Kirchen öffnen unter Auflagenpflicht

Pfarrer Volker Horlitz schließt die Neanderkirche zwar nur symbolisch auf, seine Vorfreude auf die bevorstehenden Gottesdienste ist aber echt. Ebenso freut sich Gemeindereferentin Heidi Bauer auf ein bisschen Rückkehr zum "normalen" Kirchenalltag Foto: Tanja Bamme

Gottesdienste im Autokino, Predigten im Livestream, Telefonkonferenzen unter Konfirmanden. So sah der Erkrather Kirchenalltag seit dem Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie aus. An Pfingsten möchten die Erkrather Kirchengemeinden wieder ein Stück zurück zur Normalität finden und ihre Gotteshäuser für Gottesdienste und Messen öffnen.

In St. Johannes der Täufer passen 58 Personen

Einfach wieder die Kirche nach Herzenslust besuchen, das ist allerdings noch immer nicht möglich. Jede Gemeinde hat ihr ganz eigenes Hygienekonzept geschrieben, um die Gemeindemitglieder zu schützen. Prägnanteste Gemeinsamkeit ist das allgemeine Singverbot (Warum, das erklären wir im letzten Abschnitt). „Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es ist, eine Messe ohne Gesang abzuhalten“, so Pfarrer Günter Ernst von der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer in Alt Erkrath. 58 Personen finden zu Messen maximal Platz im gesamten Kirchenschiff. Eine Anmeldung ist in der zentral gelegenen Kirche zwar nicht nötig, dafür müssen Kontaktdaten (Name, Anschrift, Telefonnummer) auf einem Zettel hinterlegt werden. „Die Listen werden drei Wochen aufbewahrt und dann vernichtet“, erklärt Pfarrer Ernst. Die Sitzbänke sind markiert, ein Willkommensteam wird die Kirchenbesucher an die ausgewiesenen Plätze leiten. Auch auf die Kollekte muss verzichtet werden, dafür stehen an den Ausgängen Spendenkörne bereit. Und noch eine einschneidende Änderung muss auf Grund der Corona-Pandemie in Kauf genommen werden: Die Verteilung der Kommunion findet an den Plätzen statt und kann nicht wie sonst am Altar entgegengenommen werden. Beim Verteilen werden die Kommunionhelfer sowie der Pfarrer Mundschutz und Handschuhe tragen. „Die Gottesdienste werden eine andere Prägung haben, als wir sie kennen“, ist sich Pfarrer Günter Ernst sicher, der zudem nicht von einer starken Nachfrage an Kirchenbesuchern ausgeht. „Ich schätze, dass die Menschen erst noch vorsichtig sein werden. Und neue Leute sprechen wir mit dieser Art sicher gar nicht erst an.“

Eine Anmeldung ist in Hochdahl Pflicht

Bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Hochdahl ist eine vorherige Anmeldung zur Gottesdienstteilnahme notwendig. Diese kann entweder über die Internetseite der Gemeinde, oder telefonisch (0157-35351593) erfolgen. Sorge, dass die Maßnahme abschreckend auf Kirchenbesucher wirken könnte, hat Gemeindepfarrer Volker Horlitz nicht. „Das hat auch bei dem Autogottesdienst bisher gut funktioniert.“ Da die Neanderkirche demnächst für sechs Wochen umgebaut wird (es wird eine neue Lichtanlage installiert), aber auch weil der Kirchenraum zu beengt ist, weicht die Gemeinde in den kommenden Wochen auf das Paul-Schneider-Haus aus. Dort passen 38 Haushalte (maximal 80 Personen) hinein. „Wir haben dort eine sehr günstige Bestuhlung“, so Pfarrer Horlitz, der bei schönem Wetter auf die Außenanlage des Gemeindehauses Sandheide ausweichen möchte. „Der Platz ist für einen Open Air- Gottesdienst groß genug.“ Auch in der Hochdahler Gemeinde ist das Ausfüllen einer Teilnehmerliste Pflicht, die Daten werden nach 30 Tagen vernichtet. Auf die Feier des Abendmahls wird aus hygienischen Gründen komplett verzichtet.

194 anstatt 800 Gemeindemitglieder können in Hochdahl feiern

In der Katholischen Kirchengemeinde Franziskus von Assisi in Hochdahl können ebenfalls nur begrenzte Personenzahlen Platz in den Kirchen finden. In St. Franziskus stehen 28 Plätze, in Hlg. Geist 46 Plätze zur Verfügung. Die Antoniuskapelle bleibt vorerst geschlossen. „An den Wochenenden hatten wir zwischen 700 und 800 Gottesdienstbesucher, jetzt haben wir maximal Platz für 194 Personen“, fasst Gemeindereferentin Heidi Bauer zusammen. Daher ist eine vorherige Onlineanmeldung für diese Messen vorerst unumgänglich. Die Messen unter der Woche wiederum sollen zunächst ohne eine solche Anmeldung auskommen. Wie in den anderen Gemeinden, ist die Eintragung in eine Teilnahmeliste Pflicht. Auch werden die Kirchenbesucher zu den ausgewiesenen Plätzen geführt. Toiletten sind in der Kirche geschlossen, auch liegen weder Gebets- oder Gesangsbücher aus. Das Weihwasserbecken muss leer bleiben. „Die Meinungen unserer Gemeindemitglieder sind unterschiedlich. Manche freuen sich auf die Messen, andere werden vorerst noch nicht daran teilnehmen. Andere stecken zurück, um Personen die dringend in die Kirche möchten, den Gang zu ermöglichen“, so Heidi Bauer.

Anmeldung können wir personell nicht stemmen

Eine viertel Stunde vor Beginn des Gottesdienstes werden die Pforten der Evangelische Kirchengemeinde Alt Erkrath ihre Pforten für Besucher öffnen. „Wir können eine vorherige Anmeldung personell nicht stemmen“, verrät Pfarrerin und Vorsitzende des Presbyteriums, Gisela Kuhn. Sollte sich eine starke Besucherresonanz abzeichnen, wovon die Pfarrerin derzeit noch nicht ausgeht, sollen Alternativgottesdienste angeboten werden. „Die Kirche ist bei uns eine Einbahnstraße, man geht an einer Seite rein und an der anderen Seite raus“, erklärt Gisela Kuhn den Ablauf. Sorgen macht sie sich vor einer völlig veränderten Atmosphäre. „Nicht singen zu dürfen das bedeutet, dass ganz wichtige Elemente des Gottesdienstes wegfallen.“ Und ob Kirche nach Corona noch das Gleiche sein wird, dessen sind sich alle Geistlichen ebenfalls nicht sicher. „Uns alle beschäftigt der Gedanke, wie es in Zukunft weitergehen wird. Werden wir viel von der digitalen Arbeitsweise beibehalten, wird es zum Rückgang von Gottesdiensten kommen. Das ist alles noch nicht absehbar”, so Pfarrerin Kuhn. Und auch Heide Bauer ist sich sicher, dass Kirche von Gemeinschaftsaktionen lebt. „Besonders die Kinder- und Jugendarbeit leider unter der aktuellen Situation. Wir hoffen sehr, dass wir nach der Pandemie wieder an dem Vorherigen anknüpfen können.“

Erstkommunion und Konfirmation

Während in Alt Erkrath kleine Gruppen von jeweils acht Familien vor den Sommerferien die Erstkommunionsfeier begehen werden, warten die Hochdahler noch ab. Die Evangelische Gemeinde in Alt Erkrath wird Ende August und Anfang September zwei Konfirmationstermine veranstalten. Auch in Hochdahl wird nach den Sommerferien Konfirmation gefeiert.

Taufe und Hochzeiten:

Sowohl Taufen, als auch Hochzeiten können wieder in den Kirchen stattfinden. Die aktuellen Hygienekonzepte sowie die maximale Personenkapazität darf nicht überschritten werden. Eltern obliegt es selbst, ob ein Pfarrer oder sie selbst ihre Kinder taufen. Zudem besteht für diese Veranstaltungen die Möglichkeit, diese bei schönem Wetter unter freiem Himmel zu initiieren.

Wissenswertes: Warum darf nicht gesungen werden? Beim Singen werden vermehrt Aerosolen ausgestoßen, die zur Verbreitung des Virus führen können. Zudem gilt in jeder Kirche Maskenpflicht, bis sich die Besucher auf den Plätzen befinden.

Alle Gemeinden starten am Pfingstsonntag zu den regulären Gottesdienst- und Messzeiten. In der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer findet bereits heute eine Messfeier statt, in der Katholischen Gemeinde Hochdahl findet am Dienstag eine Messe statt.

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