Auf der Suche nach der eigenen Identität

Beate Sarrazin Foto: Timo Kremerius

Nach einem Jahr Pause startete das ‚Theater Anderswo‘ mit einer Premiere. ‘Aduna Refetna – Das Leben ist schön’ ist die Geschichte einer deutsch-afrikanischen Familie und der Suche nach der eigenen Identität.

Ein Jahr ist es her, dass Beate Sarrazins Publikum die drei Etagen zum „Theater Anderswo“ erklommen hat. Am letzten Samstag ging voller Vorfreude die Treppen hoch. Endlich wieder Theater und sicherlich wie immer im ‚Theater Anderswo‘, vom Feinsten. Die bis in die Haarspitzen motivierte Beate Sarrazin begrüßte ihr treues Publikum. Hier ein Lächeln, dort ein small talk. Aber man merkte Beate doch ein wenig Nervosität an, waren ihre Aktivitäten doch lange Zeit auf Eis gelegt. Unnötig, denn als Beate Sarrazin nach der offiziellen Begrüßung mit dem Spiel begann, fesselte sie ihr Publikum wie eh und je.

Das Stück, welches im Verlauf der Geschichte immer wieder durch kleine einfühlsame Gedichte begleitet wurde, begann mit einem solchen, dass man zwangläufig die Augen schloss und anfing zu träumen. ‘Aduna Refetna – Das Leben ist schön’ startete dann auch mit der schönen Seite des Lebens. Liebevoll wurde beschrieben, wie sich die zarten Bande zwischen Viola und dm Schwarzafrikaner Boubacar woben, während es zu dieser Zeit für Kinder längst nicht selbstverständlich war, dass Kinder schon einmal einen dunkelhäutigen Menschen sahen. Im Stück ausgedrückt durch einen kleinen Jungen, der mit ein wenig Spucke versuchte die dunkle Farbe von der Haut des Schwarzafrikaners zu wischen.

Zärtlich und einfühlsam bemühte sich Boubacar um die Aufmerksamkeit und Zuneigung von Viola. „Bei uns zu Hause fragt man das Mädchen, ob es mit einem eine Tasse Kaffee trinken möchte, um so das Interesse für sich zu wecken“ sagte Boubacar. Mit der Tasse Kaffee begann die Freundschaft zwischen den Beiden und aus Freundschaft wurde schließlich Liebe. Die beiden wurden ein Paar, das mit Violas Tochter Celine und der Geburt des gemeinsamen Sohnes Lamine zur glücklichen kleinen Familie wurden.

Das Glück trübt sich

Mit den Jahren lebte Boubacar ein Leben außerhalb des kleinen Familienglücks. Als Viola sich über horrende Telefonrechnungen beklagte schlug Boubacar Viola erstmals und dabei blieb es nicht. Immer öfter gab es Auseinandersetzungen, die mit körperlichen Angriffen und Züchtigungen endeten. Auch die Geburt des zweiten gemeinsamen Kindes, Sohn Fallou, konnte das einstige Glück nicht wieder herstellen. Das schöne Leben wandelte sich langsam zum Alptraum. Die Übergriffe und Verletzungen körperlicher und geistiger Art mehrten sich. Häufig mussten Polizei und Verwaltung einschreiten. Viola war zunehmend desillusioniert. Dann schließlich, nach einer langen Zeit des Unerträglichen, entschloss sich Boubacar in seine Heimat, den Senegal, zurückzukehren.

Das Drama zwischen Boubacar und Viola endete an dieser Stelle, die gesellschaftlichen ‚Schläge‘ fingen gerade erst an, denn ‚Hautfarbe lässt sich nicht mit Spucke wegwischen‘. Immer wieder werden Lamine und Fallou gemobbt. In der Schule, im Verein und auch auf der Straße. Die Jahre gingen ins Land und irgendwann fragten Violas Söhne Lamine und Fallou nach Ihrem Vater. Viola erzählte ihnen von ihm. Immer wieder baten die beiden darum ihren Vater kennenzulernen. Schließlich entschließt sich Viola über den Schatten der eigenen Erinnerungen zu springen und mit ihren Söhnen in den Senegal zu fliegen.

Teil 2 von ‚Aduna Refetna – Das Leben ist schön‘

Hier endete der erste Teil einer authentischen Familiengeschichte, die vor mehr als 30 Jahren begann. Zwar ist die Gesellschaft in unserem Land mit den Jahren aufgeschlossener und toleranter geworden, dennoch ist die Ausgrenzung von Menschen mit anderer Hautfarbe auch heute noch präsent. ‚Black Lives Matter‘ brachte das Thema nach dem Tod von George Floyd in Amerika zurück in die öffentliche Aufmerksamkeit und hat die Menschen sensibilisiert.

Wie die Geschichte von Viola und ihren beiden Söhnen Lamine und Fallou nach der Ankunft im Senegal weiter geht, erfahren die Zuschauer in Teil zwei von ‘Aduna Refetna – Das Leben ist schön’ der am kommenden Samstag (25. September 2021 um 20 Uhr) im ‚Theater Anderswo‘ aufgeführt wird. Auf der Homepage des Theater Anderswo heißt es dazu:

„Viola entscheidet sich, ihr eigenes Leben so zu akzeptieren wie es war, ihre Söhne an ihrer Vergangenheit teilnehmen zu lassen und visualisiert so eine Lücke in deren Seele: Wer ist mein Vater? Gemeinsam fliegen sie in den Senegal, in das unbekannte zweite Vaterland ihrer Söhne, was sie zur Hälfte ausmacht und ihnen doch fremd ist: in jenes Land, wo man im Norden schon die Wüste riecht und im Süden die Wälder immer dichter werden …“

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