Handwerkskammer Düsseldorf legte Frühjahrsgutachten vor

IHK Düsseldorf

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Symbolbild Statistik, Pixabay: geralt

Die Konjunkturlage im Handwerk an Rhein und Ruhr erweist sich auch im Frühjahr 2021 trotz fortdauernder Corona-Krise im Kern insgesamt als stabil. Das zeigen die repräsentativen Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage, die die Handwerkskammer in der zweiten März-Hälfte durchführte.

Das Geschäftsklima stieg gegenüber der Herbstumfrage 2020 geringfügig um zwei auf nun 115 Prozentpunkte. Dahinter verbirgt sich aber eine wirtschaftliche Spaltung besonderen Ausmaßes. Während unverändert 43 Prozent der Betriebe eine gute Geschäftslage melden, hat sich der Anteil der Unternehmen mit schlechter Geschäftslage von knapp einem Fünftel (Herbst: 18%) auf aktuell ein Viertel vergrößert. „Vor allem die Bauwirtschaft steht sehr gut da“, erklärte Kammerpräsident Andreas Ehlert dazu. „Aber große Sorge mache ich mir um Kosmetiker oder Fotografen, denen wirklich der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Hier geht es um die blanke Existenz.“

Umsätze von Dachdeckern und Friseuren klaffen weit auseinander

Besonders ausgeprägt sind die Spaltungstendenzen beim Blick auf Umsätze und Auftragsbestände: „Da geht die Schere zwischen Dachdeckern und Friseuren sehr weit auseinander“, so Ehlert. Trotz aller staatlichen Krisenhilfen müssten viele Betriebe in der Pandemie ihre mühsam aufgebauten Rücklagen einsetzen, um durchzuhalten. Die Krisenhilfen seien insgesamt viel zu kompliziert angelegt und wenig mittelstandsfreundlich: „Sie müssten nicht an Fixkosten, sondern an den Betriebsergebnissen ansetzen, damit Soloselbständige und andere Eigentümerunternehmer nicht durchs Rost fallen“, so Ehlert. Die Handwerkskammer ist nach den Ergebnissen der Umfrage darauf eingestellt, dass in diesem Jahr die Beschäftigung rückläufig sein wird, „auch wenn das Kurzarbeitergeld auch bei uns in den stark
betroffenen Branchen noch stabilisierend wirkt. Aber wir haben auch Boom-Gewerke wie Elektrotechniker oder SHK, die händeringend nach geeigneten Fachkräften suchen. Wer jetzt im Handwerk eine Ausbildung beginnen will, dem stehen alle Türen offen“, erklärte Ehlert.

Handwerk wieder zuversichtlicher

Insgesamt zeigen sich die Betriebsinhaber im Handwerk mit Blick auf das absehbare Ende der Pandemie derzeit in großer Breite wieder zuversichtlicher. 30 Prozent rechnen für die kommenden sechs Monate mit steigenden Umsatzzahlen – das sind 9 Prozentpunkte mehr als noch im Herbst. Allerdings ist der Optimismus nicht überall zu spüren. Insbesondere im Lebensmittelgewerbe und bei den Personenbezogenen Dienstleistungen sind die Erwartungen aufgrund der unsicheren Perspektive weitestgehend sehr zurückhaltend. Entscheidend sei für das Handwerk nun, dass man die dritte Pandemiewelle schnell in Griff bekomme und verlässliche Öffnungsperspektiven schaffen könne. „Die Politik hat in den letzten Monaten auch im Handwerk viel Vertrauen verspielt, weil sie diese Perspektive nicht bieten kann“, so Ehlert. „Wir hangeln uns von Lockdown zu Lockdown, weil wir mit dem Impfen nicht schnell genug vorankommen.“ Ehlert plädierte deshalb für weniger Bürokratie beim Impfen: „Wir müssen möglichst schnell an den Punkt kommen, an dem das Motto gilt: Wer will, der wird geimpft.“ Bis dahin komme es aus Sicht des
Handwerks darauf an, durch eine alltagstaugliche Teststrategie Infektionen frühzeitig zu erkennen und
Korridore für ein kontrolliertes Öffnen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens zurückzugewinnen. „Die Politik muss aus diesem Escape-Room endlich herausfinden – durch eine verlässliche und vertrauenswürdige Strategie“, appellierte Ehlert.

Entlastungs- und Wachstumsimpuls nötig

Darüber hinaus müsse es jetzt auch darum gehen, durch eine mittelstandsfreundliche Standortpolitik für Entlastung und Wachstum zu sorgen: „Nordrhein-Westfalen könnte hierzu einen wichtigen Schritt machen, wenn das Land bei der Grundsteuer den Mut zu einer wirklich einfachen Lösung fände – am besten durch ein konsequent an den Grundstücks- und Gebäudeflächen orientiertes Modell. Das wäre echte Bürokratievermeidung im Vergleich zu dem komplizierten Bundesmodell,“ so Ehlert.

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Detail:

Geschäftsklima/Geschäftslage
Die Corona-Pandemie spaltet das Handwerk. Das um zwei Punkte leicht verbesserte Geschäftsklima liegt mit 115 Punkten insgesamt im positiven Bereich und wird wesentlich von der verbesserten Stimmung im Bauhauptgewerbe und im Ausbaugewerbe getragen. Hier berichten jeweils 9 von 10 Betrieben von einer guten oder befriedigenden Geschäftslage. Am anderen Ende der Skala schätzt nur ein Drittel der Betriebe der Personenbezogenen Dienstleistungen seine Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Auch das Kfz- und Lebensmittelgewerbe sind stark betroffen. Hier berichten fast 40 Prozent der Unternehmen von einer schlechten Geschäftslage.

Umsätze
Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe ist die Lage robust: hier verzeichnen 75 Prozent der Betriebe gleichbleibende oder sogar steigende Umsätze. Bei den Gesundheitsbetrieben wie Hörakustiker oder Augenoptiker berichtet etwa die Hälfte der Betriebe von rückläufigen Umsätzen, bei den Lebensmittelhandwerken waren es 63 Prozent und bei den Personenbezogenen Dienstleistungen wie Friseure, Kosmetiker, Maßschneider oder Goldschmiede sogar 82 Prozent. Auch im Kfz-Gewerbe sind 65 Prozent der Unternehmen von Umsatzrückgängen betroffen.

Beschäftigung
Ein Warnsignal geht von den Antworten der Betriebe zur Beschäftigungssituation aus: Der Index bleibt mit 101 Punkten fast stabil und gerade noch ausgeglichen. Die ist jedoch im Wesentlichen auf die gute Lage in der Bauwirtschaft zurückzuführen. Im Bauhauptgewerbe wird mit 111 Punkten ein Spitzenwert erreicht, auch das Ausbaugewerbe bewegt sich auf einem sehr hohen Beschäftigungsniveau (107 Punkte). Hier liegt die Wachstumsgrenze weiterhin im Fachkräftemangel. Vor allem das Lebensmittelgewerbe und die Personenbezogenen Dienstleistungen, die von den Lockdown-Maßnahmen stark betroffen sind, weisen allerdings eine klar negative Beschäftigungsentwicklung auf und blicken auch pessimistisch in die Zukunft. Im gesamten Handwerk ist die Beschäftigung daher leicht rückläufig.

Kreditnachfrage
Ungeachtet der Corona-Krise hat der Bedarf der Betriebe nach Krediten sich nicht nennenswert verändert. Exakt jeder dritte Betrieb hat im letzten halben Jahr Kredite in Anspruch genommen. Im Bauhauptgewerbe ist die Tendenz steigend, bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf sinkend. Nicht ganz einheitlich ist das Bild bei der Einschätzung der Kreditvergabepraxis der Banken: Im Gesundheitsgewerbe, im Lebensmittelgewerbe und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf wird das Verhalten der Banken inzwischen als etwas restriktiver wahrgenommen. Im Kfz-Gewerbe stehen die Zeichen dagegen eher auf Entspannung

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