Kunden fühlen sich betrogen

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Symbolbild Betrug: Pixabay, Mohamed_hassan

Online-Kunden eines Erkrather Geschäfts sind sauer, wütend und enttäuscht. Aufgegebene Bestellungen lassen auf sich warten, Geld gab es bisher auch nicht zurück.

Patrick Thüß hat sich an unsere Redaktion gewandt, nachdem er einen Artikel zu einem seltenen Kartenfund bei uns gelesen hatte. Er fühlt sich betrogen. Für 200 Euro hat er per Onlineversand zwei Produkte beim Erkrather Spiel- und Süßwarengeschäft „Kalles Kartenchaos“ auf der Bahnstraße in Erkrath bestellt. Und das bereits im vergangenen Jahr. Was bisher allerdings ausblieb, ist die Ware. Um zu sehen, ob es den Laden überhaupt gibt, kam er von seinem rund 100 Kilometer entfernten Wohnort nach Erkrath gefahren. „Und ich habe mich dort sogar mit dem Eigentümer unterhalten. Alles klang sehr kompetent und seriös“, erinnert sich Thüß, den der Vorgang um die ausbleibende Ware daher umso mehr wundert.

Doch Patrick Thüß ist nicht der einzige Kunde, der auf seine bestellte Ware wartet. In den Sozialen Medien existiert mittlerweile bereits eine eigene Gruppe von Geschädigten. Dort ist auch Simon Jacobs Mitglied. Er hat für 300 Euro fünf Sammelkartenboxen eines beliebten, japanischen Videospiels gekauft. „Laut Internetbeschreibung hat der Laden in Erkrath die Sammelboxen noch zum Originalpreis vertrieben. Das ist eigentlich kaum mehr der Fall, weil die Preise durch die Decke schießen. Das hat mich natürlich gelockt und ich habe bestellt“, berichtet der Geschädigte aus Düren. Auch er kam nach Erkrath gefahren, als der Verkäufer weder auf Mails noch auf Anrufe reagierte. „Vor Ort habe ich dann andere Ware im Gesamtwert meiner bestellten Karten mitgenommen. So bleibe ich zumindest nicht auf meiner Geldforderung sitzen“, berichtet Simon Jacobs, der sich regelmäßig im Netz mit anderen Usern austauscht, die im Online-Shop des Erkrather Geschäfts bestellt haben. „Ich kenne keinen, der bisher die Sammelkarten bekommen hat. Für mich klingt das sehr nach Betrug.“

Dieser Meinung ist auch Alexandra Rohe. Bereits im November hat sie gemeinsam mit ihrem Freund Sammelkarten im Gesamtwert von 800 Euro gekauft. Mal eben nach Erkrath fahren, das kommt für die Koblenzerin nicht in Frage. „Auch ich habe mich zunächst auf den seriösen Internetauftritt des Anbieters verlassen“, erklärt sie. Ihr Kauf wurde noch über das Onlineportal Ebay abgewickelt. Mittlerweile ist der Ebay-Shop des Verkäufers nicht mehr aktiv. „Im Dezember habe ich dann eine Bestellbestätigung bekommen. Was ich gekauft habe, steht schriftlich aber nirgends vermerkt“, verrät Alexandra Rohe, die auch per Mail oder über WhatsApp keine Antwort auf ihre Nachfragen erhält. „Im Netz werden immer mehr Betrugsvorwürfe laut und auch ich bin mittlerweile der Meinung, dass dort ein Betrüger am Werk ist.“ Gerne hätte sie den Kauf über PayPal abgewickelt. Dann wäre ein Käuferschutz in Kraft getreten. „Diese Möglichkeit wurde beim Kauf aber gar nicht aufgeführt. Jetzt habe ich ein Einschreiben mit sofortiger Herausgabe des Geldes auf den Weg gebracht. Ob es etwas bringt, bezweifle ich aber“, ärgert sich die Kundin.

Immer wieder wird in den Gesprächen deutlich, dass unser Artikel vom 31. Oktober 2020 zur vermeintlichen Sicherheit für die Käufer beigetragen hat. Darin berichteten wir von Toje Lehmann, der beim Kauf eines Kartensets ein glückliches Händchen hatte und eine seltene und teure Karte fand. Mittlerweile ist aber auch Toje Lehmann in den Kreis derer gerückt, die sich um ihr per Vorkasse gezahltes Geld, beziehungsweise die nicht gelieferte Ware, geprellt fühlen. „Ich habe für über 600 Euro Karten vorbestellt, die bis heute nicht geliefert wurden“, berichtet der Erkrather, der andere Interessenten warnen möchte. “Ich tausche mich regelmäßig mit anderen Käufern aus. Viele sprechen mich auf den Text an und ich möchte die Chance nutzen, mich auf diese Weise zu Wort zu melden. Auch ich bin nicht mehr von der Seriosität dieses Ladens überzeugt”, so Toje Lehmann.

Wer etwas Zeit investiert, wird im Internet schnell auf zahlreiche, negative Kommentare aufmerksam. Die Google-Bewertungen beispielsweise lassen vermuten, dass der entstanden Schaden weitaus höher ist, als die mehreren hundert Euro, die uns in Gesprächen genannt wurden. Auch kommentieren auf der Bewertungsseite von Google immer wieder Mitarbeiterinnen des Shops aus Erkrath. “Ich bezweifle allerdings, dass es diese Mitarbeiterinnen wirklich gibt”, so Simon Jacobs, der auch bei seinem Besuch in Erkrath diese Frage stellte. “Ich wollte wissen ob dem Inhaber bekannt ist, wie in seinem Namen kommentiert wird. Immerhin sind diese Kommentare nicht gerade freundlich”, gibt er wieder und ergänzt, dass der Inhaber offensichtlich keine dieser Damen kennt. “Das hat mich wirklich verwundert.” Simon Jacobs geht ebenso wie die anderen Kunden davon aus, dass es sich bei den genannten Vorfällen nicht direkt um Handlungen des Inhabers handelt. “Sondern eher um Aktionen seines Sohns”, sind sich die Betroffenen abschließend sicher. Der kümmert sich offensichtlich um den Online-Shop und Versand, während sein Vater im Laden tätig ist. Strafanzeige wurde von einigen Betroffenen bereits gestellt.

Wissenswertes: Auch wir haben bisher nur Kontakt mit dem Sohn des Inhabers gehabt. Obwohl wir vor Veröffentlichung dieses Artikels – mit Hinweis auf das Datum der geplanten Veröffentlichung – mehrfach um eine Stellungnahme gebeten hatten, blieb diese bisher aus. Wenn uns eine Stellungnahme übermittelt wird, werden wir sie selbstverständlich an dieser Stelle ergänzen.

***UPDATE***

Mittlerweile liegt uns auch eine Stellungnahme vom Inhaber Karl Heinz Antosch vor:

“Die Karten, die vorbestellt wurden, sind bisher in ganz Deutschland nicht in großen Mengen erhältlich”, so Karl Heinz Antosch, der ergänzt, dass vom Händler immer nur kleine Mengen verschickt werden. “Wir haben auch Kinder, die seit Wochen auf die Karten warten und regelmäßig fragen. Natürlich wollen wir auch diesen Kunden gerecht werden.” Für den Inhaber liegt das Problem am Händler, der mit den Lieferungen nicht nachkommt. “Boxen, die im November geliefert werden sollten, sind bis heute nicht da. Unser Telefon steht nicht still, wir werden sogar mitten in der Nacht angerufen”, heißt es weiter. Um einen Rückruf zu garantieren, hat Karl Heinz Antosch eine Mailadresse eingerichtet. “Wir garantieren einen Rückruf, wenn man sich vorher unter anruf@kartenchaos.com meldet.”

Mittlerweile hat Karl Heinz Antosch Kartensets aus anderen Serien eingekauft. “Diese habe ich aber teurer eingekauft, als üblich. Sie liegen im Preis über dem vorgeschlagenen Verkaufspreis, weil ich sie auch teurer einkaufen musste.” Um für Käufer- besonders Kinder und Jugendliche- einen Anreiz zu schaffen, hat Antosch noch Sammelkarten dazu gepackt, die es ansonsten nur in Verbindung mit einem Menü eines namhaften Systemgastronomen gibt. Aus der Misere mit den vorbestellten Kartensets hat Karl Heinz Antosch gelernt. “Das wird es in der Form nicht mehr geben. Wenn alle Karten ausgeliefert sind, dann werden wir keine Vorbestellungen mehr machen. Dann kann man die Karten nur noch in Erkrath im Laden kaufen”, erklärt er.

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