Stumme Stimmen seit Corona

Das Neujahrskonzert gehört jährlich in den Terminkalender der Chöre. Ob dieses 2021 stattfinden darf, ist noch unklar. Foto: Archiv/ tb

Die Hochdahler Chöre sind die Gesangsheimat für rund 130 Sängerinnen und Sänger: Doch durch die Corona-Pandemie herrscht aktuell ein anhaltender Stillstand.

Dieter Feilen/ Foto: TB

„Singen und Blasinstrumente spielen- das dürften aktuell die gefährlichsten Hobbies sind“, mutmaßt Dieter Feilen. Der Vorsitzende des Hochdahler Männergesangvereins 1909 findet kaum Worte für die zurückliegende Zeit der Pandemie. Anfang März probten die rund 65 Sänger letztmalig zusammen in ihrem Probenraum im Franziskushaus in Trills, mit dem Lockdown kam das Verbot der Treffen und dabei ist es bisher geblieben.

Claudia Nöcker/ Foto: TB

Ebenso geht es den Damen des Frauenchors Hochdahl 1942. Drei Meter Abstand zur nebenstehenden Sängerin, vier Meter Abstand zu den Sängern nach vorne und hinten. Das wären die Vorgaben, unter denen gesungen werden darf. „So viel Platz hat unser Probenraum nicht“, erklärt Claudia Nöcker, Pressesprecherin der Hochdahler Chöre. Auch schwingt bei beiden Chorgemeinschaften stets die Sorge um die älteren Sänger mit. Und von diesen Risikopersonen zählen die Chöre so einige. „Von 65 Sänger sind nur 12 Sänger jünger als 70 Jahre. Alle anderen Sänger sind älter“, weiß Dieter Feilen. Auch wenn das Durchschnittsalter bei den Damen geringer ist, so zählen doch auch diese Reihen zahlreiche Seniorinnen.

“Wir lechzen danach, wieder zu singen”

Für Claudia Nöcker und Dieter Feilen ist es besonders das gesellige Miteinander, das fehlt. Regelmäßige Anrufe innerhalb der Chorgemeinschaften gleichen die sonst wöchentlichen Proben nicht aus. „Wir lechzen alle danach, uns endlich wieder zu sehen und gemeinsam zu singen. Für viele Mitglieder ist der Chor seit über 60 Jahren ein wöchentlicher Anlaufpunkt gewesen, der jetzt weggebrochen ist“, so Dieter Feilen. Mit digitalen Alternativen haben sowohl die Damen, als auch die Herren virtuelle Chorproben initiieren wollen. Mit mäßigem Erfolg. „Denn viele Sänger erreiche ich damit nicht“, erinnert sich Feilen, der eine Online-Chorprobe ins Leben rufen wollte.   

Da sind die Frauen mit ihrem Austausch „moderner“ unterwegs. Eine Whatsapp-Chorprobe findet seit Wochen jeden Mittwoch statt. „Dabei nehmen wir via Sprachnachricht Lieder auf, die wir selbst singen und machen dabei ganz neue Erfahrungen“, ist sich Claudia Nöcker sicher, die mit dieser Art des Zusammenhaltens sogar ins Radio kam. Der WDR hat über die Idee des Hochdahler Frauenchors berichtet und den Zuhörern Mut machen wollen. „Denn wir sind immer noch da, nur eben nicht auf der Bühne“, lächelt Claudia Nöcker.

Bühnen bleiben leer

Die Bühnen, auf denen die Chöre sonst anzutreffen sind, werden auch in den kommenden Monaten leer bleiben müssen. Bereits im April war die Jahreshauptversammlung mit Vorstandswahlen geplant und musste abgesagt werden. Im Mai sollte ein Sängerfest im Lokschuppen stattfinden. Und auch eine Operngala am 14. Juni musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Ebenso sieht es mit dem traditionellen Konzert der Hochdahler Chöre im November aus. „Zu unserem Bedauern müssen wir alles absagen“, so Dieter Feilen, der jedoch nicht untätig war. Mit einem Hygienekonzept, das bereits vom Ordnungsamt abgesegnet wurde, sollen demnächst wieder Proben in Kleingruppen im Lokschuppen stattfinden. „Eigentlich wollten wir bereits in der kommenden Woche starten, auf Grund der hohen Temperaturen werden wir den Start aber um vier Wochen verschieben“, ist sich der Initiator sicher.

Und obwohl die Chöre sehnsüchtig einem Wiedersehen entgegenfiebern, sind sich Claudia Nöcker und Dieter Feilen stellvertretend für alle Sängerinnen und Sänger trotzdem sicher, dass sie auf einem hohen Niveau klagen. „Denn wir betreiben nur ein Hobby, es gibt genügend freischaffende Künstler, die aktuell durch die Situation kein Geld verdienen und denen es deutlich schlechter geht.“

Wissenswertes: Auch wenn aktuell Gesangstillstand herrscht, freuen sich die Hochdahler Chöre immer über Nachwuchs in den eigenen Reihen. Interessierte finden auf der Homepage der Chöre Informationen und Kontaktpersonen.


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