Obstbaumschnitt hat ökologischen Wert

Biotop- und Landschaftspfleger Gerd-Dieter Löschner (2. v.r.) zeigt den Kursteilnehmern, woran man einsetzende Vergreisung bei Obstbäumen erkennt. Foto: as

Obstgärten und Streuobstwiesen sind in unserer Region immer seltener zu finden. Und mit ihnen schwindet das Wissen um die richtige Pflege von Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume & Co. Aus diesem Grund bietet das Naturschutzzentrum Bruchhausen jedes Jahr Obstbaum-Schnittkurse an. Am Samstag trafen sich die diesjährigen Teilnehmer bereits zum zweiten Mal und lernten, wie man die Vergreisung von Obstbäumen erkennt und aufhält.

Der Winterschnitt wird während der Vegetationsruhe, (Zeitpunkt, in dem die Pflanzen photosynthetisch inaktiv sind, d.h. keinerlei Wachstum, Blühaktivität bzw. Fruchtbildung stattfindet) durchgeführt. Während viele Erkrather am vergangenen Samstag zum Karnevalszug strömten, fanden einige auch den Weg zum weiterführenden Obstbaum-Schnittkurs des Naturschutzzentrums Bruchhause. Nach einer Stunde Theorie, in der Biotop- und Landschaftspfleger Gerd-Dieter Löschner Fragen beantwortete und Wissenswertes aus dem ersten Kurs wiederholte, zeigte er den neun Teilnehmern auf der Streuobstwiese des Naturschutzzentrums, wie man Anzeichen von Vergreisung erkennt und wie man diese aufhält.

Wichtig ist dabei, gerade bei Bäumen, die lange keine Pflege erhalten haben, anfangs nicht zu viel wegzuschneiden, sondern eine Wuchsbremse einzubauen, so Löschner: „Bei einem ‘Gemetzel’ reagiert der Baum mit vielen neuen Austrieben.“ Für die Baumschnitt-Laien war jedoch auch das aus Sicht des Profis zurückhaltende Beschneiden noch nahe am „Gemetzel“. Auf der Streuobstwiese lernten die Teilnehmer schnell, einsetzende Vergreisung zu erkennen: Während jüngere Bäume noch mit vielen senkrecht nach oben wachsenden Ästen (Wasserschossen) austrieben, zeigten vergreisende Bäume kaum noch Neutriebe, da sie ihre ganze Energie in die Frucht stecken.

„Ich habe zuhause schon versucht, das Gelernte aus dem ersten Kurs umzusetzen – ganz moderat und vorsichtig“, so einer der Teilnehmer, die im Januar bereits den Grundkurs im Naturschutzzentrum besucht hatten: „Das ist ein Prozess, an dem man arbeiten muss.“ Löschner riet dazu, unbedingt Vorher-/Nachher-Fotos der Bäumen zu machen. Anhand der Dokumentation könne man dann in den Folgejahren nachvollziehen, was erreicht wurde und ob man mit dem Schnitt auf dem richtigen Weg ist.

Biotop- und Landschaftspfleger Gerd-Dieter Löschner (r.) zeigt den Kursteilnehmern, welche Schnittpflege Obstbäume im Winter brauchen.                  Foto: as

An den von Gerd-Dieter Löschner und seinem Sohn Torben auf der Wiese des Naturschutzzentrums beschnittenen Obstbäume ließ sich gut nachvollziehen, dass sich der Einsatz lohnt: Die „ungepflegten Greise“ machten schon nach dem Schnittkurs einen deutlich frischeren und gesünderen Eindruck. Bevor die Landschaftspfleger zu Säge oder Gartenhippe griffen, versuchten die Teilnehmer mit den zuvor gelernten Regeln zu erkennen, welche Äste herausgeschnitten werden sollten. Dabei wiederholte Löschner die Prinzipien wie breitpyramidaler Schnitt, Ableitung und Wuchsbremse.

„Streuobst ist im Gegensatz zum heutigen Erwerbsobst genetisch auf langes Tragen ausgelegt. Wenn man solche Obstbäume schneidet, werden sie uralt“, so Löschner. Auch lange nicht gepflegte Bäume könne man so wieder reaktivieren. Die Pflege sorgt nicht nur dafür, dass die Bäume mehr und länger tragen und auch widerstandsfähiger gegen Krankheiten werden. Alte Obstbäume zu retten, hat darüber hinaus auch ökologischen Wert: Erst im Alter entwickeln sich durch ausgebrochene Äste Höhlungen, die Vögeln, Insekten und kleinen Säugetieren Unterschlupf bietet.


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