Happy Birthday Neanderthal Museum

Museumsdirektorin Dr. Bärbel Auffermann und Ausstellungsleiterin Melanie Wunsch mit dem neuen 'Mr. N'. Foto: RG

Seit 25 Jahren zieht das Neanderthal Museum Besucher von nah und fern an. Zum Geburtstag präsentiert sich ‚Mr. N‘ nackt und ‚braun gebrannt‘.

© LW

Natürlich war ‚Mr. N‘ nicht im Urlaub und seine dunkle Hautfarbe soll nur verdeutlichen, dass es auch bei den Neandertalern eine große Varianz an Hautpigmentierungen gab. Noch niemals vorher wurde eine Neandertalerfigur mit dunkler Hautfarbe rekonstruiert. Nun steht er da, wie Gott ihn schuf und Besucher können über die vielen kleinen Details des Stars staunen, der so lebendig aussieht, dass es nicht wundern würde, wenn er gleich von seinem Podest steigt. Die niederländischen Künstler Adrie und Alfons Kennis haben diese ‚Wunderwerk‘ vollbracht. Wer beim Museumsbesuch die Audiodatei nutzt, kann ‚Mr. N‘ auch seine Geschichte erzählen lassen. ‚Mr. N‘ ist eine von neun Neandertaler-Rekonstruktionen in der Dauerausstellung des Museums, die durch fünf weitere Urmensch-Rekonstruktionen ergänzt werden.

Aber ‚Mr. N‘ ist nicht das einzige, was sich zum Jubiläum in der Dauerausstellung neu präsentiert. Die Afrika-Grafik wurde aufgehellt und auf den aktuellen Stand der Forschung gebracht. Die Fundorte sind mit roten Spielfigurenkegeln, auch als Pömpel bezeichnet, gekennzeichnet und haben neue Schilder erhalten. Der komplette Bereich Leben und Überleben wurde umgestaltet und um ein wichtiges Thema ergänzt: Mensch und Klima. Dafür gab es noch nie eine Plattform. Der Neandertaler war perfekt an die kalten Bedingungen der Eiszeit angepasst. Sind wir an die kommenden Klimaveränderungen angepasst?

‚Mr. 4 %‘ hat sich zum Geburtstag schick gemacht. „Er hat einen neuen Anzug und Sneakers gekommen“, erklärt Melanie Wunsch, Abteilungsleiterin Ausstellung. Sein bisheriges Outfit war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr ganz der heutigen Mode. ‚Mr. 4%‘ lädt die Besucher ein, sich mit der Vergangenheit und Gegenwart auseinander zu setzen. Zum Aussterben seiner Spezies gibt es unterschiedliche Theorien, zu denen auch die fehlende genetische Vielfalt gehört, da die Population der Neandertaler vergleichsweise klein war.

Wie begegnen wir uns heute? Wie nehmen mir Fremdheit oder Vertrautheit gegenüber anderen Menschen wahr? Dafür wurde der Tunnel neu inszeniert, in dem Besucher gegenüber, getrennt durch eine Glasscheibe, Platz nehmen können und schweigend die Begegnung erleben können.

Spätestens nach dem Tunnel werden auch die Jüngsten beim Museumsbesuch in Entzücken geraten, denn da wartet die Rekonstruktion eines flauschigen Baby-Mammuts auf die Besucher. Ein riesiges, beleuchtetes Wandbild zeigt die Lebenszyklen der Mammuts in der Kalt- und Warmzeit. Wer genau hinschaut, entdeckt am rechten Rand des Bildes noch einen typischen Bewohner der Warmzeit. Wie sich das Klima verändert hat, erzählt ein Comic in der Ausstellung.

Und da steht es dann in der Mitte des Raums: Das Baby-Mammut. Direkt dahinter gewinnen Besucher einen Eindruck der Flora jener Zeit.

Der Mensch will Geschichte ‚begreifen‘

So niedlich und kuschelig die Rekonstruktion des des Baby-Mammuts auch aussieht, zum Anfassen ist sie nicht gedacht. Aber es löst auch so Emotionen aus. Das hatte Melanie Wunsch vor der Enthüllung des Baby-Mammuts einmal direkt erfahren können. Ein kleines Mädchen kam nörgelnd mit seiner Mutter die Treppe hoch. „Ich hab sie angesprochen und sie gefragt, ob ich ihr etwas zeigen soll, was noch nie ein Besucher vor ihr gesehen hat.“ Das Mädchen ging mit und Melanie Wunsch hob langsam das Tuch an, unter dem sie die Rekonstruktion noch versteckte. „Die Stimmung der kleinen hat sich schlagartig verändert. Sie war entzückt.“

Zum Anfassen und ‚begreifen‘ gibt es verschiedene Tast-Objekte. „Mein Neffe hat mich einmal gefragt: Kann man da auch Knochen anfassen?“, erzählt Melanie Wunsch. Sie sitzt oft in der Ausstellung und beobachtet, wie die Ausstellung auf die Besucher wirkt. Auch Anregungen, wie die ihres Neffen, fließen in die Ausstellung ein. „Ja, hier im Museum kann man auch Knochen anfassen“, lacht sie. Natürlich nicht die Originalknochen des Neandertaler-Fundes. Gerade für die jüngeren Besucher dürfte die Attraktivität auch durch das interaktive und inklusive Game Neandthal : Memories, das seit Juni für Museumsbesucher verfügbar ist, in diesem Jahr gestiegen sein.

„Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich Busse kommen sehe“, ist Museumsdirektorin Dr. Bärbel Auffermann froh, dass das Museum seine Türen nach einigen Corona-bedingten Pausen öffnen kann. Zwar gab es auch digitale Führungen, aber der persönliche Besuch ist eben nur bedingt durch digitale Angebote zu ersetzen. Auch der Außenbereich des Museums hat sich in den letzten Jahren verändert und ist mit der neuen optischen Sichtachse, dem Steinzeitspielplatz und der Brückenkonstruktion, die Parkplatz und Museum verbindet, attraktiver geworden. „Jetzt folgt noch die Fundstelle, an der aktuell die Bauarbeiten zum Turm ‚Höhlenblick‘ beginnen“, freut sich Auffermann auf die kommende Attraktion.

‚Update‘ der Dauerausstellung zum 25. Jubiläum

Martina Grote, Geschäftsführerin der
NRW-Stiftung. Foto: RG

Möglich wurde dieses dritte Update der Dauerausstellung (die beiden ersten waren 2006 und 2016) maßgeblich durch die finanzielle Unterstützung der NRW-Stiftung, die auch Eigentümer des Museumsgebäudes ist. Am vergangenen Freitag war deshalb auch Martina Grote, Geschäftsführerin der NRW-Stiftung unter den Gästen der Geburtstagsfeier. „Ich kenne das Neanderthal Museum schon seit seiner Gründungszeit“, so Grote. Sie weiß auch zu berichten, dass das Neanderthal Museum die Nummer ein bei den Heimat-Touren ist, die die Stiftung ermöglicht.

Neben der finanziellen Unterstützung der NRW-Stiftung, haben auch der Landschaftsverband Rheinland und die Stiftung HABRIS sowie die Neanderthaler-Gesellschaft e.V. durch ihre finanzielle Förderung das Update der Ausstellung ermöglicht.

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