Mitten auf der Grenze

Mahnert Mühle - Foto: LW

Die heutige Grenze zwischen Haan und Hochdahl bildet eine Siedlung, die 1372 erstmals urkundlich erwähnt wurde und eine später entstandene Mühle.

Wer auf der Terrasse über dem Scheidebach genüsslich speist oder einen Kaffee trinkt, denkt meist nicht daran, dass direkt unter ihm die Grenze verläuft, die Haan und Hochdahl trennt. Es ist ein schöner Ort im Wald gelegen. Wer nicht auf der Terrasse sitzt, sitzt im Sommer gern auch mal unter den Kastanien im Biergarten. Generationen haben hier schon Taufe, Kommunion, Geburtstag oder sogar ihre Hochzeit gefeiert. Letzteres sogar in unserer Redaktion. 29 Jahre ist das her und ein Bild von der Oma auf der Terrasse, die seit vielen Jahren verstorben ist, erinnert noch daran.

Die Mahnertmühle hat Tradition, hat Geschichte, eine lange Geschichte. Die beginnt nachweislich mit einer urkundlichen Erwähnung der Siedlung Mahnert im Jahr 1372. Andere Urkunden erwähnen die Mahnertmühle, die wohl schon im 15. Jahrhundert bestand, aber das ist unklar, möglicherweise ein Interpretationsfehler von Vollmar, der darüber schrieb. 1715 findet sich die Mühle in der ersten topographischen Landkarte des Bergischen Landes. Dieses Datum ist einem Flyer der Mahnertmühle entnommen, den Besitzer Paul-Georg Dickel für Gäste bereitliegen hat. Darin ist auch beschrieben, dass das heute vorhandene Haupthaus, eine historische Hof- und Wohnanlage, schon zu einer Zeit, als die Mühle noch in Betrieb war, als Ausflugsstätte betrieben wurde, die 500 Sitzplätze hatte. Dazu gehörten der Garten, ein Gondelteich und ein Spielplatz. Den Gondelteich gibt es heute nicht mehr. Später kam der Restaurantbetrieb hinzu. Im Laufe der Zeit kamen dann Gesellschaftsräume für Feierlichkeiten, eine Terrasse und die Veranda direkt am Scheidebach hinzu, unter der heute die Grenze zwischen Haan und Hochdahl verläuft. Ab der Mahnertmühle heißt der Scheidebach Mahnertbach. Über Jahrhunderte trieb das hölzerne, oberschlächtige Wasserrad die Mühle an. 1908 wurde die Mühle stillgelegt, im ersten Weltkrieg aber vorübergehend wieder in Betrieb genommen. Ab 1918 ruhte das Mühlrad dann endgültig. Maschinell betriebene Mühlenfabriken haben die Arbeit der einstiegen Mühlen übernommen. Wasserrad und das Mühlengebäude verfielen in der Folge und sind heute nur noch als Fundamente zu erkennen. 1982 wurde das Haupthaus der Mahnertmühle unter Denkmalschutz gestellt.

Paul-Georg Dickel, der heutige Besitzer, ist Nachfahre von Julius Paulus und Ehefrau Johanna, geborene Kortenhaus. Julius Paulus kaufte die Mahnertmühle 1906 von der Familie Kolk. Aber die Geschichte der Hofschaften Mahnert und vielleicht auch die der Mahnertmühle begann vermutlich auch nicht mit der Familie Kolk, denn wer sich in den verschiedenen Portalen für Ahnenforschung tummelt, findet dort zum Beispiel in Haan 1782 die Eheschließung des Jacobus Mahnert mit Anna Margaretha Haak. Als Vater des Bräutigams ist Henricus Mahnert genannt. Die für viele in unserer Region interessante Website www.zeitspurensuche.de hat sich mit der Frage der Mahnerter Höfe und der Mühle befasst und viele Daten zusammengetragen. Dort heißt es, dass die Mühle in der Mahnert wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Zitiert wird eine Urkunde vom 26. Mai 1706, in der zwischen Wilhelm auf der Obersten Mahnert und Johann auf der Tüschersten Mahnert die Wege- und Wasserrechte unter Nachbarn vereinbart wurden. Darin ist auch der Mühlenteich erwähnt, der ja erst das Vorhandensein der Mühle in der Mahnert voraussetzt. Vereinbart wurde damals, dass die Nachbarn zu gleicher Zeit Erde aus dem Mühlenteich fahren. Unklar ist, ob es dabei um die Erweiterung oder Entschlammung ging. Letztere war zur damaligen Zeit alle 20 bis 40 Jahre notwendig. Wenn es also um die Entschlammung ging, muss die Mühle einige Jahrzehnte vorher bestanden haben.

Wenn Sie also im kommenden Frühjahr und Sommer wieder einmal das „Grenzgebiet“ zwischen Haan und Hochdahl besuchen, denken Sie daran, dass Sie hier historischen Boden betreten. Gerade befinden wir uns im digitalen Zeitalter, aber was wiegt diese kurze Zeitspanne in Anbetracht der Geschichte vieler Orte inmitten unserer derzeitigen Heimat?

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