Glänzende Aktionstage auch in Erkrath

Katy Schnee und Volker Rapp vor dem verhüllten Obelisken. Foto: RG

Katy Schnee und Volker Rapp beteiligen sich mit einer ganz besonderen Aktion an den bundesweit am Wochenende stattfindenden ‘Glänzenden Aktionstagen’.

“Uns erreichte erst Anfang der Woche eine Mail von ‘den Vielen’ und der ‘Ständige Kulturvertretung Erfurt’, in der man uns bat uns an den bundesweiten Aktionen zu beteiligen”, erzählt Volker Rapp bei der Installation. Mit den Aktionen soll daran erinnert werden, dass Kunst während des Nationalsozialismus zum Teil ‘entartet’ war. Es blieb nur wenig Zeit zur Vorbereitung. “Wir haben haben nach einem Bezug zu Erkrath gesucht und einen ganz besonderen gefunden”, erklärt Katy Schnee. Der Ort, den die beiden für ihre Aktion ausgewählt haben, verdient es, dass wir ihn nicht vergessen. “Wir möchten uns auch noch einmal bei Jörg Albert, dem ersten Vorsitzenden der Ercroder Jonges bedanken, der uns diese Aktion so schnell und unkompliziert genehmigt hat”, freut sich Volker Rapp, denn der Ort der Installation ist ein von den Jonges errichtetes Mahnmal.

Wenn an diesem Wochenende Spaziergänger hinter dem Nordbahnhof in Erkrath Richtung Gans laufen, haben sie einen ‘leuchtenden Empfang’. Dort steht das von den Jonges errichtete Mahnmal. Ein Obelisk mit einer darunter angebrachten Gedenktafel. Für 48 Stunden wird der Obelisk golden erstrahlen, die Sonnenstrahlen reflektieren und den Blick noch einmal auf das Schicksal von sieben Jungen im Alter zwischen 7 und 14 Jahren lenken, die an dieser Stelle vor 75 Jahren den Tod fanden. Der Krieg war bereits vorbei. Sie starben durch eine Explosion von an dieser Stelle gelagerter Kriegsmunition.

Aber nicht nur das Ende des Krieges und des Faschismus wird an diesem Wochenende gefeiert. Es ist auch Europatag. Wir feiern ein Europa, in dem es seit 75 Jahren keinen Krieg mehr gab. Ein vereinigtes Europa, das nur in Gemeinsamkeit zu dem Europa werden konnte, das wir heute kennen.

Für Katy Schnee und Volker Rapp ist es nicht die erste Aktion, bei der sie mit goldener Folie ‘etwas erheben’, den Fokus auf Details setzen und Licht und Sonne auf etwas Lenken, das sonst im Dunkeln liegt. Die goldenen Folien sind bereits ein Markenzeichen der beiden und so heißt die Aktion hier dann auch ‘Gold statt braun’. “Wir wollten damit auch darauf hinweisen, dass es immer noch und immer wieder neu faschistisches Gedankengut gibt”, erklärt Katy Schnee.

In einem kurzen Video sprechen die beiden auch selbst über die Aktion und vor allem über das Mahnmal.

Während der nationalsozialischen Diktatur prägte sich der Begriff der ‘entarteten Kunst’. Mit rassentheoretischen Begründungen diffamierten die Nazis Moderne Kunst und übertrugen den Begriff der Entartung von der Medizin auf die Kunst. Neben der Bewertung von Werken jüdischer Künstler mit dem Begriff der Entartung, fielen auch alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die nicht mit der Kunstauffassung dem Schönheitsideal der Nazis im Einklang standen, unter den Begriff der entarteten Kunst. Darunter fielen der Expressionismus, Dadaismus, die Neue Sachlichkeit, der Surrealismus, der Kubismus oder der Fausismus.

2017 haben sich Künstler und Institutionen zusammen geschlossen. Der Verein ‘Die Vielen’ wurde gegründet, der vor allem für Vielfalt, unter den Menschen und in der Kunst, steht.

DIE VIELEN sind ein Zusammenschluss für die Sicherung der Kunstfreiheit in Offenheit und Vielfalt und sind in den letzten drei Jahren zu einem bundesweiten offenen Zusammenhang zwischen zahlreichen Kunstinstitutionen, Aktiven der Kulturlandschaft und freien produzierenden Künstlerinnen geworden.
Den 32 regionalen Erklärungen der VIELEN in Deutschland haben sich inzwischen über 4.000 Unterzeichnende Kulturinstitutionen und tausende private Unterstützerinnen angeschlossen. Hinzukommen über 400 Unterzeichnende der Erklärung
der Vielen in Österreich. Für die Forderung der Online-Petition „Der 8. Mai muss Feiertag werden!“ wurden bereits mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt.

Am Wochenende läuft ein Livestream mit den bundesweiten Aktionen der Künstler.


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