Obstbaumschnitt: „Am Anfang gehört viel Ausprobieren dazu“

Auf den Obstweisen des Naturschutzzentrums Bruchhausen zeigt Biotop- und Landschaftspfleger Gerd-Dieter Löschne Interessierten, die richtige Schnittpflege für Obstbäume. Foto: AS

Nur wenige wissen heute noch, wie man Obstbäume richtig pflegt. Das Naturschutzzentrum Bruchhausen lädt daher bereits seit Jahren regelmäßig zum Schnittkurs. Der Winterschnitt stand Anfang Januar auf dem Programm.

Über 20 Teilnehmer besuchten Anfang Januar das Naturschutzzentrum Bruchhausen, um von Gerd-Dieter Löschne zu lernen, wie man Obstbäume richtig pflegt. Für den Biotop- und Landschaftspfleger steht dabei nicht nur die mögliche Ertragssteigerung bei der Ernte im Vordergrund: „Nur wenige wissen, dass ihre Obstbäume auch eine ökologische Bedeutung haben“, so Löschner: Sie sind wichtige Nahrungsquellen für Bienen und bieten auch Singvögel Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten: „Darum saniere ich auch alte Bäume. Jeden alten Baum, den man retten kann, sollte man auch retten.“ Auch den Naturschutzgedanken vermittelte er daher in seinem Baumschnittkurs und die Teilnehmer diskutierten gerne mit ihm, über ein nötiges Umdenken im Verbraucherverhalten, Politik und Agrarwirtschaft.

Gekommen waren sie aber, um zu erfahren, welche Pflege beispielsweise der noch junge Säulenapfelbaum im begrenzten Reihenhausgarten braucht, oder wie man den lange nicht mehr gepflegten uralten Baumbestand auf dem Grundstück der Eltern noch retten kann.

Bevor Gerd-Dieter Löschner den Kursteilnehmern an zwei unterschiedlich alten Bäumen auf den Obstwiesen des Naturschutzzentrums Bruchhausen demonstrierte, welche Äste beim Winterschnitt abgesägt oder geschnitten werden sollten, beantwortete der Fachmann individuelle Fragen der Teilnehmer. Und die schlossen auch die Themen Kauf, Bodenpflege und Düngung mit ein. So machte der Fachmann beispielsweise deutlich, dass auch sehr alte Bäume noch vom Anlegen einer Pflanzscheibe profitieren, als Dünger abgelagerter Rindermist und Kalk optimal seien, und dass man nur Obstbäume kaufen sollte, die ohne Topf angeboten werden. Thema war auch die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre, die alte Bäume noch schneller vergreisen ließ.

Für den optimalen Obstbaumschnitt nannte der Fachmann folgende grundlegende Regeln:
  • Die Form der Bäume soll flachpyramidal verlaufen, damit viel Licht an alle Äste kommt.
  • Die Äste dürfen nicht zu dicht stehen.
  • Nur scharfes Werkzeug verwenden und die Äste immer schräg absägen bzw. schneiden.
  • Äste, die nach innen wachsen, werden rausgeschnitten.
  • Äste, die nach unten wachsen, werden rausgeschnitten oder durch Hochbinden umgeleitet.
  • Leitäste sollten möglichst leicht (ca. 45 Grad) ansteigen.
  • Stammaustriebe werden immer weggeschnitten, da sie der Baumkrone die Nährstoffe nehmen.

„Die Kunst ist es, nicht alles abzurasieren und immer wieder neues Fruchtholz zu generieren. Ganz alte Äste tragen nicht mehr so gut“, erklärte Löschner und machte deutlich, dass kein Baum mit nur einem einzigen Schnitt saniert werden kann – und dass auch ein einzelner Kurs nicht ausreicht, um den Obstbaumschnitt zu beherrschen: „Am Anfang gehört viel Ausprobieren dazu.“

Vielfältige Möglichkeiten, „sich auszuprobieren“ werden wohl die Mitglieder des Golfclubs Mettmann e.V. bald haben: Friedhelm Reichel und seine Vereinskollegen besuchten den Baumschnittkurs, um den rund 100 Obstbäumen auf dem Golfplatz nach Jahrzehnten endlich die nötige Pflege zukommen lassen zu können. „Wir wollen den Steinkauz auf dem Golfgelände ansiedeln. Und der liebt Obstbäume“, so Reichel. Vier Steinkauznistkästen haben die Golfer dafür schon installiert. Nun müssen sie noch die Bäume „attraktiver“ machen.


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