Auf dem ‘Wartegleis’

Der restaurierte Güterwagen wartet nur noch auf die Beschriftung. Foto: Lokschuppen

Der Saisonstart des Museums im Lokschuppen muss verschoben werden. Was aber passiert zwischenzeitlich im Verein? – Nachgefragt.

Eigentlich sollte am Sonntag, den 26. April, das Museum aus dem Dornröschenschlaf des vergangenen Winters wach geküsst werden, heißt es in der Pressemitteilung des Eisenbahn- und Heimatmuseums, die unsere Redaktion erreichte. Aufgrund der bis einschließlich 3. Mai 2020 weiter geltenden Kontaktsperre müsse auch das Museum bis auf Weiteres geschlossen bleiben. “Wir denken in diesem Zusammenhang nicht nur an unsere Besucherinnen und Besucher, die wir schützen wollen, sondern auch an unsere meist älteren aktiven Mitglieder, die im Moment geschützt werden müssen”, teilt Dr. Ralf Fellenberg mit.

Auch den Lokschuppen hat Corona nun also im wahrsten Sinne des Wortes ‘ausgebremst’. Wir haben mit Dr. Fellenberg gesprochen, um nachzuhören, was im Einsenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V. in der Zwischenzeit so geschieht. Viele Arbeiten müssen vorläufig ruhen, vor allem die in der Fahrzeughalle. Denn dort arbeiten meist zwei bis drei Vereinsmitglieder im Team und ein großer Teil von ihnen gehört selbst zur Risikogruppe. Ein weiterer Güterwagen ist aber bereits – bis auf die fehlende Beschriftung – fertig und auf den können sich Besucher jetzt schon freuen, wenn die Saison dann mit Verspätung startet. Auch der Skl (Schwerkleinwagen) ist wieder einsatzbereit. Sobald wie möglich soll er noch einen neuen Anstrich erhalten. Das passende Gelbton muss noch ausgewählt werden. Ein neues Highlight gibt es im Museumsbestand auch: Ein preussischer Wasserkran. Der soll in nächster Zeit aufgebaut werden. Fehlt eigentlich nur noch die waschechte Dampflok, aber die ist nicht so einfach zu bekommen.

Ganz untätig ist man im Verein natürlich auch in Coronazeiten nicht. Der Bahnladen konnte zwar nicht wieder öffnen, weil Zugänge und Räumlichkeiten zu eng sind, um den notwendigen Sicherheitsabstand zu halten, Bestellungen via Telefon oder Email gibt es natürlich dennoch und auch der Versand läuft weiter. Gefragt ist dabei auch Armin Gärtners Buch ‘Die Reise- und Arbeitswelt der 70er Jahre/ Liegewagenbetreuer bei der Deutschen Schlaf- und Speisewagengesellschaft (DSG)’, das offensichtlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda weit über die Grenzen Erkraths hinaus bekannt geworden ist. Anfragen kamen schon aus Hamburg, dem Schwarzwald und aus der Nähe von Halle.

Auch Bücher aus einer Schenkung müssen für den Bahnladen sortiert und ausgezeichnet werden. Das funktioniert im Homeoffice, ganz analog. “Ich bringe dann zwei Kisten aus dem Bahnladen zu Mitgliedern nach Hause und hole sie fertig sortiert wieder ab”, erklärt Dr. Fellenberg, der auch regelmäßig im Lokschuppen nach dem Rechten sieht.

Buchneuerscheinungen und Neuauflagen

Von Februar bis Mitte März hat Uwe Berndt fleißig an der Neuauflage, seines inzwischen vergriffenen Buchs ‘Transportbahnen in Hochdahl und Umgebung’ gearbeitet, das inzwischen in der Hochdahler Druckerei in Druckauftrag gegangen ist. Acht zusätzliche Seiten sind eingeflossen, die neuere Erkenntnisse und eine neue Streckenkarte enthalten.

Ein neues Buch von Armin Gärtner ist auch schon wieder in Arbeit. Darin geht es um die Reisebüro-Sonderzüge, die in der Nachkriegszeit den Massentourismus ‘ins Rollen’ brachten, bevor dieser sich später auf Fluglinien verlagerte. Unter den Pionieren waren damals unter anderem Tigges und Hummel zu finden. Ende der 70er-Jahre entschloss sich der Reiseveranstalter TUI zum Bau eigener Nachtzüge. Der TUI-Ferienexpress war ein Vorläufer der heutigen Flug-Pauschal-Reisen. Im Zuge der Recherchen ist auch ein Kontakt nach Nürnberg entstanden. Das neue Buch soll später auch in Nürnberg präsentiert werden.

Heimatscheck und Förderung

Und dann ist da noch die Gedenktafel, die in diesem Jahr ihren Platz am verbliebenen Mauerrest der ersten Bahnstation Hochdahls (an der Unterführung ‘des steilsten Hauptbahnstrecken-Abschnitt Deutschlands) aufgestellt werden soll. Möglich wurde das durch den ‘Heimatscheck des Landes NRW’ (2000 Euro), um den sich der Verein beworben hatte. Im zweiten Anlauf hat es dann im Februar geklappt. Die Gedenktafel selbst ist mit Text und Zeichnungen bereits fertig, aber bis sie aufgestellt werden kann, sind noch Abstimmungen mit Straßen-NRW und ein Gestattungsvertrag mit der Deutschen Bahn notwendig. Herbert Bander und Meinhard Sucker waren in diesem Projekt des Lokschuppens in den letzten Monaten aktiv. Auch sind in die Ausführung wieder heimische Handwerker eingebunden.

Außerdem hat sich der Lokschuppen um eine Förderung aus dem ‘Förderprogramm verkehrshistorische Kulturgüter’ beworben, für das die Landesregierung ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen aus dem Bereich der historischen Mobilität im Jahr 2020 zum zweiten Mal Fördermittel in Höhe von insgesamt 500.000 Euro zur Verfügung stellt. Im Falle einer Förderzusage könnte der Verein zusätzliche Projekte angehen.


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