Tussale, die Tosende, Brausende, Rauschende …

'Tussale' - die Tosende. Die Düssel gestern im Neandertal. © Lutz Wulfestieg

Hochwasser 1 | In der letzten Woche hat uns der kleine Nebenfluss des Rheins gezeigt, warum unsere Vorfahren die Düssel um 1065 Tussale nannten. Müssen wir uns künftig besser schützen?

Ihre Quelle liegt in Wülfrath an der Stadtgrenze zu Velbert Neviges. Ihr Lauf führt durch Wülfrath, Wuppertal, Mettmann, Haan und Erkrath bevor sie in Düsseldorf vierarmig in den Rhein mündet. Gruiten-Dorf, Erkrath, Vennhausen und Düsseldorf Grafenberg waren besonders stark von den plötzlichen Wassermassen der Düssel, deren Pegel in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 innerhalb weniger Stunden von 1,50 m auf 3,10 m stieg, betroffen.

Gerade wird in den Medien die Frage, ob Frühwarnsysteme versagt haben, gestellt. Sicher, die Wetterwarnungen waren weit im Voraus und eindrücklich, aber hätte man erwarten können, das die Flut so heftig ausfällt? Hätten wir in Erkrath erwarten müssen, dass ‚die halbe Stadt‘ überflutet wird? Gibt es lokale Frühwarnsysteme, die uns darauf hätten vorbereiten können?

Auf der Seite Flussgebiete NRW gibt es Kommunensteckbriefe zur Reduzierung des Hochwasserrisikos. Letztmalig wurde der für die Stadt Erkrath in März 2021 aktualisiert. Aber hinken wir – angesichts des Klimawandels – nicht mit allen Maßnahmen laufend hinterher?

An der Düssel gibt es nach unserer Recherche nur einen einzigen Pegel, der Messwerte sammelt und der ist Nahe Haus Brück platziert. (Wir müssen an dieser Stelle korrigieren. Auf der Homepage der Stadt Düsseldorf werden zwei weitere Pegel aufgeführt, die wir erst nach der Veröffentlichung aufgespürt haben.) Aber überwacht eigentlich irgendein ein Mensch / ein System die Werte 24 Stunden am Tag und in der Nacht und schlägt bei einem schnellen Anstieg Alarm? Wenn ja, wo läuft der Alarm auf? Erreicht er jederzeit zum Beispiel die Feuerwehr? Das sind Fragen, die wir uns gestellt haben, auf die wir aber noch keine Antwort haben. Unser Leser Jens Pyper hatte sich mit uns auf die Suche gemacht und die Seite Elwas-Web entdeckt. Hier sollte man eigentlich die durchschnittlichen Abflussmengen der Düssel finden. Sollte …, denn ab 2018 wurden offensichtlich keine Daten mehr aufgezeichnet. Im März 2015 trat seitens der Bezirksregierung Düsseldorf eine Verordnung zu Hochwasser im Verlauf der südlichen Düssel in Kraft. Die auf dieser Seite verlinkte Detailkarte 6 zeigt Alt-Erkrath und die mögliche Ausbreitung. Offensichtlich konnte man sich 2015 noch nicht vorstellen, dass auch Neanderstraße und Gerberstraße derart betroffen seien könnten, wie sie es in der letzten Woche waren. Frühwarnsysteme, die die Menschen in Alt-Erkrath vor diesen Ausmaßen hätten warnen können, gibt es offensichtlich noch nicht? Wir werden der Frage weiter nachgehen.

Ein Jahrhundert-Ereignis?

So könnte man die Wetterlage, die zu Hochwasser mit extremen Folgen in Teilen NRWs und auch in Erkrath führte, wohl bezeichnen, wenn da nicht der sich in den letzten Jahren immer deutlich zeigende Klimawandel wäre. Starkregen wechseln sich mit Hitzeperioden ab und aufgrund des verlangsamten Jetstreams halten sich Extremwetterlagen länger an einem Ort.. Jetstreams sind sich dynamisch verlagernde Starkwindbänder in der oberen Troposphäre und Stratosphäre. Ein Artikel auf t-online erklärt anschaulich, welchen Einfluss die Jetstreams auf unser Wetter haben.

Wie schützen wir uns künftig vor Hitzeperioden oder der tosenden Düssel und ihren Überflutungen?

Was sicher festzuhalten bleibt: Ein ‚weiter so‘ ist schwer möglich. Nicht nur in Erkrath muss man sich auch künftig auf extreme Hitzeperioden und Starkregenereignisse einstellen. Für letztere wäre ein besseres Frühwarnsystem hilfreich, das möglicher Weise mit vergleichsweise kleinem finanziellen Aufwand mittels LoRaWAN und Grafana entlang der Düssel in vielen kleinen Etappen umsetzbar wäre. Reichen die Rückhaltebecken oder muss auch hier etwas geschehen? Um Hitzeperioden zu begegnen muss vielleicht noch einiges mehr fürs ‚Stadtklima‘ passieren.

Wir werden in den kommenden Wochen weiter recherchieren und versuchen herauszufinden, welche Konsequenzen aus dem Hochwasser auf Stadt- und Kreisebene, wie auch in der Bezirksregierung gezogen werden und wie möglicher Weise ‚lokale Frühwarnsysteme‘ funktionieren oder neu etabliert werden können.

Hochwasser-Impressionen Gruiten und Erkrath

Können wir verhindern, dass es noch einmal so schlimm kommt?

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3 Kommentare

  1. Gut, dass Sie den Fragen in den kommenden Wochen weiter nachgehen werden und uns hoffentlich regelmäßig Ergebnisse berichten können.

  2. Wir brauchen konsequenteren Klimaschutz, bessere Vorwarnungen und im östlichen Ortseingang Erkraths mindestens vier Polder. Je einen östlich und westlich Erwepa, einen zwischen Düsselbrücke L357 und Haus Brück und einen im Bereich des geplanten Neubaugebietes Erkrath Nord. Letzteres sollte aus Umweltschutzgründen sowieso nicht gebaut werden.

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