„Woher kommst du?“ nervt

Caritasverband Kreis Mettmann

Ali Can - Foto: Caritasverband

Mit mehr als 70 Gästen voll besetzt war am Montag das Atrium der katholischen Gemeinde St. Jacobus in Hilden, als der Caritasverband für den Kreis Mettmann die Veranstaltung “Werte gedeihen nicht in Schubladen – zwischen Migration und Alltagsrassismus” durchgeführt hat.

Zentraler Aspekt des Abends, den der Caritas-Fachdienst für Integration und Migration im Rahmen seiner Kampagne „vielfalt. viel wert.“ ausgerichtet hat, war die Lesung des Sozialaktivisten Ali Can aus seinem Buch “Mehr als eine Heimat – wie ich Deutschsein neu definiere”. Anschließend führte Moderator Tom Hegermann durch ein Podiumsgespräch mit mehreren Menschen mit Migrationsgeschichte, darunter Ali Can und der Rapper und Träger des Integrationspreises der Stadt Hilden, Kutlu Yurtseven.

Eingangs begrüßten Thomas Rasch, Caritas-Bereichsleiter Integration und Rehabilitation, sowie die Schrimfrau der Veranstaltung, Bürgermeisterin Birgit Alkenings das Publikum. Beide verdeutlichten, dass angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen nicht nur die Politik, sondern auch jeder einzelne Bürger gefragt seien, die Demokratie gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit zu verteidigen. Thomas Rasch hob unter anderem hervor, dass das derzeitige Vorgehen der EU-Staaten im Umgang mit flüchtenden Menschen kritische Fragen nach dem europäischen Umgang mit Menschenrechten aufwerfe.

Im Rahmen seiner – auch humorvollen – Lesung reflektierte Ali Can, welche Kränkungen Diskriminierung bei Betroffenen auslöst und ein Zugehörigkeitsgefühl in die deutsche Gesellschaft beeinträchtigt. Als Beispiel griff Can die Affäre auf, die der Fußball-Nationalspieler Mezut Özil durch sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan ausgelöst hatte: „Das Problem war längst nicht mehr, was Özil fußballerisch geleistet hatte oder dass er sich mit Erdogan hatte ablichten lassen. Nun ging es auf einmal nur noch darum, wer er eigentlich ist. Man verlangte Klarheit von ihm: Bist du Türke oder Deutscher?“ Migrantinnen und Migranten, so Can weiter, seien „Deutsche, wenn sie funktionieren, und Immigranten, wenn sie nicht funktionieren, ungemütlich werden oder Fehler machen.“

Zum anschließenden Podiumsgespräch hatte die Caritas sechs Teilnehmer eingeladen, zumeist Migranten der zweiten Generation, aber auch ein aus Afghanistan stammender Mitarbeiter der Caritas, der als kleines Kind mit seinen Eltern als Geflüchteter nach Deutschland kam. Hier herrschte Einigkeit darüber, dass “ausländisch” klingende Namen Nachteile in vielerlei Hinsicht bedeuten, etwa bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche. Die Frage “Wo kommst du denn her?” empfinden sie alle als herabwürdigend. „Interessieren die sich für mich oder nur dafür, in welche Schublade sie mich einsortieren können?“, fragte einer der Teilnehmer. Deutlich wurde auch, dass für Menschen mit Migrationsgeschichte der Eindruck vorherrsche, wegen ihrer Herkunft strenger beurteilt zu werden als deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. „Ich bin hier aufgewachsen, ich bin komplette integriert – aber wann werde ich endlich als zur deutschen Gesellschaft zugehörig akzeptiert?“, fragte eine Teilnehmerin am Podiumsgespräch.

Auf die Fragestellung, wie sich diese Diskriminierungen eindämmen lassen, fand Kutlu Yurtseven ein treffendes Schlusswort: „Wir sollten uns ein Beispiel an Kindern nehmen – für die ist es heute gar keine Frage mehr, woher ihre Mitschüler kommen.“ Vorurteile bekämen sie erst beigebracht. Daher lasse sich mit Menschlichkeit und Empathie der alltäglichen Abwertungen entgegenwirken.


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