Kreissparkasse schließt zwei Filialen in Erkrath

Das Handy als Filiale der Zukunft/ Foto: Tanja Bamme

Es ist der Entwicklung der digitalen Neuzeit geschuldet, dass im Wirkungsbereich der Kreissparkasse Düsseldorf gleich fünf Filialen ihren Beratungsdienst einstellen werden. Für die Stadt Erkrath bedeutet dies genau, dass die Filialen an der Bergstraße, aber auch an der Professor-Sudhoff-Straße geschlossen bleiben.

In einem Pressegespräch verdeutlichte der Sparkassenvorstand um Vorstandsvorsitzenden Christoph Wintgen die Entscheidung. „Seit dem 23. März sind die Filialen bereits auf Grund der Corona-Hygieneanforderungen geschlossen. Wir hätten zu viel Geld investieren müssen, um diese Standorte weiterhin offen zu lassen“, gibt er zu Beginn der Konferenz wieder. Die Corona-Situation ist aber nicht der ausschlaggebende Grund, die Standorte für immer geschlossen zu halten.

Corona war nur Brandbeschleuniger”

Vielmehr ist es die Entwicklung der Digitalisierung, die diesen Prozess in Gang gebracht hat. „Die Corona-Pandemie lässt sich –böse ausgedrückt- lediglich als Brandbeschleuniger bezeichnen“, weiß Vorstandskollege Prof. Dr. Svend Reuse, der die Entscheidung mit Zahlen untermauert. Demnach hat die Sparkasse aktuell 64.000 Girokonten-Kunden. Rund 35.000 Kunden nutzen das Onlinebanking, nochmal 20.000 Nutzer bedienen die Sparkassen-App. „Gerade die App-Nutzung hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren nahezu verdoppelt“, so Prof. Dr. Reuse. „Das Handy ist die Filiale der Zukunft. Jeder 17. Kunde hat noch keine Filiale von innen gesehen“, führt er weiter aus. „Eine Entwicklung, die es vor rund zehn Jahren noch nicht gab.“

Eine geringere Serviceleistung wird es laut Christoph Wintgen aber nicht geben. „Die Beratungen können in den anderen Filialen wahrgenommen werden. Auch eine Onlineberatung oder die Telefonberatung ist möglich. Auf Wunsch kommt der Berater sogar zu den Kunden nach Hause oder ins Büro. Die Telefonberatung fand einen Zuwachs in der Corona-Zeit von rund 1.000 zu heute 1.300 Anrufe täglich.“ Dass mit der Pandemie auch die Mitarbeiterstärke in den Filialen erweitert werden musste, gab er ebenfalls zu bedenken. „Um die Hygienemaßnahmen einzuhalten, benötigen wir sogenannte Floor-Manager, die auf die Abstände achten und Hilfestellungen leisten. Wir haben keinen Mitarbeiter kündigen müssen, alle sind in anderen Filianen eingesetzt worden.”

Bürgermeister und Bürgervereine wurden informiert

Eine klammheimliche Schließung hat es von Seiten der Kreissparkasse Düsseldorf nicht gegeben. „Wir haben uns mit den Bürgermeistern der jeweiligen Städte Mettmann, Wülfrath und Erkrath unterhalten. Auch die Bürgervereine wurden von uns informiert“, erklärt Christoph Wintgen. Dass letztlich die Wirtschaftlichkeit den Änderungsprozess vorangetrieben hat, führte Thomas Döring (Gebietsleiter Mettmann/Erkrath) aus. „Wir müssen betrachten, wie viele Menschen täglich noch in eine Filiale gehen. An der Bergstraße haben wir durchschnittlich noch 54 Kassenposten gezählt. Das Sparbuch hat dabei eine große Rolle gespielt. Geld vom Sparbuch auf ein Girokonto schieben und sich dieses Geld danach auszahlen lassen, das macht zwei Kassenposten aus. Das bedeutet, dass durchschnittlich 27 Kunden täglich in der Filiale an der Bergstraße waren. Alle 15 Minuten ein Kunde. Dafür halten wir vier Mitarbeiter vor. Auch sollte ein Kundenberater am Tag zwischen drei und vier Beratungen durchführen. An der Bergstraße war es noch nicht einmal eine Beratung am Tag“, so Döring. Auch der anhaltende Niedrigzins macht es den Banken nicht leicht, auf ihre Gelder zu kommen. “Wir müssen kostengünstiger unterwegs sein”, so Wintgen ergänzend.

SB-Service bleibt erhalten

Selbstbedienungsautomaten (SB-Stellen) wird es an den Standorten trotzdem weiter geben. Geld ein- und auszahlen wird also auch in Millrath weiter möglich sein. „Der Hochdahler Markt ist 1,4 Kilometer entfernt. Die Entfernungsbetrachtung hat natürlich auch in die Entscheidung mit Einzug gehalten“, so Döring. Dass die Kreissparkasse Düsseldorf neben ihren Serviceangeboten auch weiterhin ein „starker Partner“ für die städtischen Vereinslandschaften sein möchte, gab Christoph Wintgen den Anwesenden mit auf den Weg. „600.000 Euro haben wir allein im letzten Jahr an kommunale Projekte ausgezahlt. Das möchten wir natürlich auch weiterhin anbieten“, so der Vorstandsvorsitzende.

Doch was passiert mit den Immobilien, die durch die Filialschließungen leergezogen werden? „An der Bergstraße besteht noch ein Mietvertrag bis nächstes Jahr, den wir auch bis zum Ende auslaufen lassen werden. Danach ist es Aufgabe des Vermieters, sich Gedanken zu machen. Die Immobilie an der Professor-Sudhoff-Straße gehört uns. Es ist auch in unserem Interesse, den Leerstand zu minimieren. Ein SB-Automat lockt Kunden an, die für eine neue Vermietung interessant sein könnten“, ist sich Prof. Dr. Svend Reuse abschließend sicher.

Wissenswertes: In Wülfrath wird die Filiale Fliethe geschlossen. In Mettmann sind die Filialen an der Eidamshauser Straße und der Florastraße betroffen.

Insgesamt hat die Kreissparkasse Düsseldorf 17 Filialen in Düsseldorf, Erkrath, Heiligenhaus, Mettmann und Wülfrath. Nach den fünf Schließungen und der Umstrukturierung zu SB-Standorten wird es noch elf Beratungsfilialen geben. Weitere Informationen zur Kreisparkasse Düsseldorf lassen sich hier nachlesen.

v.l. Zu der Pressekonferenz in der Filiale am Jubilumsplatz in Mettmann haben Thomas Döring (Gebietsleiter Mettmann/Erkrath), Vorstandsmitglied Prof. Dr. Svend Reuse, Vorstandsvorsitzender Christoph Wintgen und Thomas Meuser (Gebietsleiter Wülfrath/Heiligenhaus) eingeladen/ Foto: TB
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2 Kommentare

  1. Ich stelle mir die Frage ob es sein kann, dass ich als Kunde einer Bank nachlaufen muss um meine Geldgeschäfte zu tätigen. Als Commerzbankkunde hatte ich Glück und es war für mich nicht so erheblich als die Zweigstelle in Erkrath schloss und die in Hochdahl übrig blieb, da ich in Hochdahl wohne. Aber ich denke an die Kunden, vielleicht auch älter, ohne Auto, auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die nun in einen anderen Stadtteil müssen. Inakzeptabel. Zweigstellen schließen, Personal ausdünnen und Minuszinsen von den Kunden nehmen ist Kundenunfreundlich auf höchstem Niveau. Sicherlich wird es in naher Zukunft keine Filialen bei den Banken mehr geben, aber um das zu realisieren bedarf es einer wohl überlegten Planung und das sollte man von sehr gut bezahlten Vorstandspersonal erwarten, dass sie für ihr hohes Gehalt die grauen Gehirnzellen umso mehr bemühen um ein verträgliches, für den Kunden zufrieden-stellendes Ergebnis erzielen.
    Viele Banken sind schon lange von ihrem originären Geschäft entfernt. Bei den Strafen, die die Deutsche Bank bezahlt kann man davon ausgehen, dass sie nicht immer die Rechtswege einhält, die Kreissparkasse dünnt ihre Filialen aus ebenso wie die Commerzbank und die Raiffeisenbank ist schon fast gar nicht mehr vorhanden.
    Ich benutze hier noch mal den stark strapazierten Begriff der Solidarität. Sollte ihre Bank ihren Ansprüchen in Sachen Service nicht mehr gerecht werden, kündigen sie und gehen zu einer anderen Bank. Das geht schnell und problemlos und ist kostenlos. Und wenn das viele machen wird sich die Anzahl an Banken reduzieren und nur die serviceorientierten und leistungsstarken Banken übrig bleiben. Den anderen Banken brauchen sie keine Träne nachzuweinen.
    Als Vorsitzender des Seniorenrats bin ich Ihnen gerne behilflich sie bei Problemen zu unterstützen. Also scheuen sie sich nicht Kontakt zu mir aufzunehmen.

  2. Minuszinsen auf Einlagen, Zweigstellen schließen, Mitarbeiter ausdünnen das ist die Kreissparkasse.
    Kundennähe? Nein, weit entfernt.
    Aber man ist in bester Gesellschaft: Commerzbank verzieht sich, Deutsche Bank wird wohl auch gehen und die Volksbank ist schon lange weg……

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