Goodbye Autokino mit „Lindenberg“

Autokino mit gratis Sonnenuntergang Foto: Susann Krüll

Am Mittwochabend hieß es zum letzten Mal „Film ab“ auf dem Parkplatz des Neanderbades.

Am 17. April konnte Thomas Rüttgers als Corona-bedingten Ersatz für den Filmbetrieb in seinem  Mettmanner „Weltspiel“-Kino hier mit seinem ersten Autokino starten. Von der Genehmigung über die Standortsuche bis hin zum Betrieb vergingen gerade einmal zwei Tage. Für so viel Initiative und Spontanität ist der Kino-Betreiber noch immer voll des Lobes für die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Erkrath und vor allem für die Stadtwerke Erkrath, die nach ein paar Vorstellungen sogar extra noch Glasfaser für eine noch bessere Bildqualität neben das von ihnen betriebenen Schwimmbad legten.

Großer Zuspruch und weiter Einzugskreis

Foto: Susann Krüll

Schnell etablierte sich das Erkrather Autokino als Magnet für Kinofans aus dem gesamten Kreis und den umliegenden Großstädten. „Wir hatten Zuschauer hier, die haben eine Stunde An- und Abreise in Kauf genommen“, erzählt Jan, der sonst im Mettmanner Kino arbeitet und fügt hinzu: „Wir hatten viele ältere Zuschauer zu Gast, die sich gefreut haben, Filme wie in ihrer Jugend in einem Autokino zu sehen. Aber auch junge Leute sind gekommen, weil es für sie ein ganz neues Erlebnis war. Für Familien war es in den ersten Wochen fast die einzige Aktivität, die sie mit ihren Kindern unternehmen konnten“, so der junge Mann, der gemeinsam mit Kollegin Leah, die als 450-Euro-Kraft sonst ebenfalls im Mettmanner Kino arbeitet, am letzten Tag Dienst hatte. Beide sind froh, dass sie durch die Autokino-Alternative nicht in Kurzarbeit gehen mussten, beziehungsweise ganz ohne Job dastanden.

Und auch jetzt ist nicht Schluss, für die Zwei geht es in Wülfrath weiter. Dort hat ihr Chef vor kurzem, ebenso wie in Monheim, weitere Standorte für (temporäre) Autokinos gefunden. „In Wülfrath ist alle noch professioneller: Die Leinwand mehr als doppelt so groß und es gibt Platz für 100 Autos auf dem Parkplatz von Knorr Bremse“, erzählen die beiden Mitarbeiter. Auf diese Alternative wies Jan dann in seiner Begrüßung die Zuschauer hin, die sich die sehenswerte Filmbiografie des Deutschrocker Udo Lindeberg ansehen wollten. „Wir freuen uns, Sie dann hoffentlich bald dort wieder begrüßen zu können“, sagte er und sorgte das letzte Mal dafür, dass der Film über die Leinwand “flimmerte“, hinter der kurz vorher spektakulär die Sonne untergangen war.

Außer Filmen gab es auch Comedy, Poetry Slam und Live-Musik sowie Ökumenische Gottesdienste

So vielfältig wie die Filmauswahl während der letzten Wochen war auch die Veranstaltungen, die noch auf der Bühne neben der Leinwand stattfanden. Kinobetreiber Thomas Rüttgers zeigte sich von dem Ideenreichtum der Erkrather begeistert. An sechs Sonntagen konnten Mitglieder der vier Erkrather Gemeinden alternative Gottesdienste feiern, mit „Tonkomplex“ rockten Erkrather Lokal-Matadore die Bühne am Neanderbad. Veranstalter Jan Schmidt war mit vier Poetry Slamern zu Gast, von denen per Hup- und Lichtkonzert der Sieger des Wettstreits gekürt wurde. Und Comedy vom Feinsten gab es mit Olaf Bossi und Jens-Heinrich Claassen auch noch.

Traumhafte Sonnenuntergängen gab es gratis dazu

Nicht nur das Team des „Weltspiegel“ Kinos sorgte für einen reibungslosen Ablauf beim Parken und der Ausgabe der vorab georderten Speisen und Getränke, auch Chef Thomas Rüttgers betätigte sich bei vielen Vorführungen selbst als Einweiser. Auch Popcorn, Nachos und Getränke brachte der Chef den Zuschauern als Entschädigung höchst selbst ans Auto, als es aufgrund eines Pixel-Fehlers bei der Vorstellung von „Parasite“ erst eine halbe Stunde später losgehen konnte. Diese familiäre Atmosphäre war ein weiterer Punkt, der viele Zuschauer mehr als einmal hat wiederkommen lassen. Bedankt haben sie sich bei allen Veranstaltungen, ob Film, Gottesdienst, Literatenwettstreit,  Comedy- oder Bandauftritt standesgemäß mit einem Hupkonzert und Aufblenden der Scheinwerfer. Und falls die eine oder andere Autobatterie dann doch mal schlapp machte, waren das „Weltspiegel-Team“ mit dem Überbrückungskabel sofort zur Stelle.

Hoffnung auf ein Wiedersehen mit dem „Weltspiegel“-Kino

Schon vor dem Corona-Shutdown war Thomas Rüttgers an die Verantwortlichen der Stadt Erkrath mit dem Wunsch herangetreten, in der Stadt ein Kino zu eröffnen. Bisher ist die Suche nach einem geeigneten Standort leider noch nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Aber da die Idee auch von den im Stadtrat vertretenen Parteien mitgetragen wird, können die Erkrather hoffen, bald nicht mehr in die Kreisstadt oder die umliegenden Großstädte fahren zu müssen, wenn sie Lust auf Kino haben. Ideen für einen geeigneten Standort, der verkehrstechnisch gut auch aus dem Düsseldorfer Süden angebunden sein sollte, sowie genügend Fläche für Parkplätze bietet sollte, werden von Betreiber und Verwaltung gern entgegengenommen.


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