“Ich möchte als Hospiz streitbar bleiben”

Michaela Noll trifft zum ersten Mal die neue Hospizleiterin Silke Kirchmann. Foto: Ria Garcia

Es war ein sehr persönliches Treffen mit viel Zeit für Gespräche. Michaela Noll (MdB), Schirmherrin des Franziskus-Hospizes, besuchte erstmals die neue Leiterin Silke Kirchmann.

Seit Februar 2019 ist Silke Kirchmann „im Amt“. Für die temperamentvolle Leiterin ist die Hospizarbeit nicht nur Beruf, sondern Berufung, wie sie in der Zeit, in der Sie einen beruflichen Ausflug in andere Bereiche wagte, fast leidvoll erfahren konnte. Die Hospizarbeit fehlte ihr. Dass sie nun ausgerechnet im Franziskus-Hospiz die Leitung übernehmen konnte, macht sie glücklich. „Ich habe den Werdegang des Franziskus-Hospizes immer verfolgt. Dieses Haus war und ist für mich immer etwas ganz Besonderes“, erzählt sie Michaela Noll auf einem Rundgang durchs Haus und den Außenbereich. Für Schirmherrin Michaela Noll war es der erste Besuch seit dem Leitungswechsel. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Noll ist beeindruckt, was aus dem neuen Anbau und dem Außengelände seit dem Richtfest geworden ist.

Die Spendenbausteine im Eingangsbereich des Hospizes erzählen davon, wie viele Spender zum Gelingen des Neubaus beigetragen haben. „Es kommen immer noch neue hinzu, obwohl der Anbau längst fertig ist“, berichtet Silke Kirchmann. Darüber freut man sich im Hospiz natürlich, denn auch die bisherigen Bewohnerzimmer werden modernisiert und auch der Empfang wurde in den vergangenen Monaten umgestaltet. Am Eingang des Raums der Stille verweilen die Beiden einen Moment. Es ist ein ganz besonderer Ort im Hospiz. Hier gedenken Bewohner, Angehörige und auch Mitarbeiter der Menschen, die gegangen sind. Hier sprechen die Hospiz-Mitarbeiter auch darüber, was es mit ihnen macht, wenn ein Patient nach nur vier Tagen im Hospiz verstirbt oder wenn sehr junge Menschen von uns gehen.

Große Nachfrage nach Hospizplätzen

Michaela Noll und Silke Kirchmann bei ihrem Rundgang um den neuen Hospizanbau.
Foto: Ria Garcia

Mit dem neuen Anbau ist die Zimmerzahl von acht auf zehn angestiegen und dennoch ist die Nachfrage nach Plätzen oft größer als das Angebot. Die Entscheidung darüber, wer einen Platz erhält, muss deshalb in Absprache mit der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV), dem Ambulanten Hospiz Dienst und den Krankenhäusern nach Dringlichkeit getroffen werden. „Gibt es auch Menschen, die wieder ausziehen“, will Michaela Noll wissen und Kirchmann antwortet ihr „Ja, aber es sind nur wenige. Im letzten Jahr waren es sechs“. Dann erfährt Noll, dass viele Hospizbewohner davon sprechen, dass die Zeit im Hospiz die schönste und intensivste ihres Lebens sei. Schwer sei oft die Ankunft, die Erkenntnis „Ich bin jetzt im Hospiz“. „Die meisten Bewohner schlafen in der ersten Zeit ganz viel. Wir sind dann erst einmal gefragt, um Ruhe in den Alltag zu bringen. Für die Patienten, aber auch für deren Angehörige“.

Kirchmann erzählt auch von der Karnevalsfeier im Hospiz, als ein Ehepaar dabei saß und weinte. „Das hat sie sich so gewünscht, dass sie noch einmal Karneval feiern kann“, sagt der Mann, dessen Frau nicht mehr reden konnte. Eine kleine Oase ist der Innenhof des Hospizes, in dessen Mitte leise ein Springbrunnen plätschert und viel Grün Natur fühlen lässt. Wenn die Sonne ihn zu sehr erwärmt, sorgen Jalousien für Schatten. Im Hospiz „muss nichts“, aber vieles „kann“.

Im Hospiz wird jetzt frisch gekocht

Einen Wunsch der Bewohner hat Silke Kirchmann in ihrer Zeit schon erfüllt. Im Hospiz wird wieder selbst gekocht, denn Essen und der Duft der Speisen haben für die meisten Menschen eine zentrale Bedeutung. Von der Qualität kann Michaela Noll sich an diesem Tag selbst ein Bild machen. Küchenfee Barbara Miosga servierte für den Besuch eine frische Suppe und Fischfilet. Beim Essen fragt Noll dann: „Gibt es etwas, was ich fürs Hospiz tun kann?“. Daraufhin erzählt ihr Silke Kirchmann, dass sie die Bildungsarbeit des Hospizes wieder mehr vorantreiben möchte. Gern würde sie ein kontroverses Thema wie Organ-Spenden oder aktive und passive Sterbehilfe in einer Auftaktveranstaltung aufgreifen und sucht noch nach passenden Referenten. Gerade mit dem Thema aktive und passive Sterbehilfe kommen die Hospiz-Mitarbeiter häufiger in Berührung. Sie kennen die Meinung vieler todkranker Menschen, von denen einige sich wünschen würden, dass sie eine Wahl hätten.

Noll, die sich als Schirmherrin seit rund 10 Jahren für das Franziskus-Hospiz einsetzt, verspricht ihr bei der Vermittlung hochkarätiger Referenten behilflich zu sein.

(RG)


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