“Wir geben den Kamm ab”

Symbolbild - Foto: kaleido-dp / Pixabay

Weil bei den Friseuren bald das Licht ganz ausgehen könnte, haben sie öffentlichkeitswirksam auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht.

Wer sich bereits am letzten Wochenende wunderte, dass in Friseursalons das Licht brannte: Das war Teil einer Aktion, mit der die Friseure – auch hier bei – uns, auf ihre Not aufmerksam machen. In einer digitalen Pressekonferenz der Kreishandwerkerschaft gemeinsam mit der Friseurinnung , die im Vorfeld der Aktionen in der letzten Woche stattfand, konnten wir mehr über die Not der Friseure erfahren. Über die Situation der Auszubildenden und das drohende Massensterben der Friseursalons hatten wir bereits hier berichtet.

Anders als Fußpflege- oder Physiotherapie-Praxen mussten die Friseure ihre Salons im Lockdown schließen, obwohl sie viel in Hygienemaßnahmen investiert haben und das Ansteckungsrisiko sehr gering ist. In der Berufsgenossenschaft wird derzeit diskutiert, ob Friseure nicht in den Bereich Gesundheitsvorsorge zu zählen seien. Viele Hautveränderungen im Gesicht oder auf der Kopfhaut fallen zuerst beim Friseur auf. Auch für alleinlebende Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind und sich deshalb nicht selbst die Haare waschen und frisieren können, sind sie unverzichtbar.

Keine Hilfen seit November

443 Betriebe mit mindestens 2000 Mitarbeitern sind im Kreis Mettmann vom Lockdown betroffen, berichtet Torben Viehl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. “Wir wissen von fünf Insolvenzen”, führt er aus, dass der Lockdown schon erste Opfer zu vermelden hat. Viele weitere könnten folgen, wenn angekündigte Hilfen nicht bald greifen.

Anders als im ersten Lockdown kommen bisher keine Hilfen bei den Betrieben an. Neben Fix- und Personalkosten fehlt den Inhabern auch der eigene Lebensunterhalt, wenn sie nicht in der glücklichen Lage sind, dass der Lebens- oder Ehepartner noch ein festes Einkommen hat. “Wir haben vieles aus Rücklagen finanziert, aber die reichen maximal noch für 10 bis 15 Tage”, beschreibt Innungsobermeister Uwe Ranke die Lage. Eine Zwischenfinanzierung von der Bank gibt es für die meisten Friseure aufgrund der unsicheren Lage nicht. Auch beim Jobcenter warten viele Inhaber bisher vergeblich auf die Bearbeitung ihrer Anträge, die zumindest den Lebensunterhalt vorübergehend sicherstellen sollen. “Im Frühjahr war da noch deutlich mehr Solidarität zu spüren”, berichtet Roberto Paciello, Friseur aus Velbert und Lehrlingswart der Friseurinnung.

Autokorso zum Landtag

Am Freitag sammelten sich am Neanderthal Museum Friseure aus dem Kreis Mettmann. Von dort zogen sie in einem Autokorso zum Düsseldorfer Landtag, um symbolisch den ‘Kamm abzugeben’ und damit auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Kämme übergaben Torben Viehl und Uwe Ranke mit den Worten “Wir machen nicht krank. Wir machen schön!“ an Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart.

Es bleibt zu hoffen, dass die Friseure gehört werden. Mit den schon vor dem zweiten Lockdown umgesetzten Hygienekonzepten, in die die Salons viel investiert haben, wollen sie möglichst bald wieder für ihre Kunden da sein, bevor ihnen vielleicht die Möglichkeit genommen wird, überhaupt wieder zu öffnen.

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