Kommt die Sonne in Erkrath bald aus der Steckdose?

Symbolbild | Klaus-Uwe Gerhardt / Pixabay

Wenn es nach dem Bündnis geht, das sich Anfang des Jahres überparteilich gebildet hat, soll Erkrath noch viel mehr Strom aus Photovoltaik gewinnen. Gemeinsam mit Bürgern, Organisationen und Unternehmen, wollen sie dieses Ziel erreichen.

In der Kommunalpolitik sind sie längst nicht immer einer Meinung, aber in dieser Sache ziehen alle an einem Strang. Seit Monaten prüfen Sie die Möglichkeiten, führen Gespräche, besuchen Energiegenossenschaften in der Nachbarschaft und überlegen gemeinsam, wie man ‘das Sonnenpotential’ in Erkrath ausschöpft, um die Klimaziele zu erreichen: Alexander Schulze, Dr. Christian Untrieser, Jan Wirtz, Marc Göckeritz und Peter Knitsch.

Dass diese ungewöhnliche Allianz zusammengefunden hat, hat gleich mehrere Gründe. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Frühjahr hat eingeschlagen, wie eine Bombe. Es macht klar, dass deutlich mehr passieren muss im Klimaschutz. Das betrifft am Ende auch jede Kommune und so hat das Bündnis sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam daran zu arbeiten, dass auch in Erkrath die Klimaschutzziele erreicht werden. Gleichzeitig möchten sie, dass der Strom, der in Erkrath verbraucht wird, auch überwiegend in Erkrath produziert wird. Das macht Erkrath unabhängiger. Das ist die dezentrale Energiewende.

“Erkrath hat ein riesiges Potential für die Stromgewinnung aus Photovoltaik, das bisher kaum ausgeschöpft wird”, erklärt Dr. Christian Untrieser. 70 Prozent des gesamten Stroms, der in der Stadt verbraucht wird, könnte – so führt er aus – über Photovoltaik auf den Dächern generiert werden. Davon sei Erkrath allerdings noch sehr weit entfernt. Vor zwei Jahren waren es gerade einmal 2,7 Prozent. Peter Knitsch hat recherchiert, dass es im Jahr 2011 gerade einmal 193 Photovoltaikanlagen auf Erkrather Dächern gab. Aktuell sind es 434 Anlagen.”Bis 2025 oder 2030 sollten wir 50 bis 70 Prozent erreicht haben. Mit der derzeitigen Wachstumsgeschwindigkeit ist das aber nicht zu erreichen”, führt er aus.

In den Ausbau der Photovoltaik soll Schwung kommen

Die Frage, wie man den Ausbau der Photovoltaik beschleunigen kann, hat die Fünf an einen Tisch geführt. Klar war, dass es nur funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen. Mit alle war im ersten Schritt die Zusammenarbeit des Bündnisses gemeint, um zu eruieren, welchen Möglichkeiten bestehen. Im zweiten Schritt ist die Zusammenarbeit von Bürgern, Organisationen, Unternehmen, Stadtwerken und Verwaltung angedacht. Aber wie? Eine Energiegenossenschaft, wie sie in anderen Städten, etwa Wuppertal oder Solingen entstanden sind?

“Wir haben uns mit den Initiatoren in anderen Städten ausgetauscht, haben Gespräche mit der EnergieAgentur.NRW geführt und uns die verschiedenen Möglichkeiten angeschaut. Eine Genossenschaft zu gründen dauert und verursacht mehrere Tausend Euro kosten”, berichtet Marc Göckeritz. Bei den Gesprächen hätten die benachbarten Energiegenossenschaften aber Hilfe angeboten und auch die Möglichkeit aufgezeigt, vielleicht erst einmal einen Verein oder eine GbR zu gründen und mit den Genossenschaften zusammenzuarbeiten, um schnell starten zu können. Auch bei einer solchen Kooperation besteht die Möglichkeit später, wenn sich in Erkrath eine eigene Energiegenossenschaft gegründet hat, die Anlage zum Zeitwert zu überführen. “Zur Zeit prüfen wir noch alle Möglichkeiten”, schließt er.

“Wir brauchen ein Pilotprojekt, um Schwung in den Ausbau zu bringen”, ist sich Alexander Schulze sicher. In der kommenden Zeit wollen die fünf weitere Gespräche führen, auch mit Kirchen oder den Stadtwerken. Vielleicht könnte ein solche Pilotprojekt auch auf einem öffentlichen Gebäude der Stadt entstehen. Ein Dachflächenkataster der städtischen Gebäude wurde in einem Ausschuss bereits angestoßen. Auch Freiflächen entlang der Autobahn könnten geprüft werden.

Infoveranstaltung Ende August

Bis Ende August möchten die Initiatoren alle Möglichkeiten zusammentragen und dann interessierten Bürgern präsentieren, um gemeinsam zu überlegen, wie der schnelle Ausbau der Photovoltaik für alle und mit allen funktionieren kann. Interessierte Mitstreiter können sich aber schon jetzt einbringen. Auch ein Name für einen künftigen Verein oder eine Genossenschaft, mit dem sich alle identifizieren können, wird noch gesucht. Ansprechpartner sind Dr. Christian Untrieser (Email: christian.untrieser@gmx.de) und Peter Knitsch (Email: peter.knitsch@t-online.de).


Bürgerbeteiligungen

Während hier in Deutschland die Bürgerbeteiligung am Ausbau der Photovoltaik überwiegend über Energiegenossenschaften realisiert wird, schreitet der Ausbau mit Bürgerbeteiligung in Frankreich offensichtlich im großen Umfang auf andere Weise voran. 82 Solarparks wurden dort bereits mit Bürgerbeteiligung realisiert. Was in Frankreich in großem Umfang passiert, sollte sich doch in einer Stadt wie Erkrath auch in kleinerem Umfang mit einer Genossenschaft oder einem Verein realisieren lassen. Neben dem gemeinsam finanzierten großen Ausbau, gibt es inzwischen viele kleine Lösungen, die privat umgesetzt werden können. Die Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach, der Carport mit Photovoltaikdach oder Module für den Balkon. Vieles ist möglich.

Ein nicht zu verachtendes Potential für Photovoltaik-Anlagen bieten Parkplätze, ob Firmenparkplätze oder Kundenparkplätze bei Discountern. In den letzten Jahren sind bereits eine Vielzahl solcher Schatten spendenden und Strom produzierenden Lösungen geschaffen worden. Bereits vor 11 Jahren hat ein Edeka Markt in Bayern vorgemacht, wie es geht.

In einem heißen Sommer einkaufen, während das E-Auto im Schatten parkt und tankt? Aus Kundensicht ein reizvoller Gedanke und fürs Klima wäre es auch ein guter Beitrag. Lassen wir uns überraschen, was in Erkrath in Sachen dezentraler, sauberer Energiegewinnung in der kommenden Zeit passiert.

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