Redaktion auf Rehkitzsuche

Foto: Sascha Händle / Pixabay

Ein Bericht über die Helfer Rehkitze brachte uns in die Selbsterfahrung. Es fehlten Helfer.

Eigentlich hatte ich zu meinem Artikel geäußert, dass es ja schön wäre, wenn ich auch einmal mitlaufen könnte. Aber die Brut- und Setzzeit ist schon fast zu Ende und es war nicht sicher, ob sich die Gelegenheit ergibt. Mein Bericht war fertig, als Petra Osagie schrieb: „Morgen früh um 9 Uhr ist ein Einsatz und bisher haben sich nur zwei Helfer gemeldet. Das ist echt wenig für die Wiesen.“

Wochentags um 9 Uhr ist natürlich Arbeitszeit und verständlicher Weise können dann nur die, die nicht berufstätig sind, oder zumindest nicht vormittags arbeiten müssen. Nachdem ich so ausführlich mit den Helfern gesprochen hatte, wollte ich sie jetzt auch nicht hängen lassen. Weder Tanja, noch ich hatten um diese Uhrzeit einen festen Termin und Tanja hatte am Vortag geklagt, dass ihr das Fitnessstudio fehle. Also hab ich sie gleich mitgebucht.

Pünktlich fanden wir uns, ausgestattet mit zwei langen Bambusstöcken, am verabredeten Treffpunkt ein. Feste Schuhe und lange Hose waren ein ‚Muss‘. Auf Petra Osagies Rat hin, hatte ich zwei kleine Wasserflaschen in der Tasche, für die wir später noch sehr dankbar waren. Ein Jäger und zwei Helfer warteten schon, ein zweiter Jäger mit ausgebildetem Hund kam später noch dazu. Vor uns ein Feld, dass wir auf den Fahrspuren durchquerten, um zur Wiese zu gelangen. Ich glaube, ich bin seit meiner Kindheit nicht mehr durch so hohe Wiesen gestreift. Immerhin kann ich heute ‚drüber weg gucken‘.

Der erste Teil, den wir zu sechst absuchten, war noch halbwegs gut zu durchqueren. Wofür wir die Bambusstöcke brauchten, erklärte sich von selbst. Die Gräser und Pflanzen sind so dicht gewachsenen, dass wir schon 60 Zentimeter neben uns kaum noch bemerkt hätten, wenn dort ein Rehkitz gelegen hätte. Also durchkämmten wir abwechseln rechts und links neben uns vorsichtig das Gras. Immer mal wieder konnte man ‚Laufspuren‘ und ‚Liegeplätze‘ im Gras ausmachen, aber sie waren bereits wieder verlassen.

Hurra, Tanja hat ein Rehkitz gerettet …

Wir hatten gerade einmal etwas mehr als die Hälfte durchkämmt, als Tanja und ich feststellten, dass die Suche deutlich anstrengender als vermutet ist. Die Hanglage, der unebene Boden und die dicht gewachsenen Gräser machten das Fortbewegen beschwerlich. Wenn man die Füße beim Gehen nicht weit genug anhebt, verheddert man sich in den Gräsern. Wir hatten schon fast aufgegeben auch ein Rehkitz zu entdecken, da ruft Tanja auf einmal „Guck, da ist eins weg gesprungen.“ Das alles ging viel zu schnell, als das sie ihr Smartphone für ein Foto hätte aus der Tasche ziehen können und so gehörte ihr dieser Moment, der Anblick des Kitz, ganz allein. „Ist es denn jetzt in Sicherheit?“, fragte sie besorgt den Jäger, der in Rufweite war. Der bestätigte es mit Blick auf die Richtung, in die sich das Kitz entfernt hatte.

Fitness-Training inklusiv

Der Rest der zu durchkämmenden Wiese war noch höher und dichter gewachsen. Ganz so anstrengend hatten wir uns das im Vorfeld gar nicht vorgestellt. „Wenn das drei Stunden gedauert hätte, hätte ich unterwegs aufgeben müssen“, gestand mir meine junge Kollegin, während ich vor mich hin schnaufte und dachte: „Hoffentlich schaffe ich noch den Weg bis zum Auto“. Ich glaube, mir war die Anstrengung anzusehen. Der Jäger sagte mitleidig: „Du kannst unten warten und ich hole Dich dann mit dem Auto ab und bring Dich zu Deinem Auto.“ Das war dann nicht nötig. Eine der Helferinnen hatte unterhalb geparkt. Tanja hab ich auf dem Rückweg eingesammelt. Bevor es dann in den Rest des Arbeitstags ging, hatten wir beide eine Dusche mehr als nötig, um wieder ‚bürotauglich‘ zu werden.

Der erste Teil der Wiese war nicht ganz so hoch gewachsen.
Für ungeübte Journalistinnen, aber schon herausfordernd.
Foto: TB

Wer jetzt Lust bekommen hat, auch noch einmal Wiesen und Felder zu durchstreifen und das Glücksgefühl zu erleben, wenn ein Rehkitz entdeckt wird, kann sich gerne für die Helfer Gruppe bei Petra Osagie melden. Fitness-Training, Frische Luft und viel Natur sind inklusiv.

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