Neuer Glanz für den alten Messwagen

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Der alte Messwagen im Lokschuppen wartet auf seine Restaurierung. Foto: RG

Ein lang gehegter Wunsch geht jetzt im Lokschuppen in Erfüllung. Der Eisenbahn- und Heimatverein Erkrath-Hochdahl kann dank einer Förderung den alten Messwagen restaurieren.

Die Freude bei den Eisenbahnfreunden war groß, als sie die Förderzusage erreichte. 2018 hatte ein Landtagsabgeordneter bei einem Besuch des Lokschuppens auf das Förderprogramm für kulturhistorische Verkehrsgüter aufmerksam gemacht und sofort machten sich die Eisenbahnfreunde an die Arbeit und bewarben sich für 2019, wurden aber am Ende nicht berücksichtigt. Sie waren auf die Warteliste gerückt und wären, wenn ein Förderprojekt ausfällt nachgerückt. Das passierte nicht und so bewarben sie sich für 2020 erneut. Mitte letztes Jahr dann die Nachricht, dass sie wieder nicht dabei waren.

Den Mut nicht verlierend, bewarben sie sich für 2021 erneut und konnten in einer ersten Presseinformation im Januar 2021 erfahren, dass sie dieses Mal berücksichtigt werden. “Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, wie hoch die Förderung seien würde”, erzählt Dr. Ralf Fellenberg. Aus diesem Grunde ist der Verein auch noch nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Im März traf dann der ersehnte Förderbescheid ein. Von den Gesamtkosten in Höhe von 32.000 Euro übernimmt das Land 70 Prozent. 20 Prozent werden vom Verein in ehrenamtlichen Arbeitsstunden, insgesamt rund 420 Stunden, erbracht. “Die restlichen 10 Prozent Kosten übernehmen wir als Verein”, verrät Fellenberg, dem die Freude über das neue Projekt anzusehen ist.

Wer den alten Meßwagen näher betrachtet, gewinnt eine Vorstellung davon, was zu tun ist. Jede Menge Schweißarbeiten, um durchgerostete Teile zu ersetzen, die Heizungsanlage muss erneuert werden und für die Auffrischung des ‘alten Glanzes’ ist auch im Inneren vieles zu tun. Dazu gehören auch Tischlerarbeiten, denn im Inneren finden sich jede Menge Holztäfelung und Holzeinbauten.

Geschichte des alten Messwagens

Bereits seit 2004 ist der Messwagen im Besitz des Vereins. Damals befand sich der Wagen bereits in Privatbesitz.

1928 als Packwagen für den Gütertransport nach Königsberg, das von Deutschland abgetrennt nur über einen Bahnkorridor über Polen erreichbar war, gebaut, sollte er eine ganz andere Bestimmung finden. Mehrere Bahnentgleisungen führten zur Gründung einer Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Entgleisungsursachen. Ihr wurde noch im Jahr der Gründung ein Messzug mit zwei Wagen zur Verfügung gestellt. Dabei fand der Gepäckwagen eine neue Bestimmung. Neben einem Zugführerraum fanden im Inneren ein Beratungs- und ein Meßraum mit entsprechender Meßtechnik einen Platz.

Die Arbeitsgruppe wurde 1935 aufgelöst, aber schon viel früher hatte die Deutsche Reichsbahn erkannt, dass durch zunehmende Fahrtgeschwindigkeiten Laufuntersuchungen an Fahrzeugen immer wichtiger wurden. 1933 wurde eine neue Versuchsgruppe bei der Lokomotivversuchsabteilung Grunewald gegründet. Der heute in Erkrath auf seine Restaurierung wartende Messwagen wurde für diese Gruppe umgebaut. Die Schiebetüren des ehemaligen Gepäckwagens wurden ausgebaut und eine kleine Tür zum Ein- und Ausbau der Messinstrumente wurde eingebaut. Auch einige Fenster für mehr Tageslicht wurden eingebaut. Für den künftigen Einsatz erhielt er zusätzliche Beleuchtung und eine Warmwasserumlaufheizung. Der komplette Innenraum wurde umgebaut und zum einen auf die notwendige Messtechnik angepasst und zum anderen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter, die mit dem Messwagen unterwegs waren. Dazu gehörten kleines Schlafabteil mit zwei übereinander angeordneten Pritschen genauso wie eine kleine Küche. Auch die Dachkanzel wurde ausgebaut und für seinen neuen Einsatz wurden der Messwagen und seine Versuchseinrichtung auch auf die höhere Geschwindigkeit von bis zu 180 Stundenkilometer ertüchtigt.

Während des zweiten Weltkriegs wurden die Messwagen dann ausgelagert. Ein Teil ging nach Halle und ein Teil nach Göttingen. “Unser Messwagen ist wohl nach Göttingen gekommen, wenn sich das auch nicht zweifelsfrei nachweisen lässt”, berichtet Dr. Fellenberg. Auch nach dem Krieg bestand ein Bedarf für Untersuchungen und damit für die Messwagen. Damals stellte sich die Frage, wo eine entsprechende Stelle dafür eingerichtet werden könnte. Schließlich landeten die Messwagen in Minden, auch der heute in Erkrath stehende. Dort war er bis 1960 und kam dann in ein Ausbesserungswerk nach Limburg. “Viele dachten, dort wäre er verschrottet worden, aber aufgrund eines wachsenden Bedarfs für mobile Schulungen fand er noch einmal einen neuen Einsatz”, weiß Dr. Fellenberg. Seinen Einsatz fand der Meßwagen in neuer Funktion dann in Frankfurt und Köln, bis er schließlich an einen Privatmann verkauft wurde und noch später seinen Weg nach Erkrath fand. Dort wartet er jetzt auf seine neue Bestimmung.

Der künftige Einsatz des Messwagens

Ehemalige Messgeräte werden künftig nicht mehr eingebaut, aber von seinem alten Glanz soll er einiges zurückerhalten und der soll an den ehemaligen Einsatz erinnern. Sicher wird auch die hier verkürzt wiedergegebene Geschichte des Messwagens einen Platz darin finden. Wenn alles restauriert ist, soll er an das Bahncafé angekoppelt werden und neben dem Museumsbetrieb im Lokschuppen eine Art ‘Dauerausstellung’ und einen Modellbahnbetrieb für die kleinen Eisenbahnfreunde beherbergen. Bis dahin ist noch viel zu tun und neben allen Schweißarbeiten und Innenausbauten sind Fenster zu erneuern und ein Anstrich samt passender Beschriftung – wie 1930 – wird den Wagen erst vervollständigen. “Wenn er fertig ist und die Beschriftung erhalten hat, ist das ein Alleinstellungsmerkmal. So einen Messwagen gibt es dann in ganz Deutschland nicht noch einmal”, freut sich Dr. Fellenberg schon jetzt. Das soll bis Ende 2022 der Fall sein. So sieht es die Förderung vor und wir alle dürfen uns schon jetzt auf die Einweihung freuen, bei der die Corona-Pandemie hoffentlich keine Rolle mehr spielt.

Impressionen vor der Restaurierung

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