Kunsthandwerk aus aller Welt

Der Markt der Kulturen lockte etliche Besucher am vergangenen Wochenende ins Neanderthal Museum Foto:sk

Drei Tage verwandelte sich das Untergeschoß des Neanderthal Museums an diesem Wochenende in einen „Markt der Kulturen“. Wo bis vor Kurzem die 3D-Ausstellung mit großformatigen Bildern bereits ausgestorbenen und (noch) lebenden Tieren zu lustigen Fotos von sich einlud, konnten Besucher sich nun von Kunsthandwerk aus der ganzen Welt verzaubern lassen.

Sicherlich wird das eine oder andere Stück sich in ein paar Wochen unter einem Weihnachtsbaum im Kreis Mettmann wiederfinden. Viel Aufmerksamkeit erhielten zum Beispiel der Upcycling-Schmuck und ebensolche Taschen aus Dosenclips, Autoreifen oder Verpackungspapier  am Stand von „Luna Viva“. Sie werden in Mexiko gefertigt, um mit  Kunsthandwerk die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und dabei ökologische und  nachhaltige Produkte herzustellen. „Diese Taschen aus Verschlüssen von Getränkedosen werden von der Elternschaft einer Schule in den Slums herstellt. Und auch diese Armreifen“, erfuhren Mutter und Tochter, die sichtlich beeindruckt waren und den Armreifen als „mega“ befanden.

Am Stand daneben konnte man bei „Schöne Beute“ filigrane Armbänder mit Perlen aus der Türkei erstehen, die mit der feinsten Häkelnadel, die es gibt, hergestellt werden. Annette Linzbach zeichnet für deren Design verantwortlich. „Ich habe immer schon die gehäkelten Bordüren um die Kopftücher der Türkinnen bewundert. Da mir die Muster zu konservativ, habe ich für die Armbänder ein moderneres Design entwickelt. Gefertigt werden diese in der Türkei“, so die aus Bielefeld angereiste Händlerin. Zu ihrem Sortiment zählen auch Tee-Gläser, riesige gehämmerte Tablets oder Teelichter mit Lochmustern aus Marokko.

Wunderschön gemaserten Salatschüsseln, Brotschneidebrettern oder kleine Seifenschalen aus Olivenholz samt passender Olivenseife aus dem syrischen Aleppo wurden einen Stand weiter feilgeboten. Auch die Kämme, Haarspangen sowie Eier- oder Schöpflöffel  aus Rinderhorn lockten viele Interessenten an.

Am Stand von Birgit Köhn waren es die Salat- oder Müslischüsseln aus Bambus, welche mit wunderschönen Lackfarben von außen beschichtet sind, die zu vielen Nachfragen führten. „Sie stammen aus Vietnam, aus der Nähe von Hanoi“, so die Inhaberin des in Berlin ansässigen Kunsthandwerkgeschäfts Azizm, das sich auf Importe aus Südostasien spezialisiert hat. „Ich fahre jetzt seit rund zwanzig Jahren regelmäßig dorthin und spreche mittlerweile auch vietnamesisch. Das erleichtert die Verhandlungen“. Ebenfalls im Angebot hat sie gefilzte Eierwärmer in Tierform. Ein Familienvater und seine zwei kleinen Mädchen entdeckten neben Faultieren auch Hühner, Katzen, Mäuse oder Waschbären. „Die Designs geben wir vor. Viele Tiere gibt es ja gar nicht in Vietnam, werden aber bei uns nachgefragt“, so die sympathische aus Berlin angereiste Händlerin.

Auch Annelie Merschmann kommt aus der Hauptstadt, wo sie allerdings nur in der Herbst- und Winterzeit lebt. Ansonsten lebt sie auf Mallorca. „Diese Kette passt hervorragend zu Ihrem Teint und auch zu der Kleidung, die Sie gerade tragen“, bestätigt sie einer Kundin, die sich für eine ihrer Kreationen interessiert. Dann wendet sie sich einer anderen Dame zu, die einen rot-weiß-schwarz gemusterten Schal aus Kaschmir umgelegt hat, und bestätigt ihr, wie gut er ihr steht.

Am Stand von Karma Fair Trade stechen sofort die runden, gefilzten Sitzkissen ins Auge, die in Nepal in einer kleinen Fabrik in Handarbeit hergestellt werden. Diese besucht Edith Malzer regelmäßig. „Ich kenne jeden der Arbeiter vor Ort. Nachdem wir das erste Mal dort waren, heben wir es mit Hilfe zur Selbsthilfe geschafft, die Produktionsbedingungen zu verbessern“, so die engagierte Frau. Inzwischen liefern Solarzellen die Energie, um warmes Wasser zu liefern, mit dem es sich leichter filzen lässt als mit kaltem. Auch Toiletten habe man gebaut ebenso wie eine Abwasseranlage.

Extrem farbenfreudig geht es am Stand der Lokalmatadorin Jessica Wilk zu. Die Sozialpädagogin, die in einer Mettmanner Grundschule arbeitet und unter dem Künstlernamen Dzidzia malt, möchte ihre Heimatstadt „bunter machen“. So sind auf ihrer Stadtansicht die lokalen Sehenswürdigkeiten sehr farbenfroh dargestellt. Die Gruppe von Schafen besteht neben einem weißen und schwarzen auch aus einem roten, gelben und grünen. Gehütet werden sie von einem Schäfer in buntem Harlekin-Kostüm.

Im Erdgeschoss versorgten die Ehrenamtler des Vereins „Du-Ich-Wir“ Besucher und Aussteller mit Waffeln sowie Kaffee und kalten Getränken. „Wir haben heute schon so viele Waffeln verkauft wie an den beiden Tagen davor zusammen“, freut sich Dominik Adolphi, Gründer und Vorsitzender des Vereins, der Nachhilfe für Flüchtlingskinder kümmert, über die Einnahmen, die der Vereinsarbeit zugutekommen. Mit dem Besucherzuspruch konnten Veranstalter und Aussteller an diesem Wochenende auf jeden Fall zufrieden sein.


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