Überraschender Zufallsfund

Robin Schäfer hat die Löschkarre entstaubt und ausgestattet Foto: Tanja Bamme

Seit den 90er Jahren steht auf dem Gelände des Eisenbahn- und Heimatmuseums in Hochdahl ein Wagon, der zwischenzeitig als Lagerfläche genutzt wurde. Dass sich in diesem stillgelegten „Raum“ wahre Schätze befinden, war so manch einem Vereinsmitgliede sicher nicht bewusst.

„Eigentlich wollten wir diese „Büchse der Pandora“ erst gar nicht öffnen“, erinnert sich Vereinsvorsitzender Dr. Ralf Fellenberg lachend. Die Neugier überwog jedoch und so wagte sich eine Hand voll abenteuerlustige „Schatzsucher“ doch ins Wagoninnere. Für Robin Schäfer, der seit zehn Jahren aktiv in den Vereinsreihen mitwirkt, hielt der Innenraum eine ganz besondere Überraschung bereit. Schäfer, der ebenfalls seit acht Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Erkrath ist, konnte gleich zwei alte Löschkarren der Bundesbahn entdecken.

Ein doppelter Voltreffer

Foto:TB

„Da hat mein Eisenbahn- und mein Feuerwehrherz höher geschlagen“, erinnert sich der 25-Jährige, der unverzüglich mit der Recherche um die gut erhaltenden Karren begann. „Diese sind schätzungsweise in den 40er Jahren gebaut worden. Zum Einsatz kamen solche Löschkarren aber schon vor Kriegsbeginn“, ist sich Robin Schäfer sicher, der stundenlang die Ausstattungsobjekte sortiert und gereinigt hat. Jetzt steht die Karre für Besucher des Lokschuppens zur Ausstellung bereit. „Vollständig ist sie noch nicht, uns fehlt eine originale Pumpe von damals“, so der junge Initiator, der gleich eine pfiffige Idee parat hat. „Wir könnten die zweite Karre verkaufen und vom Erlös eine Originalpumpe anschaffen“, lautet sein Vorschlag.

Objekte der Vergangenheit

Foto:TB

Spannend ist die Ausstattung der Löschkarre aber schon jetzt. Der damals oft genutzte „Kleine Rettungskasten“ ist noch beinah vollständig mit Mullbinden und Bruchschienen bestückt. Auch Anhangzettel für Verletzte sind vorhanden. „Diese wurden bei Massenverletzungen genutzt, um den Schweregrad der Verletzung beim Patienten zu dokumentieren“, erklärt Robin Schäfer. Neben etlichen Schläuchen und Spaten sind auch Tragen auf der Karre zu finden. Vereinsmitglied Uli Schimschock nutzte die Gelegenheit, auf einem Tragetuch Probe zu liegen. Auf Grund der aktuellen Hygieneverordnung musste das Testtragen jedoch ausfallen.

Uli Schimschock hat sichtlich Spaß beim Probeliegen auf dem Tragetuch
Foto: Tanja Bamme

Der Beginn der Freiwilligen Feuerwehr

Die Löschkarren kamen damals übrigens in Ortschaften zum Einsatz, die keine eigene Feuerwehr vorweisen konnten. Die Bedienung der Karren wurde in der Bürgerschaft durch Schulungen verdeutlicht. „Eigentlich ist das der Beginn der heutigen Freiwilligen Feuerwehr gewesen“, ist sich Robin Schäfer sicher.

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1 Kommentar

  1. Bei diesem Löschkarren handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Ausstattung für den Behördenselbstschutz. Da die Bundesbahn seinerzeit eine Behörde war ist es naheliegend, dass es eine umfassende Ausstattung für den Behördenselbstschutz bei der Bundesbahn gab. Die sogenannte Fachdienstausstattung für eine Brandschutzstaffel (6 im Brandschutz ausgebildeten Behördenmitarbeiter) bestand aus einer solchen Löschkarre mit Beladung mit der die ausgebildtete Einheit eigenständig die Behörde im Ereignisfall vor einer Schadensausweitung schützen und somit die Leistungsfähigkeit erhalten konnte. Heute nennt man dieses Schutz der kritischen Infrastruktur. Neben den Brandschutzstaffeln, -gruppen und -trupps gab es bei den Behörden auch Sanitätstruppes und -staffeln sowie Bergungstrupps und -staffeln. Alles Einrichtungen der großen Behörden die nach dem 2. Weltkrieg und insbesondere in den Zeiten des kalten Krieges vorgehalten wurden um die staatlichen Einrichntungen schützen zu können.

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