Im Interview mit Thorsten Schmitz

Foto: Stadt Erkrath

Stadtkämmerer Thorsten Schmitz leitet seit sechs Jahren die finanziellen Geschicke der Stadt Erkrath. In der letzten Ratssitzung des Jahres brachte der Beigeordnete traditionell den Haushaltsplanentwurf ein. Im Interview mit Erkrath.jetzt liefert der Kämmerer finanzielle Rück- und Ausblicke und spricht über den Wunsch, die Erkrather Verwaltung in einem zentralen Gebäude unterzubringen.

Der Haushaltsplan für 2020 sieht ein Minus von 1,66 Million Euro vor. Wie setzt sich dieses Ergebnis zusammen? Unsere Gesamtaufwendungen belaufen sich im Entwurf auf 135,15 Million Euro, denen wir Gesamterträge von 133,49 Million Euro dagegen rechnen können. 47 Prozent der städtischen Einnahmen sind auf Gewerbesteuereinnahmen (34,9 Million Euro) und unseren Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer (27,4 Million Euro) zurückzuführen. Die gleichen 47 Prozent setzen wir fast deckungsgleich für Personalaufwendungen und unseren Anteil an der stetig steigenden Kreisumlage ein. Dass wir so hohe Einnahmen durch die Gewerbesteuern erzielen, ist sehr erfreulich. In diesem Jahr weisen wir ein Allzeithoch aus. Trotzdem können wir nicht mit Gewissheit sagen, ob diese gute Situation sich auch in den nächsten Jahren so abzeichnet.

Übersicht der Erträge aus der Präsentation des Stadtkämmerers
Übersicht der Aufwendungen aus der Präsentation des Stadtkämmerers

Wie ist die Prognose für die kommenden Jahre? Nachdem wir unsere Finanzen stabilisiert haben und zuletzt im Jahr 2017 mit einem Plus von 1,17 Millionen Euro abschließen konnten, werden wir wohl erst wieder im Jahr 2023 einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können. Das entspricht leider nicht unserer Aussage vom Vorjahr, dass wir aller Voraussicht nach bereits im Jahr 2022 ein Plus erzielen. Dies liegt leider an unerfreulichen Entwicklungen in diesem Jahr. Dazu zählen neben der auf Kreisebene zugunsten Monheims geänderten Finanzierung der Förderschulen auch ganz klar die Brände an der Kita Lummerland und der Grundschule Sandheide. Die Planung für das Jahr 2021 beläuft sich derzeit auf ein Minus von 1,33 Million Euro, das Jahr 2022 werden wir nach aktuellem Stand mit einem Minus von 1,1 Million Euro abschließen. Dennoch befinden wir uns auf einem guten Weg und viele bereits eingeleitete Maßnahmen werden zukünftig greifen. Natürlich ist diesbezüglich keine Zahl in Stein gemeißelt und wir gucken, gerade was die konjunkturelle Entwicklung angeht, nur in die sprichwörtliche „Glaskugel“.

Entwicklung des Eigenkapitals. Statistik: Stadtkämmerer Thorsten Schmitz

Wie steht die Stadt Erkrath im finanziellen Vergleich zu anderen kreisangehörigen Städten da? Monheim, Langenfeld, aber auch Haan und Ratingen haben das Glück, dass sie massiv Gewerbeflächen ausweisen konnten und demnach auch einen Großteil ihrer Einnahmen durch Gewerbesteuern erwirtschaften. Anders sieht es beispielsweise bei der Stadt Wülfrath aus, die stark von wenigen Unternehmen  abhängig ist und kaum weitere Gewerbeflächen vorhält. Demnach auch keine große Gewerbevielfalt vorweisen kann. Wir weisen in Erkrath einen sehr guten und breiten Branchenmix auf und befinden uns im Kreisvergleich finanziell im guten Mittelfeld.

Sowohl sie, als auch Bürgermeister Christoph Schultz, sprachen in den Haushaltsreden von einem neuen Rathaus. Was hat es mit diesen Plänen auf sich? Ich vertrete schon lange die Auffassung, dass ein zentrales Verwaltungsgebäude zahlreiche Vorteile hat. Zunächst haben wir einige Liegenschaften, in denen derzeit Büroflächen der Verwaltung zu finden sind, nur gemietet. Zudem belasten die Fahrwege nicht nur CO² Emissionen, sondern sind auch zeitlich und wirtschaftlich  wenig effizient. Auch müssen wir große Teile der notwendigen Infrastruktur mehrfach vorhalten. Daneben trägt diese Aufsplitterung auch nicht zur Teamstärkung bei, denn wir sind auf neun Liegenschaften verteilt.

Wie groß müsste ein „neues“ Rathaus denn sein? Ein Raumbedarfsplan ist natürlich der erste Schritt, aber selbst an dieser Stelle befinden wir uns noch gar nicht. Wir starten im nächsten Jahr zunächst in ein halbjähriges Pilotprojekt und werden 50 Homeoffice- und mobile Arbeitsplätze einrichten. Wenn dieses Projekt erfolgreich ist, wird das Angebot noch weiter ausgebaut. Das Ergebnis nimmt natürlich Einfluss auf den Raumbedarf, der dementsprechend geringer ausfallen wird. Auch sind wir derzeit dabei, sämtliche Akten zu digitalisieren. Die Hundesteuerakten beispielsweise gibt es schon gar nicht mehr in Papierform. Diese Umstrukturierung führt ebenfalls zum Wegfall von Lagerflächen. Ich gehe allerdings davon aus, dass ich in meiner Amtszeit kein neues Rathaus mehr erleben werde.

Was wird dann aus dem alten Rathaus? Verkaufen werden wir das Gebäude sicher nicht. Mir gefällt der Gedanke, dass die Volkshochschule in dem Komplex einziehen könnte. Auch könnten die Sitzungsräume weiterhin als repräsentative Empfangsräume für die Verwaltung sowie für die Politik und wie vom Bürgermeister angedacht, auch als Heimatmuseum dienlich sein.

Wo könnte denn ein Rathaus in der passenden Größe Platz finden? Viele Flächen haben wir in Erkrath bekanntlich nicht mehr. Möglich wäre beispielsweise der Bereich neben dem Bürgerhaus in Hochdahl. Parkplätze wären zu Genüge vorhanden und auch die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs ist gegeben. Da im neuen Rathaus bestenfalls auch Bürgerbüro und Einwohnermeldeamt unterkommen sollen, ist eine gute Erreichbarkeit unabdingbar.

Wissenswertes: Die Reden zum Haushaltsplanentwurf 2020 von Bürgermeister Christoph Schultz und Stadtkämmerer Thorsten Schmitz, sowie die komplette Übersicht der Statistik, lassen sich auf der Homepage der Stadt Erkrath (www.erkrath.de) nachlesen.


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