. Dann erzählt sie, dass Hexen früher heilkundige Frauen waren, weshalb sie das ‚Große Hexen-Handbuch für weiße Magie‘ in die Tasche packt. „Manchmal müssen ja auch wir hier hexen können.“ Stephanie Nellen steht ihr gegenüber und sieht an diesem Tag ein bisschen wie ‚die gute Fee‘ aus. Gekleidet mit einem bordeauxfarbenen Spitzenkleid, schwarzen Leggins sowie einem schwarzem Bolero und einem ansteckenden Lächeln im Gesicht.

Eine Lupe, mit der man die Dinge genauer betrachten kann, sei für eine Leitung unverzichtbar, erklärt Silke Kirchmann, bevor auch diese in die Tasche wandert. Auch ein Kompass ist dabei, der die Richtung vorgibt, wenn Menschen die Orientierung verloren haben. Er soll symbolisieren, dass das Hospizteam gemeinsam in die gleiche Richtung geht. Ein Mini-Liegestuhl soll an die nötigen Ruhephasen erinnern, die jeder im Hospiz zwischen den oft nicht leichten Aufgaben braucht. Ein Taschenspiegel steht für die Authentizität, die es erlaubt jeden Abend in den Spiegel schauen zu können. „Und durch die rosarote Brille solltest Du ab und zu schauen und Gnade walten lassen, Dich selbst nicht immer ganz so ernst nehmen“, verrät Silke Kirchmann, bevor sie selbige in die Tasche packt. Und dann hat sie eine Kühlmaske in der Hand. „Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der nach sieben Nachtschichten so tiefe Augenringe hat, wie Du“, erklärt sie. Als nächstes nimmt sie eine kleine Wiki-Figur zur Hand. „Den bekommst Du, weil er für Wiki und die starken Männer steht, analog zu Nelly und die taffen Frauen.“ Es folgen ein Wollkneuel, symbolisch für die Vernetzung im Hospiz und ein Plüschmeerschwein, das Stephani Nellen wegen ihres so einmaligen und ansteckenden Lachens erhält. Das hatte ein Mitarbeiter mit dem Quieken eines Meerschweinchens verglichen. Als letzte Gaben hält Silke Kirchmann einen Glitzerengel und ein Holzkreuz in der Hand. „Als klar war, dass Du es wirst, sind wir in die Kirche gegangen und haben gebetet“, erklärt Silke Kirchmann. „Gott segne Dich und uns. Der Engel stärke immer Deinen Rücken.“

Viele Worte und ein Gebet zur Begrüßung

Nach Silke Kirchmann ergriffen auch andere Gäste das Wort und begrüßten Stephani Nellen, die von allen Nelly genannt wird. Christoph Drolshagen freute sich, dass sie sich am Ende fürs Hospiz entschieden hat, lobte ihre vielfältige Leitungserfahrung und ihre Bodenständigkeit. Er wünschte ihr Kraft, Freude und Segen für ihre Arbeit. Schwester Marianne Meyer sprach ein Gebet und überreichte ihr als Begrüßungsgeschenk eine Bibel in leichter Sprache, die sich besonders für den Alltag eigne. Auch aus dem Kollegenkreis, aus dem Vereinsvorstand und dem Ambulanten Hospizdienst gab es liebe Worte zur Begrüßung.

Leitungserfahren und bodenständig

So hatten die Redner die 49-jährige Mettmannerin beschrieben. Viele Jahre war sie in der Diakonie tätig. Acht Jahre war sie Pflegedienstleitung einer Senioreneinrichtung, bevor sie sich auf den Weg machte, sich noch einmal zu orientieren. Für eine Leitungsfunktion im Hospiz fehlte ihr damals die direkte Hospizerfahrung. Sie entschloss sich Erfahrung zu sammeln und arbeitete knapp zwei Jahre lang als Pflegerin in einem Malteser Hospiz. Im Franziskus-Hospiz vereint sie nun Leitungs- und Hospizerfahrung in der Funktion der Pflegedienstleitung.

Für ein paar Minuten haben wir ‚Nelly‘ und ihre samtpfötige Assistentin Maruschka dann für ein Foto entführt. Die Hündin hatte uns schon gleich zu Beginn ungewöhnlich sanftmütig begrüßt. „Sie lebt in einem Haushalt mit zwei Katern und einer Katze“, erklärt Stephani Nellen das Verhalten. Auf den außergewöhnlichen Empfang angesprochen verrät sie: „Am meisten habe ich mich über das Meerschweinchen gefreut.“ Und da ist es wieder, dieses ansteckende Lachen, das sie verbreitet und das offensichtlich alle um sie herum berührt. Im Hospiz ist sie im Team nach zwei Monaten längst angekommen und mit ihr, ist das Team gleich um zwei verstärkt worden, denn wenn Maruschka leise durchs Hospiz streift, freuen sich auch die Bewohner über ihr freundliches und sanftes Wesen. Wie die Hospizmitarbeiter auch, trägt Maruschka ein Namensschild, beziehungsweise Tuch, das des Bewohnern verrät, wie sie heißt.

Maruschka und ‚Nelly‘ sind ein Team. Foto: RG

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