Offenlegung Wimmersberg in den Sommerferien

Wenn Michael Laferi den Wimmersberg überplanen dürfte, dann sähe seine Planung so aus. (Präsentation Michael Laferi im Ausschuss.)

Am Dienstagabend fanden sich mehr Bürger zur Ausschusssitzung ein, als eingelassen werden durften.

Gleich zu Beginn gab es deshalb eine kleine Diskussion darüber, ob die etwa sieben Bürger, die noch im Foyer der Stadthalle warteten, auch eingelassen werden können. “Die Corona-Regeln müssen eingehalten werden”, war die sachliche Auskunft der Verwaltung und so lauschten einige Besucher an den beidseitig zur Lüftung offenstehenden Türen der Sitzung.

Bernhard Osterwind bemängelte, dass der Antrag der BmU, der einer weiteren Bürgergruppe die Vorstellung ihrer Ideen ermöglichen sollte, nicht auf der Tagesordnung war. Für die vorherige Sitzung des Planungsausschusses sei sie zwar zu spät gewesen, für diese jedoch nicht. Er bat darum zu Protokoll zu nehmen, dass der Vorsitzende sich geweigert hätte, den Antrag auf die Tagesordnung zu nehmen.

Unter Top 4 hatte Michael Laferi, ausführlich Gelegenheit seine Pläne für den Wimmersberg vorzustellen, welche der ehemalige Stadtplaner der Stadt Düsseldorf in einer Präsentation professionell vorbereitet hatte. (Wir berichteten bereits hier und hier.) “Ich hoffe auf ein Umdenken und bitte darum, die für heute geplante Abstimmung auf nach den Sommerferien zu verschieben und die Pläne noch einmal zu überdenken”, richtet er sich am Ende an die Ausschussmitglieder.

Auch Klaus Franken von Catella war anwesend

“Ich war erst irritiert, dass jemand auf unserem Gebiet plant, habe mich dann aber auch über die Vorschläge gefreut”, äußerte sich Klaus Franken, der für Catella am Ausschuss teilnahm. Er bedauerte, dass die Initiative die Gesprächsangebote von Catella nicht wahrgenommen habe. Dann ging er noch einmal auf den gesamten Planungsprozess, die eingeflossenen Bürgeranregungen und den aktuellen Projektstand ein. “Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das nicht schmeckt. Eine wirklich offene und transparente Bürgerbeteiligung hat in dieser Planung nicht stattgefunden”, kritisiert Michael Laferi und wirft Catella vor, am Wimmersberg ‘Klötze hinzubauen’ und nur am Gewinn interessiert zu sein.

Bernhard Osterwind (BmU) ging auf Laferis Vorschlag, entlang der Bahn einen Teil Gewerbefläche vorzusehen, ein. “Das Kreisgesundheitsamt hat Bedenken angemeldet, so nah an den Bahngleisen Wohnbebauung zu planen.” Von Michael Laferi wollte er wissen: “Wie viel Gewerbefläche könnten Sie sich vorstellen? Wie viel Grünfläche bleibt im Verhältnis zu versiegelten Flächen in ihrer Planung übrig?” Laferi erklärte, dass er sich 10.000 Quadratmeter Bruttogeschäftsfläche vorstelle und eine sechs Zehntel Begrünung. “Ich könnte mir auch Mietergärten vorstellen.” Insgesamt sorge der Grünanteil für eine ‘gute Durchlüftung’. Laferi fragte sich, ob die Windschneisen im Projekt Wimmersberg geprüft wurden.

Peter Knitsch (Grüne) war der Meinung, dass hier die Chance vergeben worden sei, echte und frühzeitige Bürgerbeteiligung umzusetzen. Er plädierte dafür, zu einem Verfahren zurückzukommen, bei dem Bürger ernst genommen werden und deren Vorschläge einfließen können. Nicht alles in Laferis Konzept fände Zustimmung, aber auch der Catella Entwurf entspräche nicht dem Ratsbeschluss. Auch die in den Sommerferien geplante Offenlegung des Flächen- und Bebauungsplans kritisiert er.

Wilfried Schmidt (CDU) erinnert daran, dass alle Vorschläge diskutiert wurden, ein Workshop stattgefunden habe und Anregungen in die Planung eingeflossen seien. “Wir sollten jetzt voranschreiten”, fordert er die Ausschusskollegen auf.

“Wir haben die Bebauung angestoßen und ich bedanke mich bei der Verwaltung für die bisher geleistete Arbeit. Ich finde es schade, dass Michael Laferi er so spät hinzukam”, äußerte sich Inge Berkenbusch (FDP). Die FDP halte den Laferi-Entwurf für besser. Sie bittet zu prüfen, wie man dem gerecht werden könne.

Paul Söhnchen (SPD) erinnert noch einmal daran, dass der SPD daran gelegen sei, das genügend sozialer Wohnungsbau in die Planung einfließen soll. “Wir hätten uns gewünscht, dass es mehr ist, als jetzt einfließt.” Den vorliegenden Entwurf halte er für gut, auch wenn er kein Fachmann sei.

Verkehr und Klima

Im Verlauf der Sitzung wurde noch ausgiebig über einzelne Punkte diskutiert, die zum Baugebiet Wimmersberg auch Verkehr und Klima aufgriffen. Dr. Berthold Kaufmann vom Passivhaus Institut erklärte die Vorteile von Passivhäusern. “Wenn Sie bahnseitig Fenster öffnen müssen, können sie jeden Lärmschutz vergessen”, erklärt er, dass gerade entlang der Bahngleise Passivhäuser enorme Vorteile haben. “Dass man im Passivhaus keine Fenster öffnen soll, stimmt nicht”, versucht er Argumenten gegen Passivhäuser vorzubeugen.

Nach einer Sitzungsunterbrechung hatte Gregor Jeken von den Stadtwerken Erkrath Gelegenheit, die klimaneutrale Energieversorgung zu erläutern, die am Wimmersberg umgesetzt werden soll. Dafür hatte man unter anderen Prof. Dr. Adam von der Hochschule Düsseldorf zur Untersuchung des Konzept zu Rate gezogen. Klaus Franken erklärte, dass alle Häuser eine optimierte Energieversorgung erhalten werden. Die Kosten für die Umsetzung habe man im Konzept gedeckelt. “Das Passivhaus kann ein Element sein, setzt aber ein entsprechendes Mieterverhalten voraus.” Aus seiner Sicht könne man das vielleicht bei Einfamilienhäusern berücksichtigen, weniger aber bei Mehrfamilienhäusern.

Ergebnis

Nach drei Stunden öffentlicher Sitzung wurde ein Antrag, die Abstimmung über die Offenlegung auf die erste Sitzung nach den Ferien zu verschieben, dem BmU, Grüne und FDP zustimmten, von den übrigen Fraktionen abgelehnt.

Die Offenlegung der Änderung des Flächennutzungsplan und der Änderung des Bebauungsplans in der Sommerferien wurde mehrheitlich mit den Stimmen von CDU und SPD gegen die Stimmen von Grünen, BmU und FDP beschlossen.

Nach Ende des öffentlichen Teils bekundete Klaus Franken unserer Redaktion gegenüber sein Unverständnis darüber, dass die ‘Grüne Mitte’ in Michael Laferis Plänen gar nicht mehr vorkam. “Gerade die haben wir ja erst in die Planung aufgenommen, weil sich viele Bürger dafür ausgesprochen hatten.”


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