Sanierung des Bürgerhauses mit vielen Fragezeichen

Foto: Lutz Wulfestieg

Eigentlich sollte das Bürgerhaus sozusagen zum Klimaschutzvorzeige-Projekt werden. Die Förderzusage zur energetischen Sanierung liegt bereits vor.

Im Bauausschuss gab es in der letzten Woche Diskussionsstoff. Insgesamt so viel, dass die Haushaltsplanberatungen am Ende in eine weitere Sitzung geschoben werden mussten, die kommenden Freitag um 15 Uhr stattfinden soll.

Unter dem Tagesordnungspunkt Berichte der Verwaltung erfuhren die Ausschussmitglieder, dass die energetische Sanierung des Bürgerhauses derzeit mit vielen offenen Fragestellungen behaftet ist. “Zeitplan und Kosten passen nicht, deshalb ist derzeit unklar, ob die Förderbedingungen erfüllt werden”, berichtete Dirk Baumeister, Fachbereichsleiter Bestandsimmobilien, im Ausschuss. Auch die zeitweise Auslagerung der Nutzer sei nicht abschließend geklärt. Darüber hinaus hätten die Architekten, die seinerzeit das Bürgerhaus entworfen hätten, Urheberrechte geltend gemacht und müssten bei jedem weiteren Schritt beteiligt werden, berichtete Baumeister weiter. Auch stünde gerade im Raum, dass die unter Denkmalschutzstellung des Bürgerhauses geprüft werde. “Wir wussten nicht, dass das Bürgerhaus schützenswürdig sein könnte”, bekennt Baumeister. Darüber hinaus habe die Thermografie-Untersuchung gezeigt, dass das Gebäude nicht nur über die veralteten Fenster massiv Wärme verliert, auch die Fassade sei betroffen.

Förderung zu energetischen Sanierung steht auf der Kippe

All diese Umstände führen dazu, so Dirk Baumeister, dass der Zeitrahmen der Förderung für die energetische Sanierung nicht mehr ausreiche und die notwendigen Maßnahmen nicht mehr zum Förderprogramm passen. So sei voraussichtlich der Ausstieg aus dem Förderprogramm notwendig. Alternativ müsse entschieden werden, ob aktuell nur zwingend notwendige oder auch sinnvolle Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden sollen, während man nach alternativen Förderprogrammen sucht.

Zwingend notwendige Maßnahmen umfassen Brandschutz, Sicherheits- und Elektroarbeiten, Lüftung, Heizung, Sanierung der Abwasserkanäle mit Drainage und einen Anstrich der Fassade. Kosten: ca. 2,5 Millionen Euro. Als sinnvolle Maßnahmen wurden Fenster, Türen und Fassade, Dach mit Begrünung und Wärmebrücken (inklusive Auslagerung der Nutzer für cirka ein Jahr), Energiemanagement, zentrale Gebäudeleittechnik, Fassadenarbeiten mit Wärmebrücken, Andichten und Wiederherstellen des Sockels, Beleuchtung und Toilettensanierung sowie die akustische Trennung des Stellariums aufgeführt. Kosten inklusive Planungskosten und weiteren Maßnahmen: cirka 8,6 Millionen Euro.

Die Summe für zwingend notwendige und sinnvolle Maßnahmen betrüge demnach mehr als 11 Millionen Euro. “Derzeit sind für die Lösungssuche Gespräche mit der Bezirksregierung geplant. Die Ergebnisse werden im nächsten Bauausschuss mitgeteilt”, ergänzte Bürgermeister Christoph Schultz die Ausführungen von Dirk Baumeister. Bis dahin sei klar, ob es Förderung gibt, eventuell auch eine kleinere. Ein Ersatz für das Bürgerhaus durch einen Neubau, dessen Kosten auf 30 Millionen geschätzt werden, wäre zu teuer.

Unmut im Ausschuss

Helmut Rohden von der CDU wollte wissen, wieso nicht bereits im Vorfeld eine Thermografie-Untersuchung durchgeführt worden sei, das wäre aus seiner Sicht doch im Rahmen des Klimaschutzes möglich gewesen. Die Frage, warum dies nicht bereits im Vorfeld erfolgt sei, konnte Dirk Baumeister nicht beantworten, dass sie aber nun erst stattgefunden habe, läge daran, dass sie überhaupt nur in den Wintermonaten erfolgen könne, da nur dann die entweichende Wärme der geheizten Räume sichtbar gemacht werden kann. Das Ergebnis der Thermografie-Untersuchung sei für alle erschütternd gewesen.

“Das ist ein Hammer, nachdem wir hier zwei bis drei Jahre lang diskutiert haben”, kommentierte Peter Knitsch den Bericht. Auch dass die Frage, was mit den Nutzer in der Zwischenzeit passieren solle, immer noch nicht geklärt sei, sei mehr als unverständlich. “Urheberrechtsangelegenheiten und Denkmalschutz hätten lange bekannt sein müssen”, drückt er sein Unverständnis weiter aus. Solche Mitteilungen eigneten sich seiner Meinung nach auch nicht für den Tagesordnungspunkt Berichte der Verwaltung.

Die Ergebnisse der Gespräche zwischen Stadt und Bezirksregierung sollen im nächsten regulären Bauausschuss vorgestellt werden.

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