Spiritualität findet neue Wege

Archivbild - Gemeinsames Fastenbrechen 2018 - Foto: LW

Am vergangenen Sonntag war für die Muslime in Erkrath und überall Eid al-Fitr, auch Zuckerfest genannt. Wir wollten von Mohammed und Fatima Assila wissen, welchen Einfluss die Pandemie auf das Fest genommen hat.

Für Muslime ist es das wichtigste Fest im Jahr. In Ländern mit überwiegend muslimischen Glaubensangehörigen wird Eid al-Fitr zwei bis drei Tage gefeiert. Also sehr ähnlich, wie bei uns Weihnachten.

In den letzten Jahren haben Fatima Assila und die internationale Frauengruppe jedes Jahr ein gemeinsames Fastenbrechen organisiert, zu dem auch Nicht-Muslime herzlich eingeladen waren. Das Fest war von der Annäherung der Kulturen geprägt und hat in Erkrath ein gegenseitiges Verständnis entstehen lassen. Wissend, das die Muslime den ganzen Tag über gefastet haben, sind die einheimischen Gäste bei Einbruch der Dunkelheit und anschließender Eröffnung des Buffets meist erst einmal sitzen geblieben, bis alle Muslime ihre Teller gefüllt hatten. Das, was aus der Entfernung betrachtet immer ein wenig fremd wirkte, war plötzlich greifbar. “Jetzt brauche ich erst einmal eine Kaffee”, war die Aussage einer Muslima nach dem Fastenbrechen, die die Gäste lächeln ließ und zeigte, dass wir alle am Ende doch häufig die gleichen Bedürfnisse haben. Es wurde gelacht und viel geredet und mit jedem Jahr wuchs auch das Verständnis füreinander.

Auch dieses Jahr sollte es wieder ein gemeinsames Fastenbrechen geben. “Das hätte am 6. Mai stattgefunden, aber wir mussten es schließlich wegen Corona und der Verordnungen absagen”, sagt uns Fatima Assila. Wenn rechtzeitig absehbar ist, dass ein Fest dieser Größenordnung wieder stattfinden kann, soll es vielleicht einen Nachholtermin zum zweithöchsten Fest der Muslime, dem Opferfest, Ende Juli geben. Aber das ist natürlich sehr von den weiteren Entwicklungen abhängig. “Im kommenden Jahr wird es auf jeden Fall wieder ein gemeinsames Fastenbrechen geben”, kündigt Fatima Assila an.

Impressionen des gemeinsamen Fastenbrechens (Archivbilder 2018 u. 2019):

Nicht nur das gemeinsame Fastenbrechen fiel aus

“Noch vor wenigen Monaten hätten wir alle uns nicht vorstellen können, dass solche Dinge passieren könnten”, resümiert Fatima Assila die Entwicklungen seit Beginn der Pandemie. Während in unseren Kirchen die Gottesdienste ausfielen, blieben auch die Moscheen geschlossen, die für viele Menschen muslimischen Glaubens auch außerhalb der Gebete eine wichtige Anlaufstelle sind. Einmal pro Woche ist Mohammed Assila in die Moschee gefahren, um die Post zu bearbeiten. “Dabei kam es vor, dass Mitglieder vorbei kamen und fragten, ob sie reinkommen dürfen”, erzählt er. Manchmal saßen zwei oder drei ältere Mitglieder dann eine Zeit im Garten oder haben in der Moschee gebetet, nur um ein wenig Zeit am vertrauten Ort zu verbringen. “Besonders für die Senioren ist die Moschee eine wichtige Anlaufstelle”, weiß Mohammed Assila aus Erfahrung. Mit den jüngeren Mitglieder habe es Live-Chats gegeben, in denen man auch gemeinsam gebetet habe. “Das war ein guter Ersatz für das Gebet in der Moschee.” Überhaupt funktioniert mit jüngeren Mitglieder vieles über digitale Kommunikationskanäle.

Für viele ältere Mitglieder ist die Technik viel zu kompliziert. Bei Live-Übertragungen via Zoom bleiben sie außen vor. “Wir haben deshalb kleine Audio-Nachrichten in arabisch und deutsch erstellt”, berichtet Mohammed Assila, wie man sich in der Gemeinde darum bemüht hat, kein ‘Vakuum’ entstehen zu lassen. “Ich stand in dieser Zeit auch immer telefonisch als Ansprechpartner zur Verfügung.”

Das abendliche Fastenbrechen während des Ramadans ist in diesem Jahr natürlich auch ganz anders ausgefallen, als es üblicher Weise begangen wird. Wie auch in deutschen Familien hat man aufgrund des Risikos auf Familienbesuche verzichtet und das abendliche Fastenbrechen auf die einzelnen Haushalte beschränkt.

Das erste gemeinsame Gebet in der Moschee

Mit den Lockerungen und dem nahenden Eid al-Fitr (Zuckerfest), haben der Gemeindevorstand und der Imam ein Konzept entwickelt, dass zumindest erst einmal zu diesem wichtigen Fest ein gemeinsames Gebet in der Moschee ermöglichte. Um das Abstandsgebot einhalten zu können, musste auch hier die Personenzahl begrenzt werden. “Wir Frauen haben uns entschlossen, den Männern den Vortritt zu lassen und zu Hause zu bleiben”, erzählt Fatima Assila, dass die Gemeinde eine ganz unkomplizierte Lösung gefunden hat. Statt der Gebetsteppiche der Moschee gab es am Boden aufgebrachte Abstandsmarkierungen. Das notwendige Hygiene-Konzept wurde mit dem Ordnungsamt abgestimmt. Ein Team von zehn jüngere Gemeindemitgliedern war aktiv an der Vorbereitung beteiligt, hat gereinigt und desinfiziert und war am Sonntagabend auch für den ordnungsgemäßen Ablauf mit verantwortlich.

Wer zum Gebet in die Moschee kommen wollte, musste einen eigenen Gebetsteppich und eine Gesichtsmaske mitbringen. “Es gab nur einen Vater mit Sohn, der noch einmal nach Hause zurückgehen musste, um seinen Teppich zu holen”, berichtet Mohammed Assila, dass alles reibungslos geklappt hat.

Grüße und gute Wünsche zum Fest

“Wir bekommen jedes Jahr Grüße zum Fest, aber in diesem Jahr waren es so deutlich viel mehr, als in den letzten Jahren. Wir waren überwältigt von der Anteilnahme und es ist sehr schön zu spüren, dass wir in der Corona-Pandemie zwar nicht körperlich, aber doch spirituell näher zusammenrücken”, freut sich Mohammed Assila über die große Anteilnahme der Erkrather.

In den vergangenen Wochen hatte er schon angeboten, dass Sitzungsraum und Garten der Moschee, die aktuell meist ungenutzt und leer sind, auch von anderen Initiativen oder Vereinen genutzt werden können, wenn Raumnot herrscht. Der Sitzungsraum bietet unter Einhaltung des Abstandsgebots für 10 bis 15 Personen Platz. Der Garten ist so groß, dass hier auch 50 bis 70 Menschen Platz finden würden, ohne sich zu nahe zu kommen. Gespräche gibt es inzwischen schon mit der VHS, die das Angebot gerne für Kurse nutzen würde. “Ich würde mich freuen, wenn wir damit auch anderen ein wenig helfen können”, erneuert Mohammed Assila die Einladung sich an die Gemeinde zu wenden.

Wie geht es jetzt weiter?

Zum Freitagsgebet will die Gemeinde vorerst noch nicht wieder einladen. Der Aufwand wäre zu schwer zu bewältigen. Die zehn Helfer vom vergangenen Sonntag haben sich aber schon bereit erklärt auch künftig zu unterstützen, sodass aktuell an einem Konzept gearbeitet wird, dass an anderen Tagen eine Öffnung zum Gebet ermöglichen wird.


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