Kein Wille zur Verkehrswende erkennbar

ADFC

Symbolbild - Foto: volkan ugur / Pixabay

Der in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur durchgeführte bundesweite ADFC-Fahrradklima-Test, der den Zufriedenheits-Index der Radfahrenden in Deutschland widerspiegelt, brachte für die Städte im Kreis Mettmann das folgende Ergebnis:

Vergleich zu 2018
Langenfeld 3,7 23 von 110 leichte Verbesserung (+) 50.000-100.000
Monheim 3,4 26 von 415 starke Verbesserung (++) 20.000-50.000
Velbert 4,6 106 von 110 relative Konstanz (o) 50.000-100.000
Hilden 4,0 53 von 110 leichte Verschlechterung (-) 50.000-100.000
Erkrath 4,4 379 von 415 relative Konstanz (o) 20.000-50.000
Ratingen 4,3 96 von 110 relative Konstanz (o) 50.000-100.000
Mettmann 4,3 370 von 415 leichte Verbesserung (+) 20.000-50.000
Haan 4,5 397 von 415 leichte Verbesserung (+) 20.000-50.000
Heiligenhaus 3,7 128 von 415 relative Konstanz (o) 20.000-50.000
Wülfrath k.A. k.A. k.A. k.A.

Der ADFC im neanderland kommentiert dieses Ergebnis wie folgt:
Fahrradklimatest 2020 Stadt Gesamtbewertung Rangplatz
(Stadtgrößen/-klasse)

„Das Ergebnis spiegelt die immer noch traurige Realität in unseren Städten wider, dass sich pro Radverkehr nichts bis wenig getan hat. Während das Fahrradfahren immer beliebter wird, hinkt die Infrastruktur den Bedürfnissen der Radfahrenden weiterhin hinterher“, so Bernd Zielke, 1. Vorsitzender des ADFC Kreisverband Mettmann.

Nach den im Schulnotensystem abgegebenen Bewertungen stagnieren Velbert (Note 4,6), Erkrath (4,4) und Ratingen (4,3) nahezu unverändert auf schlechtem Niveau und Heiligenhaus (3,7) auf mäßigen Niveau. Hilden (4,0) hat sich im Vergleich zu 2018 sogar noch leicht verschlechtert. „Die Ergebnisse der Befragung decken sich auch mit unseren Eindrücken“, so Peter Martin, Sprecher des ADFC Arbeitsgruppe Verkehrspolitik im Kreisverband Mettmann. „In Velbert kommt man mit dem Rad nicht sicher und komfortabel ins Zentrum. In Erkrath sind Radwege über die Jahre zugewachsen, so dass sie von Radfahrenden vor der Benutzung ausgegraben werden müssen. Die maroden Radwege von und nach Ratingen haben bereits traurige Berühmtheit erlangt. Und die Zeiten, in denen Hilden Vorreiter in Sachen Radverkehr war, sind lange vorbei.“

Immerhin leichte Verbesserung in der Wahrnehmung der Radfahrenden ergaben sich für Haan (4,5), Mettmann (4,3) und Langenfeld (3,7). Gerade in Mettmann und Langenfeld hat der ADFC sehr aktive Ortsgruppen. Beide Städte bemühen sich und haben mit einem Radverkehrskonzept angefangen. Dies wird vermutlich honoriert. So wie auch die Absichtserklärung in Haan, an der B228 einen Radfahrstreifen einzurichten. Allerdings bleibt Haan mit Platz 397 von 415 in seiner
Stadtgrößenklasse ganz weit hinten. Als einzige Stadt stark verbessert hat sich Monheim. Dies wundert nicht, denn hier sind auch konkrete Ergebnisse zu sehen. So baut die Stadt z.B. ihren Abschnitt des Radschnellweges nach Düsseldorf und hat ein Fahrradverleihsystem in Angriff genommen.

Die Aspekte, die über alle Städte hinweg auffallend schlecht benotet wurden, sind:
• Führung an Baustellen
• Breite der Radwege
• fahrradfreundliche Ampelschaltungen
• Falschparkkontrollen auf Radwegen
• Stellenwert des Radverkehrs.

Bezeichnend für die Gesamtsituation im Kreis sind auch die Rückmeldungen zu den Corona-Fragen, die für alle Städte dasselbe erschreckende Ergebnis lieferten: Während laut der Befragten die Bedeutung des Radverkehrs gestiegen sei, habe die Politik die Bedeutung weiter verkannt und es versäumt, handfeste Signale für den Radverkehr zu setzen, etwa durch Umverteilung von Platz zugunsten von Fußgängern und Radfahrenden mit der Errichtung von Popup-Bike Lanes oder anderen Maßnahmen.

Auch bei den überörtlichen Themen, sieht es nicht besser aus, wie das Trauerspiel um die L239 zeigt: Keine drei Tage nach der Ankündigung des Landesverkehrsministers, Nordrhein-Westfalen zum Fahrradland Nummer 1 machen zu wollen, teilte dieser mit, dass der Neubau der L239 zwischen Ratingen und Mettmann ohne einen Radweg erfolgen soll. Unter dem Strich stellt der ADFC im neanderland fest, dass der Politik und Verwaltung im Kreis bislang der Mut und der Wille zu einer echten Verkehrswende
fehlen. Keine Vision, keine Aufbruchstimmung.

Mit dem „Radverkehrskonzeptes des Kreises Mettmann“, das gerade erarbeitet wird, gäbe es jetzt die Möglichkeit, ein neues Zeitalter nachhaltiger und sozialer Mobilität einzuläuten. Lebensqualität statt Autofixierung. Bedauerlicherweise zeigt sich der Kreis nach aktuellem Diskussionsstand in seiner Zielsetzung nicht sehr ambitioniert und will den angestrebten Radverkehrsanteil von 25% erst irgendwann im Zeitraum
2030/2035 erreichen. Dies hinkt den Erfordernissen der Verkehrswende und der steigenden Nachfrage völlig hinterher. Auch scheinen die Anforderungen und Bedürfnisse des Radverkehrs noch immer nicht so recht verinnerlicht worden zu sein. So sollen innerörtliche Zweirichtungsradwege zum Standard gehören, welche aus Sicht des ADFC allenfalls in Ausnahmefällen tolerierbar wären.

Auch außerorts sind sie für den ADFC nur dann akzeptabel, wenn zu Beginn und Ende jeweils komfortable und sichere Querungsmöglichkeiten bestehen. Des Weiteren strebt der ADFC im neanderland grundsätzlich die Trennung von Fuß- und Radverkehr an. Gemeinsame Fuß-/ Radwege darf es nur dort geben, wo praktisch kein Fußverkehr stattfindet. Der ADFC im neanderland fordert den Kreis und die kreisangehörigen Städte auf, endlich Ernst zu machen mit der Radverkehrsförderung. „Denn“, so schließt Peter
Martin seine Ausführungen, „die Verkehrswende ist ein wichtiger Baustein für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und nachhaltigen Kreis Mettmann.“

Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit über 200.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland. Der ADFC im neanderland vertritt den ADFC im Kreis Mettmann. Die AG Verkehrspolitik ist sein verkehrspolitisches Standbein. Die detaillierten Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 finden Sie unter www.fahrradklima-test.adfc.de.

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