Zurück zur Schule

Bleistift gespitzt? Heute fängt für viele Schüler die Schule wieder an Symbolbild Schule: Free-Photos Pixabay

Heute ist Schulbeginn für die Abschlussschüler. Doch wie steht es um die Hygienerichtlinien und andere Maßnahmen des Infektionsschutzes?

Eine telefonische Umfrage bei den Schulleitern der weiterführenden Schulen in Erkrath – nur das Gymnasium Neandertal konnten wir nicht erreichen – hat ergeben: Alle sind gut vorbereitet in Sachen Hygienemaßnahmen und Wahrung des Mindestabstands von eineinhalb Metern.

An beiden Realschulen und der Carl-Fuhlrott-Schule, deren Schüler anders als die Abiturienten Anwesenheitspflicht haben, sind alle nötigen Vorkehren getroffen. Die Tische stehen mit dem gebotenen Abstand voneinander entfernt. Jedem Jugendlichen wird ein fester Platz zugewiesen, um im Fall der Fälle Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Die Klassenräume wurden mit Seifenspendern nachgerüstet. Insgesamt 80 Spender mussten in den Ferien neu montiert werden. Spender mit Handdesinfektion sind zumindest in allen Lehrerzimmern und den Sanitätsräumen angebracht. “Da es sich bei dem Desinfektionsmittel um einen „Gefahrenstoff“ handelt, müssen die Spender während der Anwesenheit der Schüler beaufsichtigt werden”, erklärt Jens Lösche, Leiter der Hauptschule: „Das können wir nicht leisten mit dem Kollegium, das um rund 40 Prozent verkleinert ist. So viele Kollegen gehören zur Risikogruppe, entweder altersmäßig oder weil sie eine entsprechende Vorerkrankung haben.“

Ulrike Stamm-Kapplow, Leiterin der Realschule Erkrath, berichtet hingegen, dass die beiden Abschlussklassen, insgesamt 60 Jugendliche, in je drei Gruppen eingeteilt wurden und in zwei getrennten Trakten, zu denen auch der Zutritt über gesonderte Treppenhäuser erfolgt, in je drei Klassenräumen beschult werden. „Auf dem Flur wird die gesamte Unterrichtszeit über eine Aufsicht zugegen sein. Deren Ausgabe ist es, die dort angebrachten Desinfektions-Spender sowie die Schüler bei den Toilettengänge und in den Pausen zu beaufsichtigen.“

Unterricht nur in Hauptfächern

In beiden Realschulen und auch an der Hauptschule wird nur Unterricht in den Fächern, in denen die Abschlussarbeiten geschrieben werden, abgehalten: Also in Deutsch, Mathematik und Englisch. Bisher gibt es noch keine Vorgaben vom Schulministerium, wie konkret die Prüfungsaufgaben konzipiert werden sollen, die diesmal nicht zentral, sondern von den einzelnen Schulen selbst erarbeitet werden müssen.

„Angeblich soll am Wochenende eine Richtline kommen“, berichtet Uwe Heidelberg, Schulleiter der Realschule Hochdahl. Wenig verständlich ist es ihm, dass bisher noch kein bindender Erlass gekommen sei, welche Inhalte oder auch welchen Zeitumfang die Prüfungen haben sollen. „Dass wir in diese Situation kommen würden, ist doch wohl schon länger absehbar gewesen. Dazu braucht es keine Glaskugel. Wir wissen noch nicht einmal, ob es -wie bei den Zentralen Prüfungen der letzten 15 Jahre üblich- in Deutsch zwei Aufgaben zur Auswahl geben soll, wie beispielsweise die Interpretation eines Gedichts oder eines Sachtextes,“ so Heidelberg. Auch ist von offizieller Seite noch nicht kommuniziert worden, ob der mündliche Test in Englisch, der wegen der Corona-Zwangspause vor den Ferien nicht geschrieben werden konnte, noch nachgeholt wird oder nicht.

In der Hauptschule werden am ersten Tag die Schüler der Abschlussklassen zeitversetzt in die Schulen kommen. „Den ersten Tag nach den fünf Wochen Abstinenz werden dazu nutzen, in Einzelgesprächen herauszufinden, wie die Schüler die Zeit ohne Schulbetrieb erlebt haben. Wir wollen so feststellen, ob sie sich große Sorgen wegen der Corona-Bedrohung machen. Wir wollen herausfinden, wie sie mit dem selbstständigen Lernen zurechtgekommen sind, und wo die Defizite liegen. Erst in der kommenden Woche wird es einen ‚regulären‘ Vorbereitungsunterricht in den Prüfungsfächern geben“, so Lösche weiter. Dabei werden die Fachlehrer zeitversetzt in den Lerngruppen unterrichten, damit alle bei den ihnen vertrauten Lehrer Unterricht haben.

Nicht nur die schulische Komponente ist wichtig- auch die soziale

Am Gymnasium Hochdahl hingegen wird es keinen generellen Unterricht für die  Abiturienten geben. „Für sie besteht ja keine Unterichtspflicht mehr, daher stellen wir die Unterrichtsräume für diejenigen zur Verfügung, die sich einzeln und in Ruhe auf die Prüfungen vorzubereiten wollen, weil sie zuhause dazu vielleicht nicht die räumlichen Gegebenheiten haben oder nicht den digitalen Zugang. Anders als meine Kollegen von den anderen Schulen  des Schulzentrums steht der Ablauf für die Abiturprüfungen schon fest. Da haben wir klar einen Vorteil“, so Schulleiter Christof Krügermann. Auch sonst sind das Kollegium und er ganz individuelle Wege gegangen. „Unabhängig vom Kontakt wegen der Aufgaben und eventueller Rückfragen dazu, haben wir mit allen, immerhin knapp 780 Schülern, einmal in der Woche telefoniert, um zu wissen, wie es ihnen geht. Dabei haben wir viel Persönliches erfahren und wissen gut, wie es den einzelnen nicht nur in Bezug auf den Schulstoff, sondern auf Corona oder auch ihre häusliche Situation geht,“ so der engagierte Pädagoge. „Man kann sagen, dass der soziale Aspekt die eine und der fachliche die andere Hälfte im Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen ausmacht. Das ist uns sehr wichtig in diesen Zeiten, die allen, aber besonders den Kindern und Jugendlichen Einiges abverlangen.“

Am gestrigen Mittwoch waren Vertreter des Schulträgers vor Ort und haben den Vorschlag des Kollegiums abgesegnet, die schriftliche Abiturprüfungen  in der Sporthalle schreiben zu lassen. „Im Trakt für die Abiturienten halten wir separate Räume für die Schüler vor, die zu den Risikogruppen gehören“, so Krügermann, der, wie seine Kollegen von den anderen Schulen auch zu bedenken gibt, dass die Pläne entsprechend geändert werden, sollten sich die Umstände oder auch die Anforderungen von Behördenseite ändern. 


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