Kunst in Quarantäne

Jan Phillip Wolters mit einem seiner Werke aus der Serie 'Abstrakter Dataismus'. Foto: Ria Garcia

Was machen Künstler, wenn normale Ausstellungen aufgrund der Kontaktsperre nicht möglich sind? Ralf Buchholz hat eine pragmatische Lösung.

“Die NEANDERARTgroup stellt unter anderem regelmäßig in der Begegnungsstätte Gerberstraße aus. Wenn die Menschen nicht herein dürfen, schauen die Bilder eben heraus”, erklärt er mit einem Augenzwinkern, wie das neue Ausstellungsformat ‘hinter Glas’ funktioniert. Also nicht wundern, wenn sich Menschen in der kommenden Zeit ‘die Nasen an den Scheiben der Begegnungsstätte Gerberstraße platt drücken’.

Der erste Künstler, der seine Bilder nun nicht an den Wänden aufhängt sondern auf Staffeleien aus dem Fenster schauen lässt, ist Jan Phillip Wolters. Er war schon unter den Künstlern, die in der Artfabrik ausgestellt haben und hofft, in absehbarer Zeit selbst Mitglied der NEANDERARTgroup werden zu können. “Die Gruppe soll nicht mehr als 30 Künstler umfassen, sonst wird es organisatorisch schwierig”, erklärt Ralf Buchholz und so gibt es aktuell eine Warteliste mit sechs Künstlern, auf der auch Jan Phillip Wolters steht. Scheidet ein Mitglied aus, rückt eines nach.

Jan Phillip Wolters

“Ich habe von der Artfabrik profitiert. Im Austausch mit anderen Künstlern lernt man viel hinzu”, erzählt der 31-jährige Doktorand in Geschichte, der aktuell an der Kaiserwerther Diakonie forscht. Auf die Frage, was er machen will, wenn seine Doktorarbeit beendet ist, antwortet er “Beruflich werde ich mich wohl dafür entscheiden, in der Lehre tätig zu werden.” Augenzwinkern setzt er hinzu “Wenn ich nicht vorher als Künstler ganz groß herauskomme.” Nur wenige Künstler können allein von der künstlerischen Tätigkeit leben und inzwischen ist Jan Phillip Vater geworden und hat eine eigene kleine Familie. Was die Kunst betrifft, ist er erblich vorbelastet. Sein Urgroßonkel Ernst Gottschalk war Bildhauer im ‘Jungen Rheinland’ unter ‘Mutter Ey’ (Johanna Ey).

Nach einer langen Experimentierphase in der Digitalfotografie und in der Videoproduktion entdeckte Wolters 2015 seine Leidenschaft für die Malerei. Sei dem hat er seinen eigenen Stil entdeckt, malt überwiegend mit Acryl und hat eine Vorliebe für ausdrucksstarke Farben. In seiner Ausstellung mit dem Namen ‘Das Digital – Digitaler Abstraktismus’ präsentiert er Pixel-Werke aus seiner Serie ‘Abstrakter Dataismus’, in der er sich mit der fortschreitenden Digitalisierung auseinandersetzt. Mensch – Digitalisierung – Algorithmus – Mensch. “Ich wolle ein aktuelles Thema aufgreifen, die ungeordnete Datenflut sichtbar machen, die wir täglich produzieren und zeigen, dass unsere Daten nicht uns gehören”, erklärt Wolters. In seinem allerersten Pixelbild versteckt sich sogar eine Anspielung auf das ‘schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch.

Pixelbilder aus der Serie ‘Abstrakter Dataismus’ Foto: Ria Garcia

Zwei der sieben ausgestellten Bilder stammen aus einer anderen Serie mit dem Titel ‘Morgenröte’, die religiös mystische Motive abbildet. Wer genau hinschaut, entdeckt christliche Symbolik, Sonne, Licht und versteckt im Motiv auch Zahlensymbolik.

Zwei Bilder aus der Serie ‘Morgenröte’. Foto: Ria Garcia

Mit dem Licht spielt Jan Phillip Wolters auch in einer aktuellen Bildserie mit dem Titel ‘Lichtprofile’. Darin hält es das ganz spezielle Licht- und Farbspiel einzelner Orte fest. “Jeder Ort, den man in dieser Welt besucht, hinterlässt einen ganz eigenen Eindruck vom einfallenden Licht der Sonne und den Schatten, die der Ort wirft. Jeder Ort hat auch seine ganz typischen Farben”, verrät Wolters. Jedes seiner Bilder versieht er mit einem ganz eigenen Fälschungsschutz auf der Rückseite. Ein kleines Hologramm mit seinem Künstler-Pseudonym jpw.hpm als Aufkleber, den man nicht entfernen kann, ohne das sichtbare Spuren verbleiben.

Und so wird die Ausstellung ‘Das Digital – Digitaler Abstraktismus’ sicher nicht die letzte des jungen Erkrather Künstlers sein, die wir hier zu sehen bekommen.


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