Endlich wieder Museum im Lokschuppen

Der restaurierte Heuwagen mit historischem Erntewerkzeug. Foto: Lutz Wulfestieg

Am vergangenen Sonntag konnte auch der Lokschuppen wieder seine Türen für Besucher öffnen. Mit dabei waren dieses Mal ein Stück Trillser Schustergeschichte und die grünste Theke der Welt.

Ein bisschen war es am Sonntag so, als wenn das Museum aus dem Winterschlaf erwacht ist. Bei schönstem Sonnenschein lud ein Heuwagen mit Strohballen und historischem Erntewerkzeug zum Eintreten ein. Bis zum Mittag hatten bereits 50 Besucher die Möglichkeit genutzt. „Einige kamen auch nur vorbei, um den Bahnladen aufzusuchen“, verrät Dr. Ralf Fellenberg. Im Bahnladen fand an diesem Tag vieles einen neuen Besitzer. Die Tore des Lokschuppens standen weit offen und gleich nach dem Eintritt und der obligatorischen Besucherliste zur Kontaktnachverfolgung, warteten in der Vitrine römische Münzen, eine alte Lederhose und Schlittschuhe mit ein wenig Ortsgeschichte auf die Besucher. Die römischen Münzen wurden beim Bau der A3 1935/36 auf Millrather Gebiet gefunden. „Die Lederhose und die Schlittschuhe sind von mir, die habe ich früher selbst getragen“, verrät Herbert Bander und ergänzt, dass die Lederhose aus der ehemaligen Neanderschuhfabrik ist. Um Leder geht es dann auch in einem anderen Ausstellungsteil.

In Trills hat man es dem Schuster erzählt …

Während andern Orts meist der Frisör die Geschichten der Leute im Viertel kannte, war es in Trills Schuhmachermeister Adolf Homberg. In seiner Werkstatt trafen sich die Trillser häufig auf ein ‚Tötterken‘. Teile seiner ehemaligen Werkstatt mitten in Trills hat das Eisenbahn- und Heimatmuseum in seinen Fundus übernommen. Am letzten Sonntag wurden sie ausgestellt und Hombergs Tochter Sigrid Raffel erzählte den Besuchern Geschichten über ihren Vater und auch den Großvater Johann Topp, der die Werkstatt vor ihm führte. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie gerne ich in dem Raum war, in dem die Lederballen aufbewahrt wurden, war. Es roch immer so gut“, schwärmt sie noch heute. Gut erinnert sie sich noch daran, wie häufig ihr Vater während der Arbeit Besuch aus der Nachbarschaft hatte. Da wurde dann bei einer Tasse Kaffee oder einem Bier erzählt, während ihr Vater arbeitete. „Eigentlich kam mein Vater gar nicht aus der Branche. Er hat meiner Mutter und meinem Großvater zuliebe spät umgeschult, um die Werkstatt übernehmen zu können.“ Das hat er dann aber offensichtlich mit Leidenschaft fürs Schuhwerk getan. Vom liebevollen farblichen Ausbessern ‚angekatschter‘ Stöckelschuhe bis hin zur Ausstattung neuer Schuhe mit besseren Absätzen und Sohle, war er sich für keinen Kundenwunsch zu schade. „Ich habe früher in Wuppertal im Polizeipräsidium gearbeitet. Von dort haben mir oft Kollegen und deren Familien Schuhe mitgegeben, damit mein Vater sie ausbessert“, erzählt Sigrid Raffel. Für Besucher hat sich mit diesem Teil der Ausstellung ein neues Stück Heimatgeschichte erschlossen.

Historische Karten, Luftbilder und mehr

Natürlich waren auch wieder zahlreiche Drucke historischer Karten und auch Luftbildstrecken aus verschiedenen Jahren ausgestellt, die Besuchern einen Eindruck von Hochdahl lange vor der ’neuen Stadt‘ vermitteln. Der ganze Stolz von Herbert Bander ist der Druck der Unterbacher Jagdkarte von 1645. Noch viel älter ist ein Kalkstein aus dem Neandertal, der zum Handschmeichler geschliffen wurde: 360 Millionen Jahre alt.

Die Zackigen Neanderthaler und die grünste Theke der Welt

Auf Falttafeln konnten die Besucher am Sonntag anhand vergrößerter Ansichtskarten etwas über die gastronomische Vielfalt im Düssel- und Neanderthal erfahren. Einige der Ausflugslokale existieren noch heute Wer die ganze Vielfalt erfassen wollte, musste sich schon ein wenig Zeit nehmen. Über die Zackigen Neanderthaler und ihre Sammlung haben wir im Dezember 2020 berichtet.

Impressionen vom vergangenen Museumstag

(Mit einem Klick auf das erste Bild kann der Bildbetrachter geöffnet werden.)

Was war und was kommt

Immer wenn es erlaubt war, waren die Mitglieder des Eisenbahn- und Heimatvereins Erkrath-Hochdahl, fleißig. Es gibt ja auch immer viel zu tun und mit der Förderung für die Restaurierung des alten Messwagens ist noch Arbeit hinzugekommen, denn für den gibt es einen mehr oder weniger festen Zeitplan. Im Außenbereich, vor dem Eingang zum Bahnladen, entsteht gerade ein neues Dauerausstellungsstück. Gottfried Bander hat, nachdem er vom Wunsch der Außeninstallation hörte, kurzerhand den Untergrund pflastern lassen. Die Schwellen liegen schon. Auf Maß gesägte Schienen und ein Radsatz werden noch ergänzt und dann erfahren Besucher anschaulich mit einer Erklärtafel noch mehr über Eisenbahngeschichte und Technik. Auch viele Ausstellungsstücke wurden aufgearbeitet.

Inzwischen hat auch die Jahreshauptversammlung des Vereins stattgefunden. Die Mitgliederzahl ist stabil geblieben, altersbedingt sind Mitglieder ausgeschieden, aber dafür auch neue hinzugekommen. Als neuer Beisitzer wurde Wolfgang Weiberg gewählt, nachdem das Amt außerhalb der turnusmäßigen Vorstandswahlen neu besetzt werden musste. Große Einbußen hatte der Verein durch Corona nicht. „Geholfen hat dabei das Buch von Armin Gärtner ‚Reisebüro Sonderzüge‘, dass inzwischen nachgedruckt wurde“, erklärt Ralf Fellenberg. 95 Prozent der Auflage seien online verkauft worden. „Das hätten wir uns vor der Pandemie nicht vorstellen können.“

Der nächste Museumstag findet dann am 25. Juli im Rahmen der Kooperation der Bergischen Museen unter dem Motto ‚Alles in Bewegung‘ zum Thema Reisen statt. Und dann soll in diesem Jahr auch noch der Geburtstag der blauen Lok gefeiert werden und alle hoffen natürlich, dass die Modellbahntage, der Ladies Markt und der Weihnachtsmarkt im Lokschuppen in diesem Jahr auch noch stattfinden können.

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