Sie hinterlässt Spuren, auch in Erkrath

Landrat Thomas Hendele überreicht Nicola Hengst-Gohlke den Bundesverdienstorden. Foto: RG

Die Mettmannerin Nicola Hengst-Gohlke ist über das Projekt Kinderrechtebotschafter auch vielen Erkrathern bekannt. Am 8. November erhielt sie für ihr vielfältiges Engagement den Bundesverdienstorden.

„Ich kann mich nicht erinnern, diese Auszeichnung schon einmal einem so jungen Menschen im Kreis überreicht zu haben“, äußerte sich Landrat Thomas Hendele anlässlich des feierlichen Akts. In seiner Ansprache schilderte er in einer kurzen „Biografie“, warum Hengst-Gohlke diese hohe Ehrung erhält.

Alles begann mit der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2007. Nicola Hengst-Gohlke, die bis zu diesem Zeitpunkt als Personal- und Unternehmensberaterin tätig war, begann sich mit den Kinderrechten auseinanderzusetzen und sich intensiv zu engagieren. Schnell stellte die frisch gebackene Mutter außerdem fest, dass die Spielplätze in ihrer Umgebung zum Teil in einem jämmerlichen Zustand waren. 2009 startete sie deshalb als Elterninitiative die Aktion „Spielplatzpaten“. Über eine dazugehörige Internetseite rief sie ein Netzwerk für mehr kindgerechten Bewegungsspielraum ins Leben. Eltern, Anwohner oder auch Firmen traten dabei als ehrenamtliche Paten für intakten Spielraum und die Integration von Kindern auf öffentlichen Spielflächen auf. „Durch das Engagement der Spielplatzpaten ist der Mettmanner Öffentlichkeit klarer geworden, welchen Stellenwert Spielplätze für das Aufwachsen der Kinder haben“, erinnert Landrat Hendele an die Wirkung dieses Engagements. Auch die Feuerwehr Mettmann übernahm die Patenschaft für einen Spielplatz und damit entstand ein echter „Feuerwehr-Spielplatz“ auf der Neanderstraße in Mettmann, auf dem themenorientiert Spielgeräte in Feuerwehr-Optik installiert wurden. „Der Spielwert und Bildungswert im öffentlichen Raum ist gleichermaßen ungewöhnlich, wie faszinierend“, fasste Hendele die Besonderheit dieses Spielplatzes in Worte.

Auch Jan Gohlke, Nicolas Sohn, engagierte sich mit den Jahren aktiv bei den „Spielplatzpaten“ und war Ansprechpartner für Kinderprojekte. Im Schuljahr 2011/2012 konnte die Umgestaltung des Außengeländes an der Grundschule Herrenhauser Straße in Mettmann unter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler organisiert werden. Jan Gohlke begleitete dieses Projekt. 2014 erhielt das Projekt Spielplatzpaten vom Landesverband Rheinland das Prädikat „Kinderfreundlich“. Bis 2017 hat sich Nicola Hengst-Gohlke aktiv bei den Spielplatzpaten eingebracht, Fachwissen gesammelt und die Bedürfnisse für kindgerechten Spielraum erfasst. Inzwischen haben ihre ausdauernden und hartnäckigen Bemühungen in der Stadt Mettmann Früchte getragen. Der Bedarf für Spielraum auf Kinderspielplätzen ist ins öffentliche Bewusstsein gerückt und wird inzwischen aktiv als kommunale Aufgabe von der Stadtverwaltung in Mettmann fortgesetzt.

„Auch in die Ausgestaltung des Spielplatzes im Neandertal, der im kommenden Sommer eröffnet werden soll, hat sich Nicola Hengst-Gohlke mit ihrem Fachwissen eingebracht“, zählt Landrat Thomas Hendele aus dem Engagement für das sie ausgezeichnet wurde, auf. 2009 startete sie die Initiative „Draußenkinder“ für mehr Bewegungsspielraum von Kindern im Freien. Diese brachte sie auch in den Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V. ein. Seit 2010 organisiert Hengst-Gohlke in Mettmann jährlich den Weltspieltag. Seit 2014 ist sie ordentliches Mitglied im Deutschen Kinderhilfswerk. 2015 und 2017 erhielt sie die Ehrenurkunde und das Ehrenzeichen der Stadt Mettmann.

Kinderrechtskampagne erreichte auch Erkrath

Nicola Hengst-Gohlke ist Mitherausgeberin eines Buches für Kinderrechte und startete 2017 die „Kinderrechtskampagne“, die ihr Engagement auch nach Erkrath trug. Im Rahmen der Kampagne verbreitete sie Informationen und Anregungen zur Förderung und Umsetzung von Kinderrechten als Grundrechte, was durch Workshops und Vorträge an Bildungseinrichtungen und die Einbindung von Kindern geschah.

Im Rahmen der Kinderrechtskampagne wurden 20 Kinder, darunter auch Sohn Jan Gohlke, im Kreis Mettmann zu Kinderrechtsbotschaftern ernannt, um Schülerinnen und Schüler nicht nur in Schulen, sondern auch in Sportvereinen, Buchläden, Jugendparlamenten und Ferienlagern über ihre Beteiligungs- und Mitspracherechte aufzuklären. 400 Kinderrechte-Taschen verteilten die Kinderrechtsbotschafter an Kinder und Jugendliche, um über ihre Rechte zu informieren.

Anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstordens waren auch Familie, Freunde und Mitstreiter an Nicola Hengst-Gohlkes Seite. Auch Bürgermeister Thomas Dinkelmann gratulierte. Foto: RG

Das Engagement wächst und verändert sich, wie die Kinder selbst

Nicola Hengst-Gohlke wurde vor allem für ihr vielfältiges Engagement für Kinder ausgezeichnet, aber ihr Engagement geht längst darüber hinaus, denn wie das eigene Kind wächst, wächst auch das Bewusstsein, dass all diese Kinder das Recht auf eine lebenswerte Zukunft haben. Inzwischen besucht Sohn Jan Gohlke die weiterführende Schule und Mutter Nicolas Engagement hat sich vom Spielplatz Richtung Nachhaltigkeit und Umwelt weiterentwickelt. In den vergangenen Jahren war sie bereits Mitglied der Umweltinitiative „Aktionsbündnis sauberes Mettmann“, ein Zusammenschluss der Bürgervereine, privater Organisationen und Organisationseinheiten der Verwaltung wie Ordnungsbehörde und Baubetriebshof in der Stadt Mettmann.

Gemeinsam mit zwei Mit-Initiatorinnen startete sie vor vier Jahren in Mettmann die Aktion „Baum der Menschlichkeit“, an dem in jedem Winter wärmende Gaben hängen, die jeder dem es daran fehlt, abnehmen kann. Die drei haben vor zwei Jahren auch Mettmanns Netzwerk für Nachhaltigkeit (Mettmann Morgen, kurz memo) initiiert, mit dem das vorhandene nachhaltige Engagement in der Stadt sichtbarer werden soll. 2017 fand in der Kulturvilla Mettmann die erste Nachhaltigkeitsmesse des Netzwerks statt, die in diesem Jahr wiederholt werden soll. Website des Netzwerks: www.memo.jetzt

Kommentar:

Im Januar ist Nicola Hengst-Gohlke 50 Jahre alt geworden. Zu jung für ein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden und dennoch nicht zu jung, um für ihr enormes Engagement für Kinder den Bundesverdienstorden zu erhalten. Bereits 2011 war sie für den Neander-Taler und den deutschen Engagementpreis nominiert. 2012 war sie start social Stipendiatin. 2014 erhielten die Spielplatzpaten das LVR-Prädikat Kinderfreundlich und Nicola war regionale Preisträgerin der HelferHerzen von dm. 2015 erhielt sie die Ehrenurkunde und das Ehrenzeichen der Stadt Mettmann. 2016 war sie zum Bürgerfest von Bundespräsident Joachim Gauck eingeladen. 2017 erhielt sie erneut die Ehrenurkunde und das Ehrenzeichen der Stadt Mettmann. 2018 folgte die Einladung zum Bürgerfest von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und nun in 2019 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Wir von erkrath.jetzt freuen uns mit ihr.


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