Unrühmlicher Platz 3 und die Gefahr der Mutationen

Symbolbild: Bianca van Dijk / Pixabay

Trotz sinkender Indizenz liegt der Kreis Mettmann immer noch auf Platz drei der höchsten Inzidenzen in NRW.

In einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag standen Landrat Thomas Hendele, Kreisgesundheitsamtsleiter Dr. Rudolf Lange, Sozialdezernent Marcus Kowalczyk und Mirko Braunheim, Leiter des Impfzentrums Journalisten Rede und Antwort.

„Für uns ist jeder Krankheitsfall und jeder Todesfall tragisch“, betonte Landrat Thomas Hendele. Im Kreis werde alles unternommen, um die Pandemie einzudämmen. Dennoch liegen die Inzidenzwerte im Kreis Mettmann vergleichsweise sehr hoch, immer noch gehört der Kreis zu den negativen Spitzenreitern bei den Inzidenzwerten. „Wir testen sehr viel“, berichtet Sozialdezernent Michael Kowalczyk. Die Zahlen seien auch gesunken und man müsse berücksichtigen, von welch hohem Wert ausgehend man sich nun hin zu kleineren Werten bewege. In Heime würde man seit dem 1. Dezember 2020 jeden Besucher testen und der Einsatz lohne sich, führt er weiter aus. Der Kreis hatte dazu eine Allgemeinverfügung herausgeben. Das sei bundesweit nicht so.

„Es hat uns tatsächlich einige Gedanken abverlangt, dass wir im Landesdurchschnitt so hohe Inzidenzen haben“, gesteht Dr. Rudolf Lange ein. Man habe sich gefragt, woran das liegt. Der Kreis hat eine vergleichsweise alte Bevölkerung mit der höchsten Quote an über 65-Jährigen. Wenn man Münster dagegen betrachte, hätte die Stadt die niedrigste Quote in dieser Altersgruppe. Das sei auch eine ‚Miterklärung‘ für die hohe Sterbequote im Kreis Mettmann. Es sei insgesamt ein diffuses Geschehen. Mit der Ausbreitung in Altenpflegeeinrichtungen sei nicht nur eine Durchseuchung, sondern auch ein Anstieg der Sterbequote verbunden gewesen. Man habe seit dem ersten Lockdown in ‚tragischer Weise‘ hinzugelernt. So hätten inzwischen alle Einrichtungen gute Hygienekonzepte und FFP2-Masken gehören zur Arbeitsausstattung der Mitarbeiter. Besucher würden tagesaktuell getestet. 20.000 Tests werden pro Woche durchgeführt. Dabei wären 19 Personen positiv getestet worden, die ohne diese Tests in die Einrichtung gegangen wären.

Mit zwei Grafiken zeigte Dr. Lange den Verlauf von Inzidenz und Erkrankungen auf

In den übrigen Bereichen sei das Infektionsgeschehen, anders als im Frühjahr, nicht von Hotspots wie Hochzeiten oder größeren Feiern ausgegangen. Eine hohe Quote der Fälle sei im direkten familiären Umfeld auszumachen. So kämen etwa auf einen Erkrankungsfall oft eine größere Anzahl symptomloser Infizierter. Glücklicher Weise seien die Zahlen um mehr als 50 Prozent rückläufig, auch wenn sie immer noch so hoch seien. Eine erfreuliche Entwicklung hätten indes die Corona-bedingten Hygienemaßnahmen mit sich gebracht: „Wir hatten praktisch keine Influenza-Erkrankungen.“

Die immer noch vergleichsweise hohen Zahlen Corona-Infizierter veranlassten Landrat Thomas Hendele dann auch noch einmal an die Bevölkerung im Kreis zu appellieren: „Vermeiden Sie Kontakte, halten Sie sich an die Hygieneregeln“.

Große Dunkelziffer bei den Mutationen

Auf unsere Nachfrage benannte Dr. Rudolf Lange die Zahl der Infizierten mit der britischen Virusmutation auf etwa 50 von den insgesamt 812 Infizierten (Stand Freitag). Die Suche nach Mutationen sei nicht einfach, die Labore müssten sich erst auf die neue Technik einstellen. „Ich gehe von einer größeren Dunkelziffer aus.“ In Zukunft sollen Proben routinemäßig auch auf Mutationen untersucht werden. Trotz sinkender Inzidenz ist also aufgrund der Mutationen die Gefahr rascher Ausbreitung noch nicht gebannt.

Dass eine Nachverfolgbarkeit ab einer Inzidenz von 50 kaum noch möglich sei, wollte Dr. Lange so nicht bestätigen, dass sei ein Orientierungswert. Natürlich sei die Nachverfolgung im Lockdown deutlich günstiger. Ohne den Lockdown kämen auf einen Infizierten Kontakte in zwei- bis dreistelliger Höhe.

Auch der Kreis Mettmann will künftig das von der Bundesregierung favorisierte System Sormas zur Nachverfolgung einsetzen. „Der Vertrag ist schon unterzeichnet“, kündigte Landrat Thomas Hendele an.

Impfungen und Impfzentrum

„Die Impfungen bringen Besserungen“, erwartet Dr. Rudolf Lange vor allem in Bezug auf die ältere Bevölkerung. Senioren in den Pflegestationen der Einrichtungen seien inzwischen zu einem großen Teil geimpft. 13 Einrichtungen warten noch auf die Impfung.

Über 80-Jährige werden seit dem 8. Februar im Impfzentrum des Kreises geimpft. Ärger gab es im Vorfeld vor allem bei der Vergabe der Impftermine. „Es war nicht unsere Entscheidung die Termine über die Kassenärztliche Vereinigung machen zu lassen“, erklärt Landrat Thomas Hendele, dass der Kreis keinen Einfluss auf das Geschehen habe. Zum Start der Anmeldemöglichkeit ist das genutzte Online-Anmeldesystem immer wieder zusammengebrochen, die telefonische Hotline war schwer zu erreichen und wenn es dann doch gelang, waren gerade keine Termine mehr verfügbar. Bemängelt wurde von vielen, dass über eine Email nur ein zu Impfender online registriert werden konnte. So war es nicht möglich online einen Termin für ein Ehepaar zu machen, damit sie am gleichen Tag geimpft werden konnten. Auch helfende Organisationen mussten sich mit der Hotline abmühen, weil sie zum Beispiel nur einen Bewohner aus dem Betreuten Wohnen online registrieren konnten.

Die Kassenärztliche Vereinigung versprach nachzubessern. Auf unsere Anfrage erhielten wir Ende letzter Woche Nachricht, dass spätestens heute die Online-Registrierung mehrerer zu Impfender mit einer Emailadresse ab heute möglich sein soll. Nach Rückmeldung aus einer Organisation funktionierte es heute Mittag noch nicht.

Bis zum vergangenen Freitag wurden 1.400 über 80-Jährige und 210 Mitarbeiter der ambulanten Pflege im Impfzentrum geimpft. Die Kälte und die Sorge zu spät zum Impfen zu erscheinen, hatte viele Senioren veranlasst sich früh auf den Weg zu machen, was zu Wartezeiten führte. Der Kreis hat darauf reagiert und vor dem Impfzentrum ein beheizbares Zelt aufstellen lassen. Mitglieder des DRK-Ortsverbands Erkrath wechseln sich dort zudem ab und schenken heißen Früchtetee aus, damit die Senioren sich ein wenig aufwärmen können.

Auch hält man im Impfzentrum inzwischen Rollstühle bereit, damit die Senioren besser betreut werden können, wenn sie ohne Begleitung zum Impfzentrum kommen.

Kommentar: In der Sehnsucht nach Kontakten und Lockerungen schwanken wir zwischen der Hoffnung, dass die Impfungen die Situation bald verbessern und der Befürchtung, dass die Mutationen den Lockdown noch länger ausfallen lassen oder gar eine ‚dritte Welle‘ über uns hereinbricht.
Geduld, Kontaktvermeidung und Einhalten der Hygieneregeln sind wohl derzeit das Rezept, das uns hilft uns irgendwann in diesem Jahr wieder einmal ‚unbeschwert‘ begegnen zu können.

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