Nachhaltige Startups made neanderland

Startups #1

Björn Sperling im Popup-Store in Mettmann (Poststraße). Foto: Ria Garcia

Kürzlich berichteten wir über den ersten Unverpackt-Laden in Wülfrath und wir sind noch auf ein weiteres nachhaltiges Startup aus dem kleinen Städtchen aufmerksam geworden.

Die Geschichte klingt wie “vom Tellerwäscher zum Millionär”. Aber der Wülfrather Björn Sperling ist kein Millionär. Sein erstes eigenes Taschendesign hat er allerdings schon als Schüler entwickelt. Da war er 17 Jahre alt und begeisterter Kite-Surfer. Als sein Kite-Drache kaputt ging, überlegte er, was man daraus machen könnte. “Ich dachte, es wäre doch cool eine Tasche daraus zu nähen”, erinnert er sich. Vom Nähen hatte er allerdings keine Ahnung. Er lieh sich die Nähmaschine von seiner Oma und lernte es mit Hilfe von Youtube-Videos.

Foto: Bjösper

Als seine erste Tasche fertig war, fanden seine Freunde sie so cool, dass er noch mehr Taschen nähte. Es folgten Anfragen nach anderen Modellen und Björn Sperlings erste eigene Taschenmarke “Bjösper” war geboren. Die Produktion ging weiter. “Das war irgendwie eine coole Zeit. Andere suchten sich neben dem Studium Jobs und ich produzierte neben dem Studium Taschen”, erzählt er.

Björn Sperling hat schon als Schüler mit dem Austragen von Zeitungen oder Ferienjobs in einem örtlichen Handwerksbetrieb Geld verdient und gespart, um sich einen Traum zu erfüllen. Im Studium war es dann soweit. Vom verdienten Geld konnte er sich seinen lang gehegten Traum verwirklichen. Er kaufte “Arno”, ein damals rund 25 Jahre altes Wohnmobil, mit dem sein “Vanlife” begann. Dank einer Solaranlage auf dem Dach und einem Klapptisch samt Omas Nähmaschine im Gepäck konnte Björn Sperling nun unterwegs an Stränden für die Uni lernen, seinem Hobby Kite-Surfen nachgehen, Taschen nähen und auch direkt an eine wachsende Fangemeinde verkaufen. Mit der Wiederverwertung ausrangierter Drachen von Kite-Surfern verfestigte sich eine Upcycling-Idee.

Die Marke Sperling wird geboren

Dann lernte Björn Sperling seine Freundin Katharina Schmidt kennen, die fortan mit ihm und “Arno” gemeinsam die Welt bereiste. Als Katherina einen neuen Rucksack brauchte, sollte er natürlich aus eigener Produktion kommen, aber die Modelle aus den bisher verwendeten Materialien waren ihr zu bunt. Nachhaltig sollte der Rucksack auch sein.

Auf der Suche nach passenden Materialien, Leder sollte es keinesfalls sein, stießen die beiden auf Kork. Wochenlang saßen die Beiden an der Idee, die über den neuen Rucksack für Katherina hinaus gewachsen war. Die Beiden wollten etwas neues probieren, sich aus der Upcycling-Nische herauswagen und Produkte entwerfen, die eine breite Masse ansprechen. “Wir wollten zeigen, dass nachhaltige Produkte edel und schön sein können”, erinnert sich Björn Sperling. Ein ganzes Geschäftskonzept entstand, eine Produktionsstätte wurde gesucht, ein Anwalt für Markenrecht und eine Buchhaltungssoftware wurden gebraucht. Dafür brauchten die beiden Studenten vor allem eins: Geld. Von Investoren, die Einfluss auf ihre Idee nehmen konnten, wollten die beiden nicht abhängig sein und so verkaufte Björn Sperling das einzige, was er besaß: Arno. “Ich erfahre aber als Erster, wenn das Rentnerehepaar, dass das Wohnmobil gekauft hat, es wieder abgeben möchte”, hat sich Björn offen gehalten, Arno eines Tages zurückzukaufen.

Foto: Sperling

Zeit für’s Vanlife hatten die Studenten fortan kaum noch, sodass der Verlust erst einmal nicht so schmerzlich war. Beide hoffen, dass es noch ein wenig dauert, bis sie vor der Entscheidung stehen Arno zurückzukaufen. Gereist sind sie vor allem zu Messen, um ihre Sperling-bags zu präsentieren. Die edlen Rucksäcke, Taschen und mittlerweile allerhand Accessoires werden aus nachhaltigen Materialien produziert, die für Mensch, Tier und die Umwelt schadlos sind.

Der wichtigste Rohstoff ist natürlicher Kork, der je nach Modell mit Bio-Baumwolle kombiniert wird. Es werden nur Reißverschlüsse und Schnallen aus Metall verwendet. Dazu hat jeder “Sperling” noch eine kleine Besonderheit, eine individuelle Produktnummer, die der Käufer registrieren lassen kann. Bleibt das Produkt irgendwo liegen, kann der Finder den Besitzer über Sperling-Bags über den Fund informieren.

Vom Schaufenster zum Popup-Store

Im Oktober 2019 erhielten Björn und Katherina die Möglichkeit ein leerstehendes Ladenlokal in Mettmann zu nutzen, um die Sperling-bags auszustellen. Das Interesse der Passanten mehr über die Taschen zu erfahren war so groß, dass die beiden, wann immer das möglich war, ihr Büro vorübergehend in den Laden verlegten.

Inzwischen gibt es Sperling-bags nicht nur im Online-Shop, sondern in den unterschiedlichsten Geschäften, in Hamburg, Köln, Weimar, Erfurth und Heilbronn sogar in einem Unverpackt-Laden. Hier bei uns hat der Grünkorn unverpackt Laden in Wülfrath in der Wilhelmstraße Sperling-bags seit kurz vor Weihnachten im Programm.
Ganz neu sind nach Creative-Cases und Schlüsselanhängern mit Code jetzt auch Portemonnaies aus Kork im Sperling-Produkt-Programm. In einem Blog auf der Website www.sperling-bags.com berichten die Gründer regelmäßig über Neuigkeiten.

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