Neuer Geschichtsband statt Stammtisch

Dr. Hans-Joachim Dietz, erster Vorsitzender des BGV Erkrath. Foto: RG

Lockdown auch im Bergischen Geschichtsverein Erkrath. Der Novemberstammtisch musste ausfallen. Dafür dürfen sich die Mitglieder auf Band 11 Niederbergische Geschichte freuen.

Kaum hatten Sie ihre Stammtische und Vorträge wieder aufgenommen, beendet die zweite Corona-Welle die Zusammenkünfte wieder. Dabei erfreut sich der Stammtisch des BGV Erkrath großer Beliebtheit, zählt jeden Monat rund 25 Teilnehmer. An jedem ersten Freitag im Monat treffen sie sich im Neandertal No1. „Wir sind Caterina Klusemann sehr dankbar, dass sie uns das in ihren Räumlichkeiten ermöglicht“, sagt Dr. Hans-Joachim Dietz, der sich noch gut daran erinnert, wie schwierig es war, geeignete Lokalitäten zu finden, bevor das Neandertal No1 nach 1,5 Jahren Renovierung und Umbau seine Türen öffnete. Bis zum Jahresende hat der Verein Vorträge und Stammtische abgesagt. „Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr wieder starten können.“

Horst-Ulrich Osmann und
Roland Koschmieder.
Foto: BGV Erkrath

Für die Mitglieder, aber auch für andere Menschen mit Interesse an Erkrather Geschichte, gibt es ein Trostpflaster: Druckfrisch liegt der neue Band Niederbergische Geschichte vor. ‚Die Bongards – eine bergische Familie‘, deren prominenentester Vertreter Johann Heinrich Bongard war. Er war nicht der erste Arzt in der Familie Bongard, aber der erste, der Medizin studierte und promovierte. 1779 in Erkrath geboren, studierte er in Bayern. Lange Zeit galt seine Dissertation als verschollen, aber Roland Koschmieder und die ehemalige Stadtarchivarin Erika Stubenhöfer haben sie aufgespürt. Bongard war nicht nur Allgemeinmediziner und Chirurg, er behandelte auch Augenleiden. „Und er war ein ausgesprochen tüchtiger Geschäftsmann“, weiß Dr. Dietz aus dem Buch zu berichten, dessen Autoren Horst-Ulrich Osmann und Roland Koschmieder sind. Ganz nebenbei verrät Hans-Joachim Dietz, dass Osmann gerade als langjährigstes Vereinsmitglied geehrt wurde. Seit 40 Jahren ist er Mitglied im BGV. Die Vereinsmitglieder sind Hobby-Historiker und Host-Ulrich Osmann ist darüber hinaus Genealoge (Familienforscher).

Aktionär der Eisenbahngesellschaft

Nachdem Bongard 1803 in Landshut promovierte und anschließend ein Kliniksemester in Würzburg verbrachte, erhielt er 1804 seine Approbation  als Arzt im Amt Mettmann. Aber in seiner weiteren Vita zeigt sich, dass Johann Heinrich Bongard nicht nur als Mediziner erfolgreich war, es zum Leibarzt der Prinzessin von Preußen brachte, er war auch ein handfester Geschäftsmann. Er erwarb zu Lebzeiten zahlreiche Güter, war Aktionär der Eisenbahngesellschaft und gründete Farb-, Öl- und Getreidemühle. Bongard verbrachte seinen Ruhestand in Düsseldorf, fand seine letzte Ruhestätte aber in seiner Geburtsstadt Erkrath. Der Gemeinde vermachte er die stolze Summe von 5000 Taler für die dauerhafte Pflege seiner Grabstätte. Er starb 1857. Bereits 1909 wurde der Friedhof geschlossen und verwilderte. Bongards Grab wurde aber noch weiter gepflegt. 1942 verfügte der damalige Erkrather Bürgermeister die Grabsteine abzuräumen. Sie gingen ins Eigentum der Stadt Erkrath über. 1971, als das Regenrückhaltebecken an der Hochdahler Straße gebaut wurde, verschwanden die Grabmale Bongards und seiner Frau. Zwei Fotos im Band 11 der Bergischen Geschichte zeigen die imposanten Grabmale.

An das Testament Bongards erinnerte sich 1971 aber niemand mehr. Welch enorme Summe 5000 Taler in dieser Zeit waren, haben Koschmieder und Osmann dargestellt. So entsprach die Summe 5,5 Jahresgehältern eine Regierungs-Medizinalrats seiner Zeit. Wenn man das auf die heutige Zeit, auf einen Regierungsrat in der Besoldungsstufe A13 übertrage, sei das eine Summe von 450.000 Euro, ist dem Buch zu entnehmen.

Die bergische Familie Bongard

Aber natürlich geht es in dem Buch nicht nur um den in Erkrath geborenen, prominenten Dr. med. Johann Heinrich Bongard. Koschmieder und Osmann haben die Stammtafel der Familie Bongard eingefügt, die 1555 mit der ersten Generation in Elberfeld beginnt und viel geschichtliches aus Erkrath im Zusammenhang mit Bongard eingefügt.

Die Bongards – Eine Bergische Familie | Niederbergische Geschichte Band 11
Wer jetzt neugierig und nicht Mitglied des BGV Erkrath ist, muss nicht traurig sein. Für 10 Euro ist das Buch in der Buchhandlung Weber in Hochdahl, im Neandertal No1 oder im Lokschuppen erhältlich. Es kann darüber hinaus beim Bergischen Geschichtsverein Erkrath per Email an niederbergische-geschichte@bgv-erkrath.de bestellt werden.

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