Rhythmen, die in den Bauch gehen

Foto: Lutz Wulfestieg

WADOKYO begeisterte am vergangenen Samstag das Publikum in der Erkrather Stadthalle, die bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Es war bereits das 14. Benefiz-Konzert, das Marion und Timo Kremerius zu Gunsten des Förderverein MS-Treff Erkrath gemeinsam mit WADOKYO organisierten. Im jährlichen Wechsel treten die japanischen Trommelgruppe WADOKYO oder ihrer Schüler aus der hauseigenen Taiko-Akademie in der Erkrather Stadthalle auf. In diesem Jahr gab sich wieder die Trommelgruppe WADOKYO die Ehre und erfreute das Publikum mit dem neuen Programm „The Beginning“.

Auf dem Parkplatz an der Gerberstraße zeugten die Nummernschilder der parkenden PKWs davon, dass die Trommlergruppe nicht nur Erkrather in die Stadthalle zieht. Die wenigen Karten, die am Samstag noch nicht vergeben waren, waren vor Beginn an der Abendkasse ruckzuck ausverkauft und als das Konzert dann endlich begann, hatte Timo Kremerius noch eine kleine Überraschung für einen Teil der Zuhörer zu bieten. Mit ihm stand für die Anmoderation die hörbehinderte Petra Jaber auf der Bühne, um WADOKYO in Gebärdensprache anzumoderieren. Die Idee dazu entstand, als Marion Kremerius von Petra Jaber erfuhr, dass bei jedem Konzert der Trommler in Erkrath auch zehn bis zwölf hörbehinderte Menschen unter den Besuchern sind, denn diese Musik ist auch für sie ein Erlebnis.

Ein wenig aufgeregt war Petra Jaber auf der Bühne dann schon. Sie hatte noch nie vor so einem großen Publikum gesprochen und ist eigentlich auch keine Gebärdendolmetscherin. Die Übersetzung in Gebärdensprach hatte sie extra für diesen Auftritt geübt. Vor Beginn des Konzerts hatte sie für hörbehinderte Besucher Luftballons aufgepustet und bereitgestellt. Das ist ein kleiner Trick, den meist nur Betroffene kennen. „Den Luftballon könnt Ihr zwischen Euren Händen auf dem Schoß halten. Er überträgt die Vibration der Trommeln noch deutlicher“, erklärte sie dem Publikum. Timo Kremerius berichtete dem Publikum, was der Förderverein MS Treff Erkrath mit den Erlösen verwirklicht. „Wir fahren einmal jährlich mit einer Gruppe von 30 bis 35 Menschen an die Nordsee, organisieren Theaterbesuche oder besuchen das Naturschutzzentrum Bruchhausen“, zählte er aus den Unternehmungen auf.

Schließlich gehörte die Bühne WADOKYO. „Wir kommen immer gerne nach Erkrath, fühlen uns hier schon fast wie zu Hause“, begrüßte Bandgründer Frank Dubberke das Publikum und ließ es wissen, dass die Trommelgruppe im kommenden Jahr bereits ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Das Programm heiße deshalb auch „The Beginning“ und nähme das Publikum mit auf eine Zeitreise, erfuhren die Besucher. Dazu gehören auch die eher bunt gemischten Kostüme der Bandmitglieder, die aus unterschiedlichen Jahren stammen. „Meins ist noch aus den Anfängen und wie Sie sehen, passe ich immer noch hinein“, verriet Dubberke schmunzelnd.

Als die Trommler dann begannen, war das Publikum vom ersten Moment an von den magischen Trommelwirbeln und den bunten Kostümen gefangen. Die Tayko-Trommler beeindruckten nicht einfach nur mit ihren kraftvollen Beats oder den bebenden Trommeln. Ihre Drumsticks ließen sie geschickt und schnell auf den Trommeln tanzen und waren dabei selbst mit dem ganzen Körper im Einsatz. Dafür ab es dann zwischen den einzelnen Acts auch tosenden Beifall.

In der Pause hatten wir dann auch Gelegenheit mit Marion Kremerius zu sprechen, die uns berichtete, dass in jedem Jahr viele Menschen mit Behinderung die Konzerte besuchen. Sie erzählte auch von den jährlichen Fahrten nach Noordwijk, für die der finanzielle Aufwand steigt. „Die Einschränkungen der Menschen, die mit uns reisen, nehmen natürlich mit den Jahren auch zu und so suchen wir Hotels aus, die behindertengerecht sind und Pflegebetten haben“, erklärte sie. Dennoch ist es Timo und Marion Kremerius bisher immer gelungen die jährlichen Fahrten zu organisieren und WADOKYO oder im jährlichen Wechsel die Taiko-Akademie sind nicht die einzigen größeren oder kleineren Events, die das Ehepaar erfolgreich für den guten Zweck organisiert. Viele Erkrather freuen sich bestimmt schon jetzt auf „Rock am Stock“ und die Taiko-Akademie im kommenden Jahr.

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