Und dann habe ich Erkrath lieben gelernt

Am 31. Mai 2021 geht Ulrich Schwab-Bachmann zum letzten Mal dienstlich durch die Tür des Rathauses. © RG

Nach 31 Jahren in der Stadt Erkrath hat Ulrich Schwab-Bachmann am 31. Mai 2021 seinen letzten Arbeitstag. Eine große Verabschiedung wird es Corona-bedingt nicht geben. Eine kleine Überraschung gab es dafür in der Ratssitzung.

Am 29. April war Ulrich Schwab-Bachmann zum letzten Mal als erster Beigeordneter in einer Ratssitzung. Am 1. Juni beginnt sein Ruhestand. Gewählt ist er eigentlich bis zum 31. Dezember, aber nach den turbulenten letzten Jahren riet ihm sein Kardiologe doch langsam einmal den Stress zu reduzieren. Äußerlich war ihm dieser Stress so gut wie nie anzumerken. Souverän schien er jede auch noch so vertrackte Situation zu meistern und die Ruhe zu bewahren. Und vertrackte Situationen gab es in den letzten Jahren in seinem jeweiligen Verantwortungsbereich so einige. 2007 der Brand im Bürgerhaus, 2015 die Herausforderung innerhalb von 48 Stunden 150 Flüchtlinge unterzubringen, 2019 der Brand der GGS Sandheide und der Brand der Kita Lummerland, um nur die wichtigen zu nennen. Jedes Ereignis für sich verursachte größeren Handlungsbedarf. Und dabei wollte Ulrich Schwab-Bachmann nach der Ausbildung in der Stadtverwaltung Haan und dem Beginn seiner Beamtenlaufbahn eigentlich der Verwaltung den Rücken kehren.

„Damals konnte man noch mit der mittleren Reife als Verwaltungspraktikant beginnen und das Fachabitur erreichen, um dann in die Vorbereitung zum gehobenen Dienst zu gelangen. Fünf Jahre dauerte die Ausbildung. Mit 22 Jahren war ich fertig“ erinnert er sich. Aber der Traum zu studieren ließ ihn nicht los. Er besuchte das Abendgymnasium in Düsseldorf und nachdem er das Abitur erreicht hatte, kündigte er seinen Beamtenjob in Haan. Verstanden hat ihn damals niemand. Die Möglichkeit das Beamtenverhältnis ruhen zu lassen, gab es noch nicht. Er begann ein Diplom Sportstudium in Köln. Im Zweitfach studierte er Sozialwissenschaften, um im Anschluss ins Lehramt zu wechseln. „1989 war ich dann fertig und musste feststellen: Es gibt keine Lehramtsstellen.“ Was heute undenkbar ist, dass es mehr Lehrer als Stellen gibt, verhinderte Ulrich Schwab-Bachmanns Einstieg in den Wunschberuf.

Zurück in die Verwaltung

Ulrich Schwab-Bachmann suchte nach Alternativen und fand ein Stellenangebot der Stadt Düsseldorf und landete schließlich doch wieder im gehobenen Dienst. Aber er fühlte sich in der Großstadtverwaltung nicht wohl. „Für jede Entscheidung mussten erst fünf Hierarchieebenen eingeschaltet werden.“ Nichts für Macher, wie Ulrich Schwab-Bachmann. „Ich wollte mehr selbst gestalten“, bekennt er. Und so kam es, dass er sich nach knapp einem Jahr wieder neu orientierte. In Erkrath suchte man zu dieser Zeit einen Schulverwaltungs- und Sportamtsleiter und er bewarb sich. Er erinnert sich noch heute, wie er Rudolf Unger im Personalausschuss gegenüber saß und schließlich entschieden war, dass er die Stelle erhält.

Im gleichen Monat, in dem er in Erkrath seine Stelle antrat, kam seine Tochter zur Welt. „Und im gleichen Jahr wurde Deutschland Weltmeister. Es war ein wirklich gutes Jahr“, schmunzelt Schwab-Bachmann rückblickend. Auch die Wohnungssuche, die mit dem Familienglück verbunden war, führte nach Erkrath. „Wir haben unsere neue Heimat in Unterfeldhaus gefunden.“

Sein neuer Wirkungsbereich war zu Beginn recht übersichtlich. Acht Mitarbeiter direkt in der Verwaltung und noch einmal rund 20, die im Bereich Schule und Sport in Sekretariaten, als Hausmeister und als Platzwart tätig waren. Dann folgte eine Neugliederung in der Verwaltung. Nach der Pensionierung des damaligen Amtsleiters der Musikschule gehörte die Musikschule zu seinem Zuständigkeitsbereich. Gleiches geschah mit der Volkshochschule, als der Amtsleiter pensioniert wurde. Aus seinem ehemaligen Arbeitsbereich wurde der Bereich Schule, Kultur und Sport.

Einer der schönen Termine im Rahmen seiner Tätigkeit.
Preisverleihung Erk@Art Foto: Stadt Erkrath

Die Wahl zum Beigeordneten

2013 ergriff Ulrich Schwab-Bachmann die Gelegenheit und bewarb sich auf die zu besetzende Stelle des Beigeordneten und sollte erst um sein Recht kämpfen müssen. Neun Jahre verblieben ihm damals noch bis zur Pensionierung, aber laut der damaligen Rechtsansichten war er zu alt für das Amt, in das er für acht Jahre gewählt werden konnte. Er ging gerichtlich dagegen vor und erhielt Recht. Inzwischen ist das Beamtenrecht angepasst worden. Und so wurde Schwab-Bachmann 2013 unter dem damaligen Bürgermeister als Beigeordneter für den Bereich Bildung, Jugend und Soziales gewählt. 2014 wurde er zum ersten Beigeordneten gewählt und war damit der erste Vertreter des Bürgermeisters.

„Ich habe in Erkrath mein berufliches Glück gefunden“, blickt Ulrich Schwab-Bachmann heute auf 31 Jahre in der Stadt Erkrath zurück. Wäre es nach dem Rat seines Arztes gegangen, wäre er noch ein wenig früher ausgeschieden. „Aber es gab noch einiges zu tun und dann war klar, dass der Bürgermeister sich zur Wiederwahl stellt und ich die Wahlleitung übernehmen müsste“, erklärt er, warum er sich anders entschieden hat. Inzwischen sind alle wichtigen Dinge auf dem Weg. Selbst der Neubau des Gymnasiums am Neandertal ist gesichert und so langsam kann Schwab-Bachmann loslassen. Julia Wallborn tritt die Fachbereichsleitung Schule, Kultur und Sport an. Die Stelle des Beigeordneten ist ausgeschrieben. Für den Übergang übernimmt Kämmerer Thorsten Schmitz die Position kommissarisch. Erster Beigeordneter wird Dezernent Fabian Schmidt und Rat und Verwaltung haben genügend Zeit sich für einen neuen Beigeordneten zu entscheiden.

Überrascht. Ulrich Schwab-Bachmann ahnte nichts
von der Verabschiedung im Rat. © RG

Überraschung in der Ratssitzung

Dass es in der Ratssitzung eine kleine ‚Auszeit‘ für seine Verabschiedung geben würde, ahnte Schwab-Bachmann nicht. „Als der Bürgermeister nach der Überreichung des Bürgerpreises sagte ‚Sie können alle noch stehenbleiben‘, hatte ich keine Ahnung, dass das mir galt“, gesteht er – immer noch gerührt – ein. „Christoph Schultz hat mir vorher nichts verraten und seine Stellvertreterin Regina Wedding hat im Hintergrund fleißig gewirkt.“ Und so hat Schwab-Bachmann in seiner letzten Ratssitzung so allerhand Andenken erhalten, die Fraktionen überreichten ihm ein Olivenbäumchen, das garantiert auch für Menschen ohne grünen Daumen pflegeleicht ist und dann überraschten ihn alle mit vielen Dankesworten. „Als wir uns kennengelernt haben, hatten wir noch längere Haare. Es war eine schöne Zeit. Vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit“, dankte ihm Wolfgang Jöbges. „Es war eine schöne Zeit mit Ihnen“, schloss sich Detlef Ehlert an und Peter Knitsch verabschiedet ihn mit den Worten „Man sieht sich immer wieder.“ Alle Fraktionsvorsitzenden fanden die passenden Worte. Nichts wirkte gestelzt. Der Dank und der Abschied waren authentisch.

„Trotz mancher politischer Meinungsverschiedenheit gehe ich mit dem Gefühl, dass meine Arbeit geschätzt wurde. Und das ist ein schönes Gefühl,“ freut sich Ulrich Schwab-Bachmann über diese gelungene, wenn auch Corona-bedingt kleine, Verabschiedung. Er hatte das Ziel Erkrath voranzubringen und geht mit dem Gefühl „All die Mühe hat sich gelohnt“. Schwer fällt ihm der Gedanke an den letzten Tag und die fehlenden Möglichkeit sich persönlich von allen Verwaltungsmitarbeitern zu verabschieden. „Es ist halt nicht das gleiche, wenn man sich zum Abschied in einem Video-Call noch einmal zuwinkt“, bedauert er die eingeschränkten Möglichkeiten.

Und was kommt danach?

Er geht mit einem lachenden und
einem weinenden Auge. © RG

31 Jahre in der Erkrather Verwaltung mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Was macht Ulrich Schwab-Bachmann ab dem 1. Juni? Wir wollten es wissen. Erkrath bleibt er auf jeden Fall treu. Uns auch: „erkrath.jetzt lese ich natürlich auch nach meiner Pensionierung täglich“, sagt er uns im Gespräch und wir freuen uns darüber. „Zuerst einmal werde ich all das anpacken, was privat in den letzten Jahren liegen geblieben ist“, verrät er. Und das ist sicher nicht wenig, denn sein Bereich in der Stadtverwaltung brachte viele Termine mit sich, an denen andere bereits den Feierabend genießen. „Und ich werde endlich einmal mehr Zeit mit meinen Enkeln (Zwillinge) verbringen, die jetzt schon zweieinhalb Jahre alt sind. Die beiden sind die pure Freude.“ Bisher habe überwiegend seine Frau die Freude gehabt, Zeit mit den beiden zu verbringen, das soll sich in der nächsten Zeit ändern. Und dann steht da noch ein Motorrad in der Garage, dass in den letzten Jahren kaum genutzt wurde, erfahren wir. „Die eine oder andere Motorradtour möchte ich dann auch mal wieder angehen.“

Achtung liebe Erkrather Motorradfreunde: Wenn beim nächsten Tourstopp ein Motorradfahrer den Helm absetzt, könnte es Ulrich Schwab-Bachmann sein. Viele werden ihn in der Verwaltung und den unterschiedlichsten Kontaktbereichen in Zukunft vermissen. Wir auch. Mehr als einmal hat er uns auf Nachfrage Themen noch einmal erläutert, damit unsere Artikel für Euch die richtigen Fakten enthalten.

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