Kalksteinbruch Neandertal: Ideen in der Warteschleife

Willi Schaefer (r.) freut sich, auch in Bernd Herrmann, unabhängiger Kandidat für den Bundestag, einen Unterstützer zu haben. Foto: Ria Garcia

Am vergangenen Freitag informierte sich Bernd Herrmann, unabhängiger Kandidat für den Bundestag, bei Willi Schaefer darüber, wie der Stand für eine mögliche Nachnutzung von Teilen des Kalksteinbruch Areals ist.

Bernd Herrmann und Willi Schaefer kennen sich schon lange, duzen sich. Was die sanfte touristische Nachnutzung des Kalksteinbruchs betrifft, sind sie ’nah beieinander‘, wie Bernd Herrmann erzählte. Er erinnert sich gerne noch an Aktionen, wie die Simulation eines Turmes an der Fundstelle, bei der Dachdecker Grau mit einem Kran unterstützte und Willi Schaefer sich als Neandertaler verkleidete. So haben die Beiden dann zum ‚Du‘ gefunden.

„Gern würde ich jetzt hier auch mit Landrat Thomas Hendele stehen und mit ihm über Ideen zur Nachnutzung in Präsenz vor Ort sprechen“, sagt Willi Schaefer. Alle Bemühungen einen solchen Termin zu vereinbaren, seien aber bisher gescheitert und dass, obwohl der Kalksteinbruch bereits 2010 im Masterplan für ein Kulturerbe der Eiszeit ‚NaturKulTour Neandertal‚ eine große Rolle spielte. Inzwischen geht es längst nicht mehr um das gesamte Areal. 9,5 Hektar, die seit über hundert Jahren in industrieller Nutzung sind, sollen – wenn es nach Willi Schaefer und vielen Menschen im Kreis geht – in eine sanfte touristische Nachnutzung transformiert werden.

Vor etwas mehr als einem Jahr nahmen wir bereits an einer Wanderung durch den Kalksteinbruch Neandertal teil, zu der die damalige Bürgermeisterkandidatin Sandra Pietschmann eingeladen hatte. Sie, die inzwischen Mettmanns Bürgermeisterin ist, nannte die sanfte Nachnutzung von Teilen des Kalksteinbruchs ‚einen Brückenschlag zwischen Mettmann und Erkrath‘. Was hat sich seit dem getan? Am 31. Dezember 2021 endet die Abbaugenehmigung, genau ein Jahr später endet der Termin für den Rückbau der Gebäude und Anlagen.

Bernd Herrmann gehört zu den Befürwortern der sanften touristischen Nachnutzung. Auch Sina Eich, Betreiberin der Minigolfanlage im Neandertal, begrüßt die Idee. Sie erlebt jeden Sonntag den ‚ganz normalen Fahr- und Parkwahnsinn‘ im Neandertal. „Ich wundere mich wirklich, dass da noch nicht mehr passiert ist. Zwischen Schwarzwaldhaus und Museum müsste eine 30er-Zone eingerichtet werden, die mehr Sicherheit für die Spaziergänger, darunter viele Familien mit Kindern, bietet“, wünscht sie sich eine Änderung der Situation. Schon lange sind die Parkplätze im Tal für den wachsenden Besucherstrom zu knapp bemessen. „Als Reisebusunternehmer stell ich mir die Frage: Wo parke ich meinen Bus“, weiß auch Bernd Herrmann, dass die Parksituation an einem der beliebtesten Ausflugsziele des Kreises unzureichend ist. Zu den Ideen für die sanfte touristische Nachnutzung des Kalksteinbruchs gehört auch ein Parkplatz, der das Tal entlasten könnte.

Kalksteinbruch Neandertal. Die blaue Lagune lockt immer wieder heimliche Be Foto: © RG

Ende 2022 würde das Eintreten, was Willi Schaefer vor einigen Jahren mit ‚Zaun drum und Schluss‘ bezeichnete. „Eingezäunt ist das Gelände längst mit einem zwei Meter hohen Zaun. Der ist für viele dennoch kein Hindernis“, berichtete Willi Schaefer. Immer wieder würden Erlebnishungrige den Zaun durchschneiden und sich Zugang verschaffen. Auch Stacheldraht habe sie nicht abhalten können. An Plätzen, von denen man einen guten Blick über die ‚Blaue Lagune‘ hat, sammelt er regelmäßig Flaschen, Kronkorken und anderen Müll ein. Damit hat auch Bernd Herrmann Erfahrung. Seit mehr als 20 Jahren beteiligt er sich am ‚Dreck-weg-Tag‘. Der Bundestagskandidat und Reisebusunternehmer kommt viel herum. Gerade zuletzt war er wieder mit einer Reisegruppe in Bad Wörishofen. „Da ist es längst nicht so vermüllt, wie hier bei uns“, weiß er. Auch an andern Orten, die er mit Reisegruppen besucht, sei das nicht so wie hier im Kreis Mettmann. Vom Kreis, der die Tourismusmarke Neanderland geprägt hat, würde er sich mehr Engagement an den richtigen Stellen wünschen. „Von den Neanderland Quikies fühle ich mich diskriminiert“, verriet er im Gespräch über die aktuelle Aktion des Kreises, die sich lediglich an Paare für eine Übernachtung im Doppelzimmer richte.

Fehlende Politische Entscheidung

Für eine sanfte touristische Nachnutzung des Kalksteinbruchs sind indes politische Entscheidungen erforderlich. Eigentlich sieht der Regionalplan eine solche Nutzung nicht vor. Möglich wäre sie, wenn nicht mehr als zehn Prozent der Gesamtfläche einer anderen Nutzung zugeführt werden. Die 9,5 Hektar erfüllen diese Anforderung in Bezug auf die Gesamtfläche. Damit die Bezirksregierung ein solches Vorhaben genehmigt, muss vor allem erst einmal die Stadt aktiv werden. Auch der Kreis muss entsprechenden Plänen zustimmen. „Unter dem letzten Bürgermeister ist da in der Stadt Mettmann nichts passiert“, erklärte Willi Schaefer. Das sei nun anders. „Sie steht voll hinter dem Projekt und möchte den Steinbruch für Bürger erlebbar machen. Das ist für sie ein Herzenswunsch“, freut er sich endlich auch Unterstützung aus der Mettmanner Verwaltung zu erfahren. Aber auch der Kreis müsse als nächsthöhere Ebene letztendlich zustimmen. Aber da hat es in der Vergangenheit immer wieder gehakt. Statt mit Willi Schaefer das Gespräch zu suchen, erreichten ihn mehrmals Ordnungsverfügungen zum Steinbruch, die ihn zwangen einen Fachanwalt einzuschalten. „Vielleicht möchte sich der Landrat auch deshalb nicht mit mir hier im Steinbruch“, mutmaßt Willi Schaefer. Er bedauert das, denn gemeinsam könne man hier auch für den Tourismus im Neanderland etwas erreichen.

Ideen gab und gibt es für die Nachnutzung viele. Eine ökologischen Bildungsstätte, eine Jugendherberge, ein Wanderweg um ‚die blaue Lagune‘ (den See des Steinbruchs), Naturbeobachtungspunkten, ein Tagungshotel, um nur ein paar zu nennen. Immer dabei: Parkplätze zur Entlastung des Tals. Über die aktuellen Pläne, für die es auch schon interessierte Investoren gäbe, kann Willi Schaefer aufgrund des Planungsstands noch nicht viel verraten. Aber er ist optimistisch, weil er nun auch die Stadt Mettmann hinter sich weiß. Und vielleicht können Bürger künftig über die geplanten Naturbeobachtungspunkte auch einmal den Uhu im Steinbruch beobachten. Die Population wächst. „Jedes Jahr gibt es zwei oder drei Junge“, weiß Willi Schaefer, der in seiner Freizeit oft auf einer Bank über der ‚blauen Lagune‘ sitzt und die Natur beobachtet.

„Beispiele für erfolgreiche Transformationsprojekte gibt es ja, wie das Eden Project in Cornwall zeigt, dass auf dem Gelände einer ehemaligen Kaolingrube entstand“, ist Bernd Herrmann überzeugt, dass ein erlebbarer Kalksteinbruch für den Kreis touristisch ein Zugewinn sei. Die Verlängerung der S28 nach Wuppertal geben darüber hinaus noch mehr Menschen die Möglichkeit auch ohne PKW anzureisen. „Meine Unterstützung hast Du auf jeden Fall“, verabschiedet er sich am Freitag von Willi Schaefer.

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