Die Sandheide voller Kinderlachen

V.l.n.r.: Julis Brahms, Gabriela Klosa, Taha Mansour, Souhaila Chakkour und Celine Longerich. Oberhalb: Kim Dornfeld.

Wer in der letzten Woche in der Zeit zwischen 10.30 Uhr und 14.30 Uhr über den Eichendorffweg spaziert ist, wird es schon bemerkt haben: Kinderlachen, Musik, Bewegung. Es ist ‚Spiele-Sommer‘.

Der Spielplatz am Eichendorffweg ist vorübergehend zum offenen Treff geworden. Das Team des TSV Jugendzentrums, bestehend aus Gabriela Klosa, Taha Mansour, Claudia Andraczek und der jungen Kim Dornfeld, ist täglich mit viel Spiel- und Sportequipment vor Ort. Unterstützt werden sie vom Kreissportbund Mettmann durch FSJ’ler Julius Brahms. Auch das Kreisintegrationszentrum Mettmann hat in der letzten Woche etwas zum Programm beigetragen. Ernährungsberaterin und Ökotrophologin Couhaila Chakkour hat den Kindern mit gesunden Snacks, Broschüren und Spielen wissen rund um die gesunde Ernährung vermittelt.

Ganz vorn auf der Rangliste stand in der letzten Woche erst einmal das gemeinsame Spiel

„Mir gefällt am besten das Badminton spielen“, sagt der zehnjährige Othman, der die Möglichkeit gemeinsam mit seinem Freund Faijan ausgiebig genutzt hat. Die aufgespannten Seile können sowohl fürs Badminton, als auch fürs Volleyball spielen genutzt werden. Der neunjährigen Clara gefällt der Cheerleading-Kurs. Sie ist jeden Tag da. Auch der aufgebaute Hindernisparcour gefällt ihr gut. „Aber am allerliebsten habe ich die Armbänder mit den Namen gebastelt“, verrät sie. Der neunjährige Fatima gefallen ebenfalls der Cheerleading-Kurs und das Badmintonspiel. Sie ist mit ihrer kleinen Schwester da. „Und das Trainieren mit den Hula Hoop Reifen fand ich toll“, sagt sie. Fatima ist auch außerhalb des Spiele-Sommers in der Sandheide sehr sportlich unterwegs. Sie spiel bei Rhenania Hochdahl Fußball.

„Beim Hula Hoop gibt es hier einige Talente“, berichtet Gabriela Klosa. Für einige Kinder war es überhaupt kein Problem gleich mit mehreren Reifen zu trainieren. „Wir merken hier vor Ort, wie sehr den Kindern das gemeinsame Spiel und der Sport gefehlt haben. Auch die Bestätigung durch andere. Immer wieder kommen Kinder zu uns und wollen uns zeigen, was sie können“, freut sich Gabriela Klosa darüber, wie gut den Kindern die Begegnung im Spiele-Sommer tut. Die 16-jährige Kim Dornfeld verstärkt das TSV-Team zum ersten Mal. „Sie hatte mich angesprochen, ob sie bei uns ein Praktikum machen kann, aber dann kam der Lockdown und es wurde erst einmal nichts daraus“, erinnert sie sich. Als dann der Spiele-Sommer anstand, hat sie Kim gefragt, ob sie Lust hätte mitzumachen und sie hatte.

Ich wollte etwas an die anderen Kinder weitergeben

Kim Dornfeld. Foto: RG

Kim Dornfeld ist im TSV keine Unbekannte. Sie tanzt im Verein, aber was vielleicht noch schwerer wiegt: Sie war selbst früher fast jeden Sommer beim Ferienspaß und hat auch an einem ‚Starke Mädchen‘ Kurs teilgenommen. Und ein starkes junges Mädchen ist aus der Gymnasiastin inzwischen geworden. Sie strahlt Selbstbewusstsein und Freude an dem was sie tut aus. Der Cheerleading-Kurs war ihre Idee. Jeden Tag probt sie mit den Kindern die Bewegungsabläufe zu einer Strophe. Am Folgetag kommt eine weitere hinzu. „Bis zum Ende der Woche haben wir dann die ganze Choreographie komplett“, erklärt sie. Selbst hat sie nur gute Erinnerungen im TSV Jugendzentrum und das hat sie geprägt. „Beruflich möchte ich auf jeden Fall später etwas mit Menschen machen.“ Momentan ist sie erst einmal auf dem Weg Richtung Abitur. Als Schwerpunkt hat sie Pädagogik gewählt. Auch im späteren Studium möchte sie in die Richtung gehen. Welches Studienfach es am Ende genau seien wird, ist noch offen. Sie möchte die Menschen zusammenbringen und ein wenig dazu beitragen, dass sich ‚die Schere wieder mehr schließt‘. Nicht nur die Kinder, die sie beim Spiele-Sommer betreut haben unter dem Lockdown gelitten. „Am schlimmsten war, dass wir keinen Teamsport mehr hatten. Das haben wir alle so sehr vermisst“, erinnert sich Kim.

„Man darf das Leben ruhig genießen. Die Dosis macht das Gift.“

Souhaila Chakkour,
Ökotrophologin und
Ernährungsberaterin. Foto: RG

Immer wieder finden sich Kinder auch am Tisch von Souhaila Chakkour ein. Dort stehen die gesunden Snacks, mit denen sie sich stärken können, dort können sie aber auch nachdem sie sich beim Spiel verausgabt haben, zur Ruhe komm10en. Und dann sind sie offen über Essen zu reden, zu Fragen und mehr zu erfahren. „Für mich ist das nicht nur Ernährungslehre, sondern auch Sprachbildung“, erklärt sie. Auf dem Tisch liegen unterschiedliche Spielkarten. Bilder und auf anderen Karte Artikel und Substantiv zum Bild, wie ‚die Schokolade‘. Souhaila Chakkour vermittelt nicht nur Kindern Wissen zu gesunder Ernährung, sie gibt auch Seminare für Eltern und richtet sich dabei vor allem an Migranten. 2011 hat sie Seminare für Türkisch sprechende Migranten gegeben. 2016 kamen weitere Sprachen hinzu. In der Corona-Pandemie hat sie auf Online-Seminare umgestellt und seit dem wächst die Teilnehmerzahl. „Viele Eltern können das offensichtlich besser einrichten. Sie müssen nicht erst eine Kinderbetreuung organisieren und haben keine weite Anfahrt“, erklärt sie sich den Zuwachs.

Sie sieht meinen fragenden Blick, weil mitten auf dem Tisch – zwischen gesunden Snacks – eine Dose mit Zuckerwürfeln steht. „Man darf das Leben ruhig genießen. Die Dosis macht das Gift“, lacht sie. So sollte man, führt sie aus, auch nicht allzu streng mit Kindern in Bezug auf Süßigkeiten umgehen. Man solle sie eher lehren Süßes nicht so wichtig zu nehmen und vor allem Kinder nicht mit Süßigkeiten ‚belohnen‘. „Daraus werden später essgestörte Erwachsene“, weiß sie.

Vom Spiele-Sommer nehmen die Kinder nicht nur die Erinnerung an Spiel, Sport und Spaß mit, sie werden ihren Eltern wahrscheinlich auch einiges über gesunde Ernährung, Zucker und andere Inhaltsstoffe erzählen können. „Und eine bunte Überraschungstüte haben wir Ihnen auch mitgebracht“, berichtet Celine Longerich vom Kreisintegrationszentrum, die zwischendurch zu Besuch beim Spiele-Sommer war.

So schön ist der Spielesommer

Wissenswertes: Noch läuft das Programm für den Spielesommer. Mehr dazu findet ihr hier.

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