Mobiles Diagnosezentrum für eventuelle Corona-Patienten

Landrat Thomas Hendele (mitte) befindet sich derzeit in Absonderung, er hatte Kontakt zu einer positiv getesteten Person. Foto: Archiv/ Tanja Bamme

Die Sorge um eine Erkrankung durch den Corona-Virus ist in der Bevölkerung groß. Seit gestern Vormittag hat das Kreisgesundheitsamt ein Servicetelefon eingerichtet, um mit eventuell erkrankten Patienten in Kontakt zu treten. Als nächsten Schritt in der Maßnahmenabfolge steht ab heute ein mobiles Diagnosezentrum auf dem Gelände des Evangelischen Krankenhauses in Mettmann zur Verfügung.

Bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz lobte Landrat Thomas Hendele das Zusammenspiel aller Akteure, die zu der Initiierung der zentralen Einheit beigetragen haben. Doch wie sieht der Einsatz der mobilen Einrichtung in der Praxis aus?

„Die erste Anlaufstelle bleibt das Servicetelefon“, erklärt Dr. Rudolf Lange. Der Leiter des Gesundheitsamts Mettmann klärt auf, dass bereits am Telefon erste Differenzierungen durch die Hotline-Mitarbeiter getroffen werden. „Dieses sogenannte Clearing wird durch gezielte Fragen durchgeführt. Dabei wird der Fokus auf die Erkrankungszeichen, aber auch Kontakt mit einer erkrankten Person oder der Rückkehr aus einem Risikogebiet gelegt.“ Treffen diese Anzeichen zu, wird der Fall vom Hotline-Mitarbeiter an das Gesundheitsamt weitergeleitet. Auch an dieser Stelle wird eine mögliche Erkrankung nochmals theoretisch überprüft. „Im Anschluss werden die Patienten durch das Gesundheitsamt telefonisch zu einem Termin in das mobile Diagnosezentrum einbestellt“, so Dr. Lange weiter.

Vor Ort greift die Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz, welches die mobile Einrichtung zur Verfügung stellt, als auch mit dem Personal des Evangelischen Krankenhauses. „Wir nehmen die Patienten in Empfang und führen einen Rachenabstrich durch. Danach dürfen die Patienten wieder gehen“, erklärt Boris Ulitzka den einfachen Ablauf, der unter Schutzkleidung durchgeführt wird. Auch lässt sich das Innere des mobilen Zentrums unkompliziert desinfizieren.

Im besten Fall werden die Patienten noch am selben Tag über eine mögliche Erkrankung informiert. Spätestens erfolgt die Benachrichtigung am Folgetag. Von Panikmache rät Dr. Clemens Stock (Ärztlicher Leiter am EVK) ab: „Mitten in der Nacht anrufen und nach Ergebnissen fragen, macht keinen Sinn.“ Auch weiß Dr. Stock, dass der Krankheitsverlauf in den meisten Fällen leicht verläuft. „Nur in den seltensten Fällen kann eine Erkrankung zu einer Lungenentzündung führen. Meist belaufen sich die Symptome von Entzündungen des Rachentrakts.”

Für Bernd Huckels, Geschäftsführer des EVK war wichtig, dass sich die Diagnoseeinheit nicht in den Räumen des Krankenhauses finden lässt. „Wir müssen die Gesundheit unserer Mitarbeiter, aber auch unserer Patienten gewährleisten“, so Huckels, der einen geeigneten Platz neben dem ehemaligen Krankenhausgebäude links neben dem Haupthaus gefunden hat. Auf dem hinteren Bereich des Parkplatzes konnte das mobile Zentrum, welches leihweise vom DRK Düsseldorf übernommen wurde, stehen.

Auch in Düsseldorf gibt es bereits ein solches mobiles Diagnosezentrum. „Die Resonanz aus der Landeshauptstadt hat gezeigt, dass wesentlich weniger Patienten tatsächlich zu einem Abstrich eingeladen werden“, weiß Dr. Johannes Podlinski. Der Vorsitzende der Kreisstelle der kassenärztlichen Vereinigung ist dankbar über die schnelle Initiierung der mobilen Einrichtung.

Eine Lösung für Menschen, die sich körperlich nicht in der Lage fühlen das neue Diagnosezentrum selbstständig zu erreichen, wurde ebenfalls gefunden. Der Malteser Hilfsdienst hat sich bereit erklärt, diese Patientengruppe anzufahren und den Abstrich vor Ort durchzuführen.

Auch bei einem negativen Abstrich-Ergebnis kann die Notwendigkeit einer weiteren Absonderung (Quarantäne) bestehen. Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts 14 Tage.

Der Ablauf in der Übersicht:

  • Erstkontakt ausschließlich über das Bürgertelefon wahrnehmen (Telefonnummer: 02104/993535)
  • Bei Verdachtsfall, auf Rückruf durch das Kreisgesundheitsamt warten
  • Termin eines Abstrichs wahrnehmen (EVK Mettmann, Gartenstraße)
  • Ergebnis des Abstrichs wird telefonisch mitgeteilt

Weitere Fakten:

In NRW sind derzeit 92 gesicherte Fälle bekannt geworden. Nur zwei Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, alle anderen Fälle konnten in Absonderung verbleiben.

Das Servicetelefon steht wochentags von 8-20 Uhr und am Wochenende von 10-14 Uhr zur Verfügung.

Gerade einmal 48 Stunden nach dem ersten Verdachtsfall auf Kreisgebiet haben zahlreiche Akteure dazu beigetragen, ein mobiles Diagnosezentrum zu installieren
Foto: Tanja Bamme

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