Kindertagespflege in Corona-Zeiten

Symbolbild - Foto: RitaE / Pixabay

15 Uhr. Abholzeit in der Hasenstube. Geduldig warten die Eltern vor der Tür der Großtagespflege an der Kreuzstraße, bis dass ihre Jüngsten fertig angezogen zu ihnen dürfen.

Dieses Ritual ist der aktuellen Corona-Pandemie geschuldet, für Eltern herrscht Betretungsverbot in der hellen und freundlichen Einrichtung. „Morgens läuft das Ritual in umgekehrter Form ab“, verrät Tagesmutter Adriane Weitzel. Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie 2018 die Großtagespflege „Hasenstube“ eröffnet, seitdem können dort neun Kinder betreut werden. Aktuell ist dies auch wieder der Fall, die vergangenen Wochen sahen jedoch anders aus. Auf Grund der Pandemie musste die Einrichtung erst völlig schließen.

Tina Risse und Tocher Mila
Foto: TB

„Nach zwei Wochen habe ich als erste Tagespflege wieder für Notbetreuung öffnen dürfen“, erinnert sich Adriane Weitzel, die zunächst nur ein Kind, später drei Kinder in der Corona- Notbetreuung hatte. Tina Risse hat diese Betreuung dringend für ihre Tochter Mila (2) benötigt. „Wir haben noch eine siebenjährige Tochter, die zuhause unterrichtet werden musste. Zudem sind mein Mann und ich Steuerberater, wir mussten die ganze Zeit durcharbeiten.“ Da diese Berufsgruppe zu den systemrelevanten Berufen zählt, stand Familie Risse die Notbetreuung zu. Ein wahrer Segen, wie die junge Mutter auch noch Wochen später berichtet. „Viele Bekannte hatten dieses Glück nicht, mussten zuhause bleiben und konnten nicht arbeiten gehen. Das war zum Teil existenzbedrohend.“ Sorge vor einer Ansteckung durch die Kinder hatte die junge Familie nicht. „Die Erleichterung der Betreuungsmöglichkeit hat klar überwogen.“ Und auch heute, nachdem wieder alle Kinder betreut werden, ist die Angst vor einer Ansteckung minimal. „Das machen wir auch an Adriane Weitzel aus, von der wir wissen, dass sie die Hygienevorgaben sehr ernst nimmt“, ist sich Tina Risse sicher.

Adriane Weitzel
Foto: TB

Und während sich die Tagesmutter liebevoll um die Kinder anderer Familien kümmert, sitzen ihre eigenen Sprösslinge am heimischen Schreibtisch und büffeln für die Schule. „Das ist auch heute noch nicht einfach“, verrät Adriane Weitzel, die zwischen Familienaufgaben und Tagesbetreuung hin- und hergerissen ist. Denn ihre Kinder (12 und 14 Jahre alt) gehen nur stundenweise zur Schule, besuchen das Gymnasium Hochdahl. „Der Austausch mit der Schule funktioniert zwar reibungslos, aber auch dort hat die Normalität noch nicht wieder Einzug gehalten. Da haben es die Kleinkinder aktuell besser.“

Anke Nordick
Foto: TB

Anke Nordick, Sprecherin der Tagesmütter und –väter in Erkrath, hat eigentlich vier Kinder in der Betreuung. Auch für sie war der Lockdown erst einmal ein großer Schock. „Damit hätte ich selbst zwei Tage zuvor nicht gerechnet.“ Erst seit dem 14. Mai hat sie ihre Betreuung wieder geöffnet. Da sich drei Kinder in der Eingewöhnungszeit befinden, ist es aktuell lediglich ein Junge, der regelmäßig zu ihr kommt. „Ich habe keine systemrelevanten Eltern, daher habe ich so lange keine Betreuung angeboten“, verrät Anke Nordick, die gleich noch ein weiteres Problem erkennt. „Uns fehlen die Anmeldungen für das kommende Jahr. Es sind in Erkrath sicher noch rund 50 Tagespflegeplätze frei, das ist für manche Einrichtungen wirklich bedrohlich.“ Nachvollziehen kann die Tagesmutter diesen Zustand nicht. „Vielleicht liegt es an der Pandemie und die Eltern haben Sorge, dass wir noch keine klaren Antworten liefern können. Aber bei uns läuft alles wieder normal. Wir können unsere Einrichtungen sogar für Interessierte öffnen, wenn diese uns mit Mundschutz und unter den Vorgaben der Hygienerichtlinien besuchen.“

Wie gut das Miteinander zwischen den Tagespflegeeinrichtungen funktioniert, hat die vergangene Pandemie-Zeit verdeutlicht. „Wir bilden ein starkes Netzwerk und haben uns stets ausgetauscht, manche Informationen sogar vor dem Jugendamt erhalten“, erinnert sich Anke Nordick, die ihre Kollegen stets auf dem Laufenden gehalten hat. Dieses Miteinander soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werden, denn Anke Nordick plant gemeinsam mit weiteren Einrichtungen ein Vertretungskonzept. Das soll die Betreuung der Kinder auch in Krankheits- und Urlaubsfällen sichern.


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