Chancengipfel: Neue Kompetenzen bei Absolventen

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Journalistin und WDR-Moderatorin Susanne Wieseler mit IHK Präsident Andreas Schmitz beim Chancengipfel. Foto: IHK Düsseldorf

Die Chancen für Schulabgänger waren selten so gut, wie in der Pandemie. Angst vor einem schlechten Image als ‘Corona-Absolventen’ brauchen sie nicht zu haben.

Keine Frage: Sie werden gebraucht. Sie sind die Fach- und Führungskräfte von morgen, ob im Handwerk oder in akademischer Laufbahn. Selbst Uni-Direktoren sind sich einig, dass die Absolventen durch die Krise neue Kompetenzen entwickelt haben. Das berichtete Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf beim Chancengipfel 2021, zudem die IHK Düsseldorf am Dienstag eingeladen hatte. Die Rektoren verschiedener Hochschulen hatten darüber beraten, ob der Staat zusätzliche Gelder für Brückenkurse bereitstellen müsse, mit denen Wissen aufgefrischt und ergänzt werden könnte. Schließlich kamen sie überein, dass die von den Hochschulen angebotenen Vorbereitungskurse genügen. Die Absolventen aus der Pandemie bringen ganz neue Kompetenzen mit ins Studium. “Sie haben mehr als ein Jahr voller Entbehrungen hinter sich. Sie haben gelernt, wie verletzlich unser Wohlstand ist und wissen, dass sie aktiv sein müssen. Und sie haben gelernt, sich Unterrichtsstoff selbst zu erarbeiten”, beschreibt Steinbeck die neuen Kompetenzen. “Wir bekommen eine Generation von vielen guten Köpfen.”

Das digitale Angebot der HHU, die 40 Bachelor- und 40 Masterstudiengänge anbietet, kommt gut an. Beratungsangebote gibt es im Chat oder Videochat, aber auch wochentags von 10 bis 15 Uhr vor Ort. Auf der Uni-Homepage finden Studieninteressierte im virtuellen Beratungscenter darüber hinaus auch Videoclips und Podcasts, die ihnen Orientierung bei der Studienwahl und Bewerbung bieten. Am 26. Juni findet der digitale Tag der offenen Tür der HHU statt. Alle Orientierungs- und Beratungsangebote finden Studieninteressierte auch in der Broschüre Wegweiser.

Digitaler Chancengipfel gibt Überblick über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten

Moderiert wurde der digitale Chancengipfel von Journalistin und WDR-Moderatorin Susanne Wieseler. Neben Vertretern der Hochschulen waren die Präsidenten der IHK und Handwerkskammer, ein Vertreter des Verbands der Freien Berufe, eine Vertreterin des DGB, die Geschäftsführer der Arbeitsagenturen Düsseldorf und Mettmann sowie Landrat Thomas Hendele und Düsseldorfs Bürgermeister Josef Hinkel. Gleich zu Beginn kam IHK Präsident Andreas Schmitz zu Wort, der darauf aufmerksam machte, dass für diesen Sommer noch mehr als 400 Ausbildungsplätze unbesetzt sind. ‘Uns fehlen die Bewerber.’ Das hört Schmitz immer wieder aus den Betrieben. “Bei uns können sich auch Studienabrecher melden und sich beraten lassen”, lud er ein. Darüber hinaus fänden vom 26. bis 30. April wieder Azubi-Speed-Datings statt, an denen sich 60 Unternehmen mit 200 freien Ausbildungsplätzen beteiligen.

“Das Handwerk bietet riesige Chancen. Die Digitalisierung und die Energiewende sind ohne das Handwerk nicht zu machen”, erklärte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer, dass auch das Handwerk viel zu bieten hat. 130 Ausbildungsberufe gäbe es hier inzwischen, die für jedes Talent vom Bäcker, über KFZ-Berufe, Maurer und Maler bis hin zum Maßschneider oder Kälteanlagenbauer eine Vielzahl an Berufe böte. “Im Handwerk besteht die Chance die berufliche und akademische Karriere über das Triale Studium zusammenzuführen”, wirbt Ehlert für die Karriere im Handwerk. Das Triale Studium bietet die Möglichkeit die praktische Ausbildung, den Meister und den Bachelor in nur 4,5 Jahren zu erreichen.

“Gerade im Bereich des Gesundheitswesens gibt es viele Ausbildungschancen”, warb Bernd Zimmer, Vorsitzender des Verbands Freier Berufe und selbst Allgemeinmediziner. Sieben Prozent mehr Ausbildungsverträge seien hier in diesem Jahr mehr unterzeichnet worden. “Junge Menschen sind bereit in diesem Bereich eine Ausbildung zu machen”, freute er sich darüber. Diese Ausbildungen werden besonders häufig von jungen Frauen gewählt und bieten viele Chancen auch für Menschen mit Migrationshintergrund, weiß er zu berichten. Neben Ärzten, Zahnärzten, Apothekern zählen auch Anwälte, Notare, Steuerberater und sogar Restauratoren zu den Freien Berufen. Insgesamt 5000 Ausbildungsstellen waren für 2021 im Angebot.

Sigrid Wolf, Geschäftsführerin der DGB-Region Düsseldorf-Bergisch Land, appellierte beim Chancen Gipfel an die jungen Menschen die anstehenden Azubi-Speed-Datings zu nutzen, um noch einen passenden Ausbildungsplatz für dieses Jahr zu finden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund bemüht sich die jungen Menschen beim Übergang Schule Beruf zu begleiten. Aber auch für Eltern und Lehrer sieht sich der DGB als Ansprechpartner. Sie wies auf die ‘zwei Seiten der Medaille’ hin. Es gäbe nicht nur einen Rückgang an Bewerbern, die Krise hätte teilweise auch zu einem Rückgang bei Unternehmen geführt. An die Betriebe appellierte sie auch Hauptschulabsolventen und mehr Migranten eine Chance zu bieten. “Da können wir alle noch besser werden.”

Referenten des digitalen Chancengipfels. Foto: IHK Düsseldorf

Bildungswege in Düsseldorf und wachsende MINT-Nachfrage im Kreis Mettmann

Düsseldorfs Bürgermeister Josef Hinkel machte auf den Bildungswege-Navigator (kurz BIWENAV) der Stadt Düsseldorf aufmerksam, den er in einem Kurzfilm präsentierte. “Wir haben kreative Köpfe in der Schulverwaltung”, lobte er. Landrat Thomas Hendele berichtete vom regionalen Bildungsbüro, den inzwischen 80 Abschlüssen, die junge Menschen im Kreis Mettmann an den vier Berufskollegs erwerben können und von den Kooperationen von Schulen und Unternehmen. Durch die Kooperationen hätten Schüler mehr Möglichkeiten zu Praktika über die Zwei-Wochen-Schulpraktika hinaus und so mancher Ausbildungsvertrag wäre dadurch schon zustande gekommen. Inzwischen gibt es 70 solcher Kooperationen zwischen Schule und Betrieb. 80 Prozent der im Kreis ansässigen Unternehmen seien Industrieunternehmen. “Entsprechend hoch ist der Bedarf im MINT-Bereich”, berichtete er. Mit dem zdi-Netzwerk und drei Schülerlaboren werde man diesem wachsenden Bedarf gerecht und wecke das Interesse der Schülerinnen und Schüler. Vor allem Ingenieure werden im Kreis Mettmann künftig gebraucht. Jungen Menschen riet Hendele nicht zum ersten Mal “Informiert Euch umfangreich. Nichts geht über die Erprobung.” Am Ende müsse man sich 40 Jahre mit der Berufsentscheidung wohlfühlen, schloss er.

Digitale und persönliche Angebote der Arbeitsagenturen in der Pandemie

Die Geschäftsführer der Arbeitsagenturen Düsseldorf und Mettmann berichteten über die Berufsberatung in der Pandemie. “Es gibt im Moment viel Verunsicherung”, weiß Brigitta Kubsch-von Harten, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Düsseldorf. In 180 verschiedenen Ausbildungsberufen gäbe es aktuell noch offene Stellen. Auch nue Berufe wie der ‘Kaufmann für E-Commerce’ seien im Angebot. “Ein längerer Schulbesuch hat noch keine gute duale Ausbildung wettmachen können”, ermutigte sie junge Menschen jetzt in eine Ausbildung zu starten. Beratung bietet die Arbeitsagentur sowohl ‘Face to face’, als auch digital. “Schüler, aber auch Eltern, müssen sich nur an uns wenden.” Ihr Kollege Karl Tymister von der Arbeitsagentur in Mettmann bedankte sich bei den Initiatoren, dass sie einen Chancengipfel und keinen Krisengipfel einberufen hätten. Den Absolventen legte er die digitalen Online-Tools der Arbeitsagentur ans Herz. Jungen Menschen, die noch unsicher sind, welche Ausbildung oder welcher Beruf zu ihnen passt, legt er die ‘Check-U‘ ans Herz, ein Test, mit dem Schüler ihre Fähigkeiten, Interessen und Stärken testen können und erfahren, welche Berufe zu ihnen passen. Er warb auch für AzubiWelt, eine App für die Ausbildungsplatzsuche, für Berufe.TV mit einer Vielzahl von Filmen, die helfen Berufe näher kennenzulernen und den Studienführer Studienwahl.de. Bei 440 Hochschulen mit 18679 Studiengängen dürfte der Studienführer für alle Interessierten hilfreich sein. An die Wirtschaft appellierte er: “Bilden Sie jetzt Ihre Fachkräfte für morgen aus.”

Die Hochschulen

Neben Prof. Dr. Anja Steinbeck von der HHU Düsseldorf, nahmen auch die Rektorin der Hochschule Düsseldorf, Prof. Dr. Edeltraud Vomberg und Prof. Dr. Burkhard Hermeier, Rektor der FOM Hochschule & eufom Business School, als Vertreter der Hochschulen am Chancengipfel teil. “Wir haben die Lehrangebote vollkommen digitalisiert”, berichtete Prof. Dr. Vomberg über die Erfordernisse in der Pandemie. Mit den Prüfungsergebnissen sei man zufrieden. “Es gibt so gut wie keine Nachteile.” Der Tag der offenen Tür hat in der Hochschule Düsseldorf zwar schon stattgefunden, aber Streams stünden auf der Homepage zur Verfügung. Auch Tipps zur Gestaltung einer ‘digitalen Mappe’, wie sie für die Bewerbung in den Design-Studiengängen nötig sei, gäbe es.

“Die FOM ist bundesweit aktiv und ich wüsste nicht, dass es anderen Orts eine ähnliche Veranstaltung gegeben hätte”, lobte Prof. Dr. Hermeier die Initiative zum Chancengipfel. Als Vertreter einer Hochschule für Duale Studiengänge berichtete er von der Problemstellung für die Bachelorstudiengänge. “Die Unternehmen sind zurückhaltender, was die Besetzung angeht, aber auch die Absolventen sind zurückhaltender in ihrer Entscheidung.” Das habe dazu geführt, dass man an der FOM das Angebot ‘Study to the Job’ geschaffen habe. Studenten müssen nun in den ersten drei Semestern noch kein Ausbildungsverhältnis mit einem Unternehmen nachweisen und können sich so erst einmal für ein Studienfach entscheiden. Im Studium profitieren sie vom Austausch mit Kommilitonen, die bereits Berufserfahrung gesammelt haben und von einem virtuellen Begleitprogramm.

Chancengipfel auf Youtube

Für alle Leser, die ausführlicher sehen und hören möchten, was auf dem Chancengipfel berichtet wurde, haben wir das Youtube Video des digitalen Chancengipfels von der IHK Düsseldorf hier eingebunden:

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