Norbert Nicoll zu Gast in Erkrath

Norbert Nicoll referierte in der Stadtbücherei im Bürgerhaus Foto:sk

Zu einer Lesung hatten gestern Abend die Stadtbücherei und ihr Förderverein den Sachbuchautoren Norbert Nicoll in die Bücherei im Bürgerhaus eingeladen. „Diesmal geht es nicht um Belletristik. Wir freuen uns, mit Norbert Nicoll einen Experten bei uns zu haben, der uns die Notwendigkeit einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise näherbringen wird. Sein Buch ‚Adieu Wachstum!‘ setzt bewusst ein Ausrufezeichen, damit ist der Duktus des Buches natürlich vorgegeben. Das erzählt Ihnen aber am besten der Autor selbst“, so Büchereileiterin Annegret Heimannsberg-Schmidt in ihrer Begrüßung vor den rund 50 Zuhörer.

“Ich werde keine Lesung im klassischen Sinne halten, sondern versuchen, Ihnen in vier Blöcken das umfangreiche Thema nahezubringen“, erklärte der an der Uni Duisburg-Essen als Dozent für Politische Ökologie tätige Nicoll. Im „Hauptjob“ ist er Lehrer an einem Gymnasium in Bergisch-Gladbach. Begonnen habe sein Interesse für globale Themen, als er sich näher damit befasst hat, welches die „Gründe hinter den Gründen“ für ein Eingreifen der der USA, Russlands oder auch Großbritanniens oder Frankreich in die bewaffneten Konflikte im Irak oder Afghanistan waren.

„Letztlich ist die Antwort immer: Erdöl“, so der Autor mehrere Bücher auch zu diesem Thema. In seinem an diesem Abend vorgestellten Buch „Adieu Wachstum!“ legt er dar, dass letztlich „alles mit allem zusammenhängt: Klimawandel, stetig wachsender Ressourcen-Verbrauch, Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Bodenschätzen und Arbeitskraft in Entwicklungsländern, Artensterben und immer öfter auftretende, folgenschwere Wetterereignisse.

Zunächst lieferte Norbert Nicoll eine Definition des Begriffs „klassisches Wachstum“. Dann folgte das Stichwort „Großen Beschleunigung“. Diese erläuterte er später anhand verschiedener Kurven. Nach er Pause, in der sich schon intensive Diskussionen unter den Zuhörern entspannen, ging es um den Zusammenhang zwischen Wachstum, Energie und Emission. Ein Fazit beendete den Vortrag, der viele Fragen und Statements des gut informierten und interessierten Publikums nach sich zog, so dass gegen 22 Uhr die Büchereileiterin anregte, den Autoren jetzt auf seine lange Heimfahrt zu entlassen.

Viele Zuschauer erwarben im Anschluss das Buch und tauschten noch die eine oder andere Bemerkung zu den nicht nur die Politik umtreibenden Fragen. So war man sich durchweg einig, dass es Norbert Nicoll gelungen war, auf informative, aber auch sehr unterhaltsame Weise zahlreiche Fakten und Zusammenhänge aufzuzeigen, aber auch positive Ausblicke zu geben. So seien aus der Gesellschaft heraus entstandene Bewegungen wie „Fridays For Future“, Foodsharing-Initiativen oder die Gründung von Energiegenossenschaften, um unabhängig von den großen Anbietern zu werden, nur einige Beispiele, wie „Politik von unten“ Veränderung schaffen kann. „Sein Verhalten aus Einsicht zu ändern, darin sehe ich den Weg. Es muss nicht immer mit dem bösen ‚V‘-Wort (Anmerkung der Redaktion: Verzicht) gedroht werden, wie das einige Politiker gern tun. Es macht auch Spaß und gibt ein gutes Gefühl, sein eigenes Konsumverhalten zu ändern“, so Norbert Nicoll, der es zum Beispiel genießt, weder Fernseher noch Smartphone zu besitzen. „Beides sind enorme Zeitfresser. Diese nutzen meine Frau und ich lieber für Dinge, die uns wichtiger sind“, so seine ganz persönliche Entscheidung zum bewussten „Verzicht“. 

Schnipsel aus dem Vortrag:

„Nicht-Wachstum oder noch schlimmer Negativ-Wachstum, also Depression, sind von unseren Politikern nicht vorgesehen. Zwei Prozent jährliches Wachstum werden als unabdingbar betrachtet, um eine florierende Wirtschaft aufrecht zu erhalten, Arbeitsplätze zu sichern und neu zu schaffen sowie Bildung und andere Sozialausgaben bezahlen zu können“.

„Seit etwa 2018 sind Glück und Zufriedenheit als erstrebenswerte Lebensziele dazu  gekommen. Der Spruch: ‚Arbeitest Du noch oder lebst Du schon?‘ bringt das neue Lebensgefühl auf den Punkt“.

 „Nachhaltigkeit wird zwar in zahlriechen Sonntagsreden unserer Politiker bemüht, aber nach einer konsequenten Umsetzung sieht es zur Zeit leider nicht aus“.

„Nachhaltige Entwicklung ist die Entwicklung, die es der gegenwärtigen Generation erlaubt, ihre Bedürfnisse zu befriedigen ohne spätere Generationen in diesem Bestreben zu beeinträchtigen“. Quelle: Aktueller Grundlach-Bericht.

„Festzuhalten ist, dass in (fast) allen untersuchten Bereichen im des in Schweden 2016 publizierten Berichts ‚The Great Acceleration‘ seit etwa 1950 ein rasanter Anstieg des Erdölverbrauchs, des Ausstoßes von Kohlenmonoxid oder dem Anstieg der Weltbevölkerung zu verzeichnen ist.“
„Unendliches Wachstum auf einem endlichen  Planten kann es nicht geben.“

Zahlen und Fakten:

  • Noch immer entfallen 85% des globalen Energiemixes auf die fossilen Brennstoffe und nur 11% auf die Erneuerbaren.
  • In Deutschland wurden 1990 35% des Energiebedarfs mit Erdöl gedeckt, 2018 lag der Wert immer noch bei 34%.   

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