Sommerinterview: Bündnis 90/ Die Grünen

Peter Knitsch/ Foto: Grüne Erkrath

Weiter geht es in der Serie unserer diesjährigen Sommerinterviews mit Peter Knitsch, Fraktionsvorsitzenden der Bündnisgrünen in Erkrath.

2020 war das Jahr der Kommunalwahl. Was hat Ihre Fraktion bisher schon auf den Weg bringen können?

Knitsch: Einiges! So hat der Stadtrat in der letzten Sitzung auf unsere Initiative hin eine umfangreiche Änderung des Stadtentwicklungskonzeptes beschlossen und zahlreiche Flächen, die bislang zur Bebauung vorgesehen waren, aus dem Konzept herausgenommen. Dies gilt zum Beispiel für Grünflächen zwischen Unterfeldhaus und Alt-Erkrath (Neuenhausstraße und Reiterhof), nördlich der Peter-Rosegger-Straße,  am Hubbelrather Weg in Alt-Erkrath und östlich der Hackberger Straße in Hochdahl. Auch das „Kleine Bruchhaus“ am Naturschutzzentrum Bruchhausen soll durch eine Änderung des Flächennutzungsplans nun geschützt werden. Das ist aus unserer Sicht ein erheblicher Erfolg, auch wenn solche Entscheidungen natürlich nicht endgültig sind und wir weiter wachsam bleiben müssen. Zudem schmerzt, dass die Ratsmehrheit mit der Bebauung anderer Flächen wie der Neanderhöhe, der Hasenwiese in Millrath und dem Gebiet Erkrath-Nord auf einer Versiegelung von über 10 ha Grünfläche in unserer eh schon dicht besiedelten Stadt in den nächsten fünf Jahren bestanden hat. Das ist umso unverständlicher, als dass durch Corona die Nachfrage nach Büroraum erheblich abgenommen hat und auf dem Wimmersberg in Alt-Erkrath Fläche für zahlreiche neue Wohnungen zur Verfügung steht,  ohne das Freiflächen zerstört werden müssten. 

Durchsetzen konnten wir auch, dass das Klimaschutzziel der Stadt verbessert wird. Ein umfangreicher Antrag zu konkreten Klimaschutzmaßnahmen von uns befindet sich in der Beratung. Bessere energetische Standards im Gebäudesektor, der Ausbau der Photovoltaik und die Verbesserung des Radverkehrs sowie der Zuverlässigkeit von Bus und Bahn sind dabei nur einige Beispiele. Wir werden darauf achten, dass im Stadtrat nicht nur über Klimaschutz geredet, sondern auch danach gehandelt wird.

Über den Umweltbereich hinaus haben wir mit unseren Anträgen zusätzliche Schwimmkurse für Kinder zum Ausgleich des Ausfalls während der Corona-Zeit angestoßen, Hilfen für die Sport- und Kulturvereine in unserer Stadt in die Diskussion gebracht und zusammen mit mehreren Fraktionen einen Antrag für mehr Transparenz in der Ratsarbeit und mehr Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht.         

Wie sah die Kommunalpolitik in Corona-Zeiten  aus? Sind wichtige Themen auf der Strecke geblieben?

Knitsch: Corona hat auch die Kommunalpolitik schwerer gemacht, gleichzeitig zudem vor neue Aufgaben gestellt. Wir hätten uns etwa eine rasche flächendeckende Ausrüstung der Schulen und Kindergärten mit Luftfiltern gewünscht, Ratsmehrheit und Verwaltung haben hier leider gebremst. Das gilt auch für die digitale Ausstattung, die in der Vergangenheit stark vernachlässigt wurde – während der Corona-Zeit hat sich das bitter gerächt. Aus unserer Sicht ein großer Fehler!        

Welches Ziel, das Sie bis zum Ende der Amtszeit anpacken wollen, liegt Ihnen besonders am Herzen?

Knitsch: Von besonderer Bedeutung ist aus unserer Sicht die Übernahme des Fernwärmenetzes von der Firma Eon durch die Stadt – sowohl ökologisch wie auch wirtschaftlich. Mit Fernwärme werden fast alle Haushalte in Hochdahl und damit ca. 50% der Wohnungen und Eigenheim in der gesamten Stadt versorgt. Die Stadt hätte durch die Übernahme die Chance, das über Jahrzehnte vernachlässigte Leitungsnetz zu sanieren, die Wärmeerzeugung am Heizwerk in Alt-Hochdahl von Erdgas auf regenerative Energien (Geothermie) umzustellen und gleichzeitig die zum Teil überhöhten Wärmepreise für die Bürgerinnen und Bürger zu senken. Auf dieses Ziel, mit dem mehr CO-2 Ausstoß als mit jeder anderen Maßnahme in Erkrath eingespart werden könnte,  arbeiten wir seit vielen Jahren hin, nun ist es greifbar nah.

Ein zweites Thema mit hoher Priorität ist der Erhalt des Baumbestandes und des Grüns in unserer Stadt. Durch den Klimawandel, insbesondere die extremen Trockenperioden, sind schon heute zahlreiche Bäume geschädigt. Seit einigen Jahren werden im innerstädtischen Bereich in Erkrath wesentlich mehr Bäume gefällt als neu gepflanzt, obwohl es einen anderslautenden Ratsbeschluss dazu gibt. Auch die Pflege der städtischen Grünflächen ist alles andere als ökologisch. Hier bedarf es dringend der Veränderung und der Anpassung an den Klimawandel. Das Erkrath (noch) so grün ist, trägt wesentlich zur Lebensqualität bei und wir Grüne wollen dies so weit wie möglich erhalten! Dankbar sind wir dafür, dass inzwischen vor allem durch mehrere Privatinitiativen Blühwiesen und innerstädtische Oasen entstanden sind – hier muss auch durch die Stadt selbes noch wesentlich mehr passieren!              

Mehrheiten im Stadtrat zu finden, das gestaltet sich gerade schwierig. Mit wem kann sich Ihre Fraktion ein Koalitionsbündnis vorstellen?

Knitsch: Faktisch gibt es in Erkrath bei vielen Entscheidungen seit Jahren eine große Koalition aus CDU und SPD, die inhaltlich von der CDU dominiert wird. Das hat sich leider auch durch die letzte Wahl und unser gutes Ergebnis nicht geändert. Als nunmehr zweitstärkste Fraktion im Stadtrat können wir aber unseren zentralen Themen wie etwa einen besseren Umwelt- und Klimaschutz, eine Stärkung des Kultur- und Sportangebotes, die Belebung der Stadtzentren, die Erneuerung der zum Teil in die Jahre gekommenen Infrastruktur und einiges mehr stärker in die Ratsarbeit einbringen. Für konkrete Maßnahmen müssen wir nach wie vor von Fall zu Fall um Mehrheiten bei den anderen Fraktionen werben, ein festes Koalitionsbündnis im Rat sehe ich da für uns Grüne nicht. Zur Durchsetzung unserer Ziele und Initiativen müssen und wollen wir eher Bündnisse mit den Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Initiativen etc. in unserer Stadt schließen, die ähnlich denken wie wir.    

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