Sinkende Kriminalität

V.l.n.r.: Leiter Polizeidirektion Manfred Frorath, Landrat Thomas Hendele und Ulrich Rüthers (Direktion Kriminalität) präsentieren die Kriminalstatistik von 2019. Foto: RG

Die Kriminalstatistik ist die positivste der letzten zehn Jahre, aber es gibt auch Bereiche, die weiter Sorgen machen.

“So habe ich das noch nie erlebt”, bekennt Landrat Thomas Hendele bei der Vorstellung der Kriminalstatistik die Entwicklung im Kreis Mettmann. Auch die Aufklärungsquote wäre sehr erfreulich. Dennoch ist natürlich nicht alles nur positiv.

Erkrath steht in der Betrachtung der Kriminalität in den kreisangehörigen Städten auf Platz 7 und damit nicht im Bereich der Städte mit der wenigsten Kriminalität im Kreis. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ), also die Zahl der Delikte pro 100 Tausend Einwohner liegt bei 5739. Immerhin hat sie im Vergleich zu 2018 um 111 abgenommen. Tötungsdelikte gab es in Erkrath nicht. Auch die Zahl der Straftaten insgesamt ist gesunken. Zunahmen gab es im Bereich der Sexualdelikte. Die Aufklärungsquote lag hier über 50 Prozent.

Raubüberfälle im öffentlichen Raum weisen nur eine kleine Fallzahl auf. In 2018 waren es insgesamt 6 Fälle in 2019 waren es 7 Fälle. Die Aufklärungsquote fällt hier mit 33,33 und 28,57 Prozent geringer aus. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist stark zurückgegangen, was die Polizei auch auf Aufklärung und verbesserten Diebstahlschutz zurückführt.

Eine starke Zunahme ist im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte zu verzeichnen, unter die auch der Enkeltrick, falsche Polizisten, falsche Telefontechniker und falsche Mitarbeiter von Stadtwerken fallen. Die Fallzahlen stiegen von 417 im Jahr 2018 auf 628 im Jahr 2019. “Hier ist eine Verlagerung auf neue ‘Geschäftsmodelle’ zu verzeichnen. Die Anrufe erfolgen oft von Callcentern aus dem Ausland, während die Abholer vor Ort ihre Auftraggeber oft nicht einmal kennen”, erklärt Landrat Thomas Hendele. Die Polizei hat hier im letzten Jahr massiv mit Hausbesuchen Aufklärungsarbeit geleistet und die Zahlen zeitweise stark senken können. Das lasse sich aufgrund der personellen Engpässe so nicht dauerhaft durchführen, aber auch weiterhin will die Polizei in den kreisangehörigen Städten an Infoständen Aufklärungsarbeit leisten. Unterstützung erhält sie dabei von den Ehrenamtlichen ASS!en (Aktionsbündnis für Seniorensicherheit).

Eine Zunahme ist auch im Bereich der Computerkriminalität zu verzeichnen, was dem vermehrten Online-Einkauf geschuldet sei, kommentierte Manfred Frorath, Leiter Polizeidirektion den Anstieg. Hier fiel die Aufklärungsquote von 36,36 auf 18,97 Prozent. Dennoch sind die Fallzahlen insgesamt mit 22 in 2018 und 58 in 2019 vergleichsweise niedrig, wenn sie sich auch mehr als verdoppelt haben. Ein leichter Anstieg ist auch bei den Sachbeschädigungen zu verzeichnen.

Erfreulicherweise sei die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahre kontinuierlich gesunken, was mit der Präventionsarbeit und einem Intensivtäterkonzept zusammen hinge, mit dem die Zahl der Wiederholungstäter gesenkt werde, erklärte Ulrich Rüthers von der Direktion Kriminalität.

Insgesamt steht der dicht besiedelte Kreis Mettmann im Landesvergleich gut da. “Und dass, obwohl die Zahl der Beamten durch das Land in den vergangenen Jahren deutlich reduziert wurde und die inzwischen beschlossene Erhöhung im Kreis noch nicht wirklich ankommt”, kommentierte Landrat Hendele die Zahlen. So habe auch der Kreis immer wieder damit zu kämpfen, dass Beamte für Sondereinsätze wie Lügde oder für Gelsenkirchen abgezogen werden und die Sollzahl von 706 Beamten für den Kreis nicht erreicht werde. Bei den Kommissarsanwärtern gäbe es gar eine Abbruchquote von 16 Prozent, sodass auch hier zu wenig neue Kräfte nachrücken würden. Dabei sei die Zahl der Pensionierungen in den kommenden Jahren hoch, sodass weitere Engpässe zu erwarten sind. Zu kämpfen hätten Polizei und Rettungskräfte weiter mit der zunehmenden Respektlosigkeit, die ihnen entgegengebracht werde.




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